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Thema: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

  1. #1
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Einleitung

    Unser (Livrio, seine Frau und yours truly) Ziel für eine längere Reise war wieder einmal der Westen, genauer gesagt die Schweiz mit "Korrekturpotential" Richtung Süden, falls sich schnee- und wettertechnisch ein Wechsel zur Alpensüdseite anbietet. Eigentlich fand der Start diesmal ja im Salzkammergut statt. Doch mit der deutlichen Erwärmung nach starken, neuerlichen Schneefällen entschieden wir uns kurzfristig gleich nach einer Nacht in Altaussee in Richtung Schweiz aufzubrechen und verbrachten somit gleich den Samstag (28.2) wie es sich für traditionsbewusste Urlauber gehört im teutonischen Reisestau auf der Autobahn Salzburg - München, anstatt wie geplant in einem Skigebiet entlang der Inntalautobahn. Wie zum Hohn schien natürlich ab Staubeginn die Sonne ...

    Zu allem Überdruss hatte unser anivisiertes Ziel (Ospizio Bernina) übers Wochenende keinen Platz mehr frei und wir mussten auf einen Talort im Oberengadin (Zuoz) ausweichen.

    Der Abend zeigte sich von seiner freundlichen Seite und ließ Vorfreude auf den angekündigten Schönwettersonntag aufkommen ...



    Inhaltsverzeichnis

    Tag 2: Blindflug auf der Diavolezza

    Tag 3: Mit Ski über dem Alpenhauptkamm: Alp Rösa

    Tag 4: Haifische am Piz Corvatsch

    Tag 5: Landeanflug am Flughafen Samedan

    Tag 6: Eingeschneit zwischen Südstau und Nordwestern

    Tag 7: Private Powder am Paradiso

    Tag 8a: Vom Freerider zum Maulwurf

    Tag 8b: In den Fängen der Staatsgewalt

    Tag 9: Sightseeing zum Ausklang: Durch drei Skigebiete in drei Gebirgsgruppen

    [to be continued]

  2. #2
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Blindflug auf der Diavolezza

    Anstatt des erwarteten strahlenden Sonnenscheins begrüsste uns am Sonntag das Oberengadin mit undefinierbarem Wetter, d.h. hochliegender Wolkendecke mit dem einen oder anderen Sonnenstrahl dazwischen. Trotzdem fuhren wir frohen Mutes auf die Diavolezza und gleich rüber zum Eingang des Val d'Arlas. Der Schneezustand war nicht gerade ermutigend, aber was soll's: immerhin waren wir die einzigen weit und breit, die diese leicht erreichbare Variante wählten. Das Val d'Arlas ist eine riesige Schneeschüssel mit "unendlich" viel Platz. Tatsächlich waren nach der breiten Einfahrtsrinne kaum Spuren. Dafür umso mehr Windgangeln und eine nicht vorhandene Nahsicht. Dementsprechend lässt sich die Abfahrt eher als alpines Absteigen mit Ski beschreiben. Umso grösser wurde das "Vergnügen" als im unteren, flachen Bereich (wo man eigentlich die Ski laufen lassen sollte) auch noch Nebel dazu kam und sich die Sicht auf wenige Meter reduzierte.

    Entnervt gaben wir auf und verbrachten eine Zeitlang auf den Pisten (ja, richtig, diese präparierten linienförmigen Dinger zwischen dem Tiefschnee), bevor wir dann auf die traditionsreiche Morteratsch (Gletscher-)Abfahrt an der Diavolezza wechselten. Mittlerweile wird diese im Gletscherbereich sogar maschinell präpariert (immerhin war aufgrund der guten Schneelage eine Abfahrt im freien Gelände direkt vom Diavolezzahaus möglich).

    Landschaftlich ist diese Abfahrt dennoch grossartig - auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte ...

    Blick zurück zum berühmten Piz Palü (3901m)


    Am späten Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg zum Berninapass um im dortigen Ospizio Bernina Quartier zu machen.

    Zunächst mussten wir allerdings erst den Weg freischaufeln. Zum Glück hatten wir einen Caterpillar im Gepäck ...



