Streif Deluxe
Ende März, Anfang April freunde auch ich mich schön langsam notgedrungen mit Frühlingsskifahren an – ist ja auch ganz schön: Nicht mehr ganz so kalt, nicht mehr so viele Menschen, gutes Wetter, verschneite Berge vor tiefblauem Himmel, die einen von noch erreichbaren Tourenzielen und nächstwinterlichen Abenteuern träumen lassen. Genau das erwarteten wir und bekamen wir auch beim FreerideTestival am Stubaier Gletscher und in Hochfügen (Liftbetrieb bis 12.04.26), ebenso wie in der Wildkogelarena in Bramberg bzw. Neukirchen am Großvenediger (Liftbetrieb bis 12.04.26).

Wenn aber Ende März, Anfang April nochmal der Dump kommt… Ja dann ist es an der Zeit für die Abenteuer, die direkt vor der Haustüre warten – und die so selten sind, dass man sich ein Skifahrerleben lang an sie erinnert und immer wieder zurück ins Gedächtnis holt.
Um es kurz zu machen: Ein paar genau dieser seltenen, großartigen Tage hatten wir im legendärsten Skiort der Alpen. Im Luxusmekka Österreichs. In der Gamsstadt, die Skisporthelden macht und sie dann mit einer eigenen Gondel ehrt. Also eh klar, in Kitzbühel.
Legendär ist in Kitzbühel nicht nur die Millionärsdichte, sondern – natürlich – vor allem die Streif: Ausm Starthaus raus geht es über den Starthang (51% Gefälle) direkt in die Mausefalle (>40°) und von dort – nach der Kompression - auch gleich in den Steilhang (Nomen est Omen…). Die Steilhang-Ausfahrt nahm Bode Miller damals einen Meter über der Piste am Netz. Nach Gschöss und Alter Schneise wartet der Seidlalmsprung. Von da an gilt es nur mehr Lärchenschuss, Oberhausberg und die Hausbergkante mit ihrem Sprung in die Querfahrt zu meistern, bevor man sich nach überstandenem Zielsprung feiern lassen kann. Oder um es mit dem ebenso legendären Streif-Kommentator Armin Assinger zu sagen: „Da pfeifen die Komantschen!“

So weit, so bekannt. Gut, die meisten Kitzbühel-Touristen kennen den Streckenverlauf ausschließlich aus dem Fernsehen und auf Ski maximal die Familienstreif. Nicht ganz so legendär. Richtig legendär aber: Streif (Rennstrecke) im bzw. nach dem Dump im frischen Pulverschnee! Was ich selbst vor ein paar Jahren schon unter meinen „Best-Ski-Days-Ever“ verbuchen konnte, fehlte dem besten Ehemann der Welt bisher auf seiner Bucketlist. Wobei zu erwähnen ist, dass dieser ein langjähriges Naheverhältnis zu Kitzbühel sein Eigen nennt, und auch schon mal DIREKT NACH DER ABFAHRT ohne Stöcke die Rennstrecke auf Freerideski runtergefahren ist. Aber – wie gesagt – Streif im Pulverschnee – Fehlanzeige.
Als sich nun der letzte große Dump ankündigte und wir beratschlagten, wohin uns der Schneefall führen sollte, entschied ich mich für Kitzbühel. Der Mann an meiner Seite war skeptisch, bis: 1. wir den Parkplatz praktisch leer vorfanden; 2. noch viel mehr Schnee gefallen war, als erwartet; 3. wir am Starthaus standen. „Mein Gott, schaut des geil aus!“ (A. Assinger)
Lange Rede, kurzer Sinn: Meterweiter Spray im Starthang. Mausefalle nippledeep. Faceshots im Steilhang. Gschöss zum Ausrasten, Alte Schneise auslassen (keine Unterlage). Dafür den unberührten Seidlalmsprung entjungfern. Run mit weiten Turns am Ganslernhang ausklingen lassen. Fertig. „Da pfeifen die Komantschen!“

Und weils so schön war, hängen wir auch noch gleich einen zweiten Tag dran, diesmal mit erweitertem Aktionsradius. Mag sein, dass es größere, vielseitigere, namhaftere Freeridegebiete gibt – an diesen 2 Tagen jedenfalls hätte ich nirgendwo sonst im Snow Card Tirol-Einzugsgebiet sein wollen: In meinem Kopf kommentiert Armin Assinger meine Powderstreif, vom Steinbergkogel legen wir eine Spur neben der anderen in unberührten, fluffigen Pulver, ein paar verstecktere Spots schüttelt Herr Ehemann auch noch aus dem Ärmel – definitiv zwei „beste Tage“ zum Saisonfinale!
Apropos Saisonfinale: Die geöffneten Skigebiete werden jetzt nach Ostern drastisch weniger. Viele sind bereits geschlossen, zahlreiche weitere schließen mit Sonntag ihre Liftanlagen. Danach bleiben nur mehr ein paar ausgewählte Destinationen geöffnet bzw. die Tourenski als Aufstiegshilfe. Also noch genügend Möglichkeiten, ein paar weitere „beste Tage“ ins Gedächtnis zu meißeln…
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