    Nach getaner Arbeit ...



    ... war der Weg zum Abendessen endlich frei ...



    [to be continued]

  3. #3
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Alp Rösa: Mit Ski über dem Alpenhauptkamm

    Der Piz Lagalb (2959m) war mal einer der begehrtesten Seilbahnskiberge der Schweiz. Heute steht er auf der roten Liste, d.h. akut schließungsgefährdet. Seine Nordseite bietet einige schöne Freeridehänge (falls Pulverschnee vorhanden ist). Unser Interesse galt diesmal aber die Südseite des Berges. Direkt von der Seilbahnbergstation kann man nämlich eine tolle Geländeabfahrt runter auf die Südseite der Berninapassstrasse unternehmen, die erst auf der Hochfläche der Alp Röse (1870m) endet. Dadurch gelangt man vom deutschsprachigen Oberengadin über den Alpenhauptkamm ins italienischsprachige Poschiavo.

    Das Wetter war durchaus brauchbar – über die Schneeverhältnisse machten wir uns nach den Erlebnissen vom Vortag keine großen Erwartungen mehr



    Immer wieder schön der Tiefblick zur Passlandschaft des Berninapasses


    Wieder waren wir die einzigen abseits der Pisten und die wenigen alten Spuren verloren sich bald bzw. waren verweht. Die Navigation durch einige Felsbänder war durchaus ein wenig trickreich und verlangt gute Sicht (oder gute Ortskenntnisse), da die Hänge ziemlich konvex geformt sind und keinen aufschlussreichen Überblick von oben bieten

    Rückblick zum oberen Teil – diese kleinen Felszonen lassen sich von oben relativ schwer einsehen


    Weiter unten werden dann die verschiedenen Möglichkeiten deutlicher. Wir wählten – da lediglich Lawinenwarnstufe 2 herrschte – das kleine, nette Tobel (Val di Gess) links unten.



    Dort trafen wir auf den südseitigen Hängen sogar auf recht nette Firnverhältnisse …


    Rückblick ins Val di Gess


    Auch die letzten Hänge zur Passstrasse oberhalb der Alp Rösa boten brauchbaren Firn


    Neben Skigenuss bietet die Abfahrt natürlich auch nette landschaftliche und kulturhistorische Reize …



    [to be continued]
    Geändert von gletsch (10.03.2009 um 00:58 Uhr)

  4. #4
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    [gelöscht - Doppelpost]
    Geändert von gletsch (10.03.2009 um 00:59 Uhr)

  5. #5
    Freeskier Avatar von Spaetzle
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    weiter so. Super

  6. #6
    Freeskier Avatar von jensr
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Nett!
    Snow porn is bad for my mental health!

  7. #7
    Freeskier Avatar von freeriderin
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Hi Gletsch,

    Danke für Bilder und Bericht - freue mich auf die Fortsetzung!

    Scheint ja, als hättet ihr spannende Tage gehabt.

    Grüße
    Kati

  8. #8
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Haifische am Piz Corvatsch

    Über Nacht gab es dann eine deutliche Wetterverschlechterung. War das nun schon das Genuatief über dem seit Tagen gemunkelt wird. Leider hatten wir am Ospizio nur sehr instabiles Satelliteninternet und die TV-Wetterbericht sind als Grundlage für Standortwahlentscheidungen beim Skifahren eher nicht optimal. Wir entschieden uns also auf die alte meteorologische Weisheit „Einfach zu gegebener Zeit beim Fenster rausschauen“ und warteten ab. Tatsächlich gab es am Morgen einiges an Neuschnee auf dem Pass, verbunden mit starkem Wind und Null Sicht. Diavolezza und Lagalb schieden daher aus. Gerüchteweise sollte es unten bei St. Moritz etwas besser sein. Also entschieden wir uns für den Corvatsch, da es hier in den untersten Abschnitten zumindest etwas Wald gibt.

    Anfangs war die Sicht allerdings auch hier sehr eingeschränkt und der wenige Neuschnee ließ kein genussreiches off-piste-Fahren im Wald zu. Immerhin riss es plötzlich auf und wir wagten uns mit der Seilbahn rauf auf den Gipfel (eigentlich ein Vorgipfel des Piz Murtel). Leider ist der Gipfelgletscher im Vergleich zu früher arg in sich zusammengeschrumpft (wie auch der noch vor 20 Jahren überaus beeindruckende Tschiervagletscher im Becken zwischen Piz Bernina, Piz Scerscen und Piz Roseg). Dank des Wetterfensters war es uns immerhin möglich ein wenig abseits des Pistengeländes zu fahren – wie bereits an den Vortagen völlig allein (abgesehen von einer kleinen Gruppe mit Bergführer, die sich aber eine andere Variante wählten).

    Die ca. 10cm Neuschnee konnten zwar nicht völlig begeistern – aber immerhin. Die letzten Tage hatten uns bereits bescheiden gemacht. Zu allem Überdruss gelang es mir gleich zwei Haifischschwärme aufzuscheuchen. Immerhin konnte ich damit die verseuchten Zonen aufdecken …





    Leider zog es dann an der Fuorcla Surlej wieder völlig zu. Die Sicht beschränkte sich plötzlich auf lediglich einige wenige Meter. Uns blieb also nicht viel übrig als im Wald im Bereich der Hahnenseeabfahrt Richtung St. Moritz ein wenig zu spielen. Immerhin waren wir auch hier allein …



    Landeanflug zum Flughafen Samedan

    St. Moritz gilt ja bekanntlich seit jeher als Alpenmetropole der „Reichen und Schönen“. Selbstverständlich haben wir ebenfalls zum Glamour beigetragen, indem wir abends durch das Städtchen auf Shopping- und Kaffeetour wandelten (bei den Bogner-Skiklamotten lies ich mein „prall“ gefülltes Portemonnaie allerdings in der Hosentasche stecken).

    Für einen Ort wie St. Moritz ziemt sich natürlich auch ein eigener Flughafen, der sich im „Vorort“ Samedan befindet. So etwas wollten wir uns nicht entgehen lassen, also entschlossen wir uns am nächsten Tag für einen entsprechenden Ausflug. Bei dem schon gewohnten undefinierbaren Wetter (am Berninapass gab’s über Nacht wieder Schneefall von Süden und schlechte Sichtverhältnisse bei Wind) fuhren wir also runter nach St. Moritz.



    Startpunkt unseres kleinen Rundfluges war die Bergstation der Sesselbahn Trais Fluors. Von dort stiegen wir zunächst ganz traditionell – also mit Fellen – in einer gemütlichen halben Stunde auf die Fuorcla Valetta (2858m). Der Anstieg – bei Sonne und ca. 10cm Neuschnee – ließ bereits etwas Vorfreude aufkommen, als beim Erreichen der Scharte plötzlich der Nebel einfiel. Nun würde sich also zeigen, ob unsere Ausbildung für die besonderen Flugbedingungen bei alpinem Schlechtwetter ausreichen würde …

    Tatsächlich gestaltete sich die Abfahrt durch das Hochkar Valetta bei völlig fehlender Nahsicht als wenig genussreich. Zudem hatten die eingewehten 10cm Neuschnee in den (wenigen) steileren Bereichen de facto null Haftung zur alten, gefrorenen Schneedecke, was doch einiges an Aufmerksamkeit erforderte.

    Letztlich waren wir ziemlich froh als wir die Nebeluntergrenze durchstießen und nach den Landesignalen des Flughafens Samedan Ausschau halten konnten …



    Tatsächlich war der Flughafen bald darauf ausfindig zu machen. Dass wir quer zur Landepiste zielten, ließen wir als kleinen Navigationsirrtum durchgehen …





    Der Landeanflug war dann überraschend genussreich: ein mehrere hundert Höhenmeter langer Steilhang fiel beinahe ebenmäßig in ein Steiltobel direkt nach Samedan ab. Die hier nur etwa 5 cm Neuschnee auf griffig gefrorener Altschneedecke machten das ganze „bombensicher“ und sorgten für Skispass. Lediglich im unteren Bereich musste auf alte hart gefrorenen Lawinenablagerungen geachtet werden.





    Bei den Dorfwiesen oberhalb von Samedan wies uns dann das alte Kirchlein St. Peter den Weg …



    [to be continued]
    Geändert von gletsch (10.03.2009 um 18:59 Uhr)

  9. #9
    Freeskier Avatar von TomyLight
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Oh man, ich muss unbedingt mal nach Italien. Immer wenn ich pancugolos oder deine Fotos seh, ist nie was los...

    btw: Sehr feine Fotos! Hast nicht zu viel versprochen!

  10. #10
    Moderator Avatar von freak
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    wusste garnicht das st.moritz und konsorten in italien liegen :P

    freak~[&]
    Vom Rathaus in die Diskothek ist es nur ein kurzer Weg!

  11. #11
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Tomylight's kleiner Irrtum sei hiermit verziehen. Das Ospizio Bernina eignet sich nämlich tatsächlich gut zum Italienisch lernen (das Personal ist tw. aus Italien und die einheimischen Schweizer sprechen je nach Lust und Laune entweder italienisch oder schwyzerdeutsch). Zudem kam das Genuatief ja eindeutig aus Italien.

    Und bald werden wir uns ja auf die Reise zum südlichen Nachbarn machen. Dann passt der Kommentar von Tomylight auch politgeographisch .

    P.S.: Livrio wird in den nächsten Tagen sicherlich einige Fotos hier posten, die - soweit ich das bei den abendlichen Fotoanschaurunden am Laptop erkennen konnte - den fotographischen Standard in diesem Thread tendenziell mehr in Richtung jenes des im Forum sonst üblichen heben werden.

  12. #12
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Eingeschneit am Berninapass

    Nachdem die bisherigen Schneefälle immer recht kurz anhaltend und wenig ergiebig waren (das Maximum am Pass waren 10cm über Nacht) wurde für die Nacht auf Donnerstag ein endgültiges Durchgreifen des Genuatiefs angekündigt. Tatsächlich waren dann in der Früh verdächtige Geräusche zu hören. Die Strassenmeisterei hatte sämtliche Geschütze aufgefahren und der vielfältige Fuhr- und Maschinenpark hatte sich rund ums Ospizio zum Dauereinsatz versammelt.



    Ein Blick auf die geparkten Autos ließ gleich mal einen Vorgeschmack auf unsere Aktivitäten nach dem Frühstück erahnen.



    Zudem war die Passstrasse aufgrund der Lawinengefahr (mittlerweile LWS 4) gesperrt und der angeforderte Helikopter konnte aufgrund der Sturm- und Sichtverhältnisse noch nicht eingesetzt werden.

    Gegen Mittag gab es dann ein Wetterfenster: das Genuatief kam zu einem abrupten Ende und die Temperatur stieg plötzlich auf Plusgrade (und das auf einer Höhe von 2309m). Das ermöglichte dann endlich den Einsatz des Helikopters zum Lawinensprengen, v.a. an der Südrampe der Passstrasse.



    Wetterbesserung am Berninapass


    Die örtliche Strassenmeisterei war dann so freundlich uns gelangweilten Skiläufern mit Tourentips für die gegebene Lawinensituation zu versorgen. So konnten wir uns kurzfristig bei zunehmendem Sonnenschein auf eine Miniskitour begeben. Mein Optimismus war sogar so groß, dass ich meine Legend Pro mal als Tourenski testen wollte und die bettlakengrossen Felle auf diesen Skiungetümern montierte. Aus Mitleid mit mir, musste ich dafür nicht durch den tiefen Neuschnee spuren (offiziell wurden unten an der Talstation der Lagalb-Bahn 66cm Neuschnee gemeldet). Begleitet war unser Aufstieg durch laufende Sprenggeräusche des Helikopters, was uns zuversichtlich für eine baldige Öffnung der Strasse machte.

    Rückblick zum Ospizio


    Und zum Gasthof Cambrena


    Aufstieg im flachen Gelände (hier gab es bis vor einigen Jahren auch ein kleines Skigebiet mit 2 Skiliften)


    Passlandschaft


    Unser Wetterglück währte allerdings nur kurz. Gerade als wir den von uns definierten Gipfel (einen namenlosen Hügel von ca. 2450m) erreichten, zog es wieder zu, was die Abfahrt wiederum zu einem Blindflug im an sich schön fahrbaren, etwas pappig gewordenen Neuschnee machte.

    Anstatt einer schwungvoll-eleganten Abfahrt endete daher mein Ausflug mit den Legend Pro in einem überraschenden Absturz über eine kleine Hangwächte in eine vorab nicht sichtbare Mulde … Und zu allem Überdruss machten sich dann weiter unten – glücklicherweise waren wir aber wirklich weit und breit im relativ flachen Gelände – einschlägige Wummm-Geräusche bemerkbar. So waren wir mehr erleichtert, als wir die Strasse erreichten und einige Hundert Meter zurück zum Ospizio marschierten. Dort erfuhren wir, dass die Strasse südseitig auch durch eine Lawine mit Bauminhalt verlegt wurde und sich die Räumung dadurch entsprechend aufwändiger gestaltet, weswegen wir unsere geplante „Flucht“ in den Süden auf den nächsten Tag verschoben.

  13. #13

    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    ui husche TR
    It's a war of the mind and we're armed to the teeth.

  14. #14
    Moderator Avatar von FatFreddy
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    dieser yours truly führt ein beneidenswertes leben, in so vielen tr's wie der dabei ist...

    Zitat Zitat von Simon Pfandler Beitrag anzeigen
    möglichst viel Holz und Titanal, Gewicht ist eher zweitrangig, ist eh nur Training.

  15. #15
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Private Powder am Paradiso

    Am Freitag klarte es dann etwas auf und wir verließen den Berninapass in Richtung Bella Italia, wo wir die Früchte des Genuatiefs bei besserem Wetter (Hoffnung auf Nordföhneffekt) zu ernten gedachten. Die Reise über lächerliche 88km gestaltete sich aufgrund enger Bergstrassen allerdings langwieriger als gedacht. Immerhin kamen wir aber an architektonischen Besonderheiten vorbei für die andere Leute extra aus Japan anreisen, d.h. wir durften einige Blicke auf die berühmte offene Kreiskehre der Berninabahn unterhalb von Brusio oder die enge Ortsdurchfahrt von San Antonio, die Zug und Auto gleichermaßen benutzen, erheischen. Natürlich ließ auch der Anblick der ersten Palme im untersten Puschlav die Vorfreude auf Sonne, Strand und Meer steigen. Ups … falscher Film! Denn nach diesen ersten Frühlingsboten ging es wieder aufwärts in den Schnee. Am Passo Tonale türmten sich dann wieder die Schneewände neben der Strasse und der unterschiedliche „Weissheitsgrad“ deutete auf beträchtliche Neuschneemengen durch das jüngste Genuatief hin.

    Umso erfreulicher die Tatsache, dass der Parkplatz an der Paradiso-Gondelbahn praktisch leer war und die Gondelbahn gerade erst zur Öffnung nach wetterbedingter Schließung vorbereitet wurde. Somit waren wir praktisch die Ersten, die die feinen Nordhänge bei ca. 60-80 cm neuem Pulver antesten durften (tags darauf erfuhren wir, dass sich eine einschlägige Gruppe snow-chasender Freerider zu diesem Zeitpunkt grade an den oberen Südhängen des Passo Tonale tummelten bevor sie von der Polizia vertrieben wurden).

    Die Abfahrten lieferten uns dann endlich das ersehnte Powderfeeling. Trotz wechselnder, d.h. tendenziell schlechter, Sichtverhältnisse waren es weitgehend ungetrübte Genüsse.



    Livrio probierts mal mit Doppelbrillensteeze






    Einen Durchzug einer Nebelbank nutzen wir zu einem kurzen Ausflug auf die baumbestandene untere Südseite gegenüber des Paradisohanges. Hier war allerdings der Schnee – trotz der vergleichsweise geringen Sonneneinstrahlung – bereits etwas pappig.



    Nach ein oder zwei Testruns – die Sicht war wieder etwas besser - durften dann endlich wieder die Legend Pro ran. Zwar wagten sich auch einige Pistenfahrer vermehrt in den Tiefschnee, aber es blieben den ganzen Nachmittag genug Hänge übrig ohne sich in die Quere zu kommen. In dem mittelsteilen Gelände traute ich mich dann langsam an den von den Legend Pro gewünschten Geschwindigkeitsbereich heran und konnte erstmals den „Flow“, den diese Ski bieten, genießen.

    Den letzten Run nutzten wir dann um – uns nördlich über zunächst etwas steilere Hänge haltend – in den Talgrund des L’Ogliolo runter zu fahren. Nordseitig war hier der Schnee noch bis unter 1800m ideal – erst im flachen Talgrund machten sich die hohen Temperaturen bemerkbar. Den anschließenden kurzen, aber schweisstreibenden Aufstieg zur Piste Richtung Mittelstation der neuen Gondelbahn Ponte di Legno – Passo Tonale lohnte die Abfahrt allemal.

    Zwei einsame Skifahrer verstecken sich im Gebüsch …


    Die flachen Schlusshänge vor dem Talboden




    Rückblick zum Passo del Paradiso (2573m) mit der Gondelbahn


    Der Freitag war somit skifahrerisch der erste echte Höhenpunkt, der endlich auch den ersten Pulverschnee brachte. Was jetzt noch fehlte war ein wirklich sonniger Tag mit entsprechenden Sicht- und Lichtverhältnissen, nachdem wir bislang praktisch den gesamten Winter immer bei suboptimalen Wetterverhältnissen skifahren mussten.

  16. #16
    Freeskier
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Für den Hang, den ihr gefahren seid, waren die Verhältnisse gar nicht so schlecht. Bei schönem Wetter ist der schnell verspurt.
    Und das in Italien! Kaum vorstellbar, aber wahr.

    Interessanter Road-trip bisher, freue mich auf die Fortsetzung. Natürlich bin ich insbesondere auf das Finale gespannt (und den Showdown mit der Polizia).

  17. #17
    Freeskier Avatar von flo1234567890
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    wow! echt netter tr
    skiing is a very serious addiction, probably can be compared to crack - chris rubens
    http://www.higaski.at

  18. #18
    Freeskier Avatar von WegWerfHeld
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Yeah Doppelbrillensteeze! Nett, nett. Bin mal gespannt auf was noch kommt.
    hookers and blow

  19. #19
    Freeskier
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    sehr schön geschrieben. *schmunzel*
    𝑇ℎ𝑖𝑠 𝑐𝑜𝑚𝑚𝑒𝑛𝑡 ℎ𝑎𝑠 𝑏𝑒𝑒𝑛 𝑐𝑒𝑛𝑠𝑜𝑟𝑒𝑑 𝑑𝑢𝑒 𝑡𝑜 𝐸𝑢𝑟𝑜𝑝𝑒𝑎𝑛 𝑈𝑛𝑖𝑜𝑛’𝑠 𝑐𝑜𝑝𝑦𝑟𝑖𝑔ℎ𝑡 𝑙𝑎𝑤.

  20. #20
    Freeskier Avatar von gletsch
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    Standard AW: Oberengadin-Adamello-Brenta: Mit Ecken und Kanten (27.2. - 9.3)

    Zitat Zitat von Zorro Beitrag anzeigen
    sehr schön geschrieben. *schmunzel*
    Ja, meine Fotos sind diesmal besonders besch... Irgendwie komm ich - zumal bei schlechten Wetterverhältnissen - mit meiner Cam nicht zurecht. Ich hatte zwar die Gebrauchsanleitung herausgesucht, aber wieder mal vergessen ...

    Aber die Fotos sind halt nötig, um die Geschichte zu erzählen. Und Livrio liefert ja bald ein paar qualitativ bessere Fotos nach.

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