Staade Zeit
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Staade Zeit

Von Julia Dobler am 11.Dez. 2025

Ach Advent, du „staade Zeit“! Die Tage werden kürzer, es wird so früh dunkel, endlich Zeit für Familie, Freunde, innere Einkehr, Besinnung und Besinnlichkeit. Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste, Geschenke müssen besorgt werden, ein Christbaum gehört angeschafft, Jahresabschlüsse sollen gemacht und außerdem noch alles andere erledigt werden, was das ganze Jahr über liegengeblieben ist. Damit man am 24. Dezember dann im Kreis seiner Liebsten um 21 Uhr letztendlich todmüde und erschöpft auf der Couch einschläft.

Und was, wenn man die staade Zeit einfach wirklich dafür nutzen würde, sich was Gutes zu tun? Wenn man ein Kontrastprogramm fahren würde, um dem ganzen Weihnachtsstress rundherum zu entfliehen? Unglaublicherweise ist das tatsächlich möglich, denn die Skigebiete stellen einen mittlerweile vor die Qual der Wahl: Kitzbühel oder Hochfügen? Alpbach oder Ischgl? Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental oder Christlum? Und das Unglaublichste von allem ist, dass man momentan noch überall praktisch alleine ist. Keine Liftschlangen, kein proppenvoller Parkplatz, keine gefährlich überfüllten Pistenkreuzungen. Dafür stressfreie Anreise, genug Platz für die Big Turns und heizen, was das Material hergibt.

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Wer das Glück hat, zudem an einem Schlechtwettertag unterwegs zu sein, der hat im Augenblick das komplette Gebiet mehr oder weniger für sich allein. Als Schlechtwetter gilt in der Skigebiets-Tourismusbranche übrigens auch Schneefall - soviel dazu. Der erste Schlechtwetter-Skitag der Saison brachte für mich jedenfalls die zweitbeste Abfahrt meines gesamten Skifahrerlebens auf der Streif in Kitzbühel. (Die All-Time-Beste war ein Apriltag mit 50cm Pulverschnee von der Mausefalle abwärts, aber das ist eine andere Geschichte.) Am ersten Schlechtwetter-Skitag dieser Saison fellten wir direkt unterm Starthäusl in Kitz auf, stiegen mutterseelenallein auf durch das Winterwonderland, das uns Frau Holle bescherte, beendeten unsere Mini-Skitour in der Bergstation der alten Fleckalmbahn, einem Lost Place inmitten des Tourismus-Hotspots, und genossen die Talabfahrt in frischem Neuschnee auf darunter perfekt präparierter Piste bis zur Hahnenkamm Talstation. Mehr braucht es eigentlich nicht zum Glücklichsein – kein Rennen, keine Superstars, keinen Champagner, keinen Kaviar, keine High Society – auch wenn das alles irgendwie zu Kitzbühel gehört, spätestens im Januar dann.

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Übrigens reist es sich nach Kitzbühel wunderbar mit der Bahn an, der Bahnhof Hahnenkamm liegt direkt an der Talstation der gleichnamigen Bergbahn. Mit dem Auto zum Hahnenkamm muss man wollen – 15€ Parkgebühr am Tag. Mit dem eigenen PKW bietet es sich an, mit der Fleckalmbahn in Kirchberg aufzufahren, dieser Parkplatz ist nämlich kostenfrei.

Riesige Parkplatz-Landschaften beherrschen auch die Areale rund um die Talstationen der Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental. Ob Söll, Scheffau, Ellmau oder Westendorf – viele kennen diese Skigebiete nur vom Vorbeifahren an den geparkten Gefährten abertausender Touristen, plus den Bussen. Gut, ein bisschen auskennen muss man sich, um in diesem enorm großen, komplett zusammenhängenden Skigebiet die Powder-Hotspots anzusteuern. Zum Pisteln allerdings kenne ich wenig Vergleichbares. Noch dazu, wo wie gesagt im Moment die Massen noch fernbleiben. Obs eine schnelle Runde um die Hohe Salve sein soll, oder der Ausflug von Scheffau bis an den Zweitausender im Jochberger Gebiet und wieder zurück – mehr Kilometer auf Ski an einem Tag hab ich noch nirgendwo anders untergebracht. Allerdings ist die Ki-West Abfahrt, von der aus man direkt ins Kitzbüheler Skigebiet kommt, aktuell noch nicht in Betrieb. Trotzdem: Perfekt präparierte Piste auf Südtirol-Niveau plus keine Piste zwei Mal an einem Tag fahren müssen = Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental. I like – auch wenn ich das nicht den gesamten Winter über machen will.

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Und dann die Steinplatte! Ein Skigebiet, das sich über die Landesgrenzen hinweg zieht und sowohl von Tirol (Waidring) als auch von Bayern (Reit im Winkl) aus erreichbar ist. Den Einstiegsort kann man normalerweise nach Belieben bzw. Erreichbarkeit wählen, die Snow Card Tirol ist in allen Bereichen des Skigebiets vollumfänglich gültig. Momentan aber ist nur die Auffahrt über Waidring möglich. Von der Ausrichtung her ein Familienskigebiet bietet die Steinplatte einen weitum bekannten Park, der auch immer gut besucht ist. Und wiederum ein paar versteckte, hübsche Offpiste-Möglichkeiten.

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Bei aller Euphorie über die jetzt rundum geöffneten Skigebiete - eine Einschränkung gibt’s natürlich schon: Wer auch immer die Möglichkeit hat, ist gut damit beraten, unter der Woche die Bretter anzuschnallen und die Samstage tunlichst zu meiden. Stichwort: Blockabfertigung am Brettfalltunnel ins Zillertal ab 7:15 Uhr in der Früh… Wer aber noch ein paar übrige Urlaubstage am Konto hat, oder ein bisschen Zeitausgleich, dem kann ich nur dazu raten, diese Tage und Stunden im Advent zu investieren – für ein bisschen Ruhe in der Hektik, Ausgleich zwischen den Pflichtterminen und zum Aufladen der Akkus. Für die staade Zeit auf den Bergen, bevor mit dem Ferienbeginn das Chaos ausbricht. Dann schläft sichs auch am 24. wesentlich entspannter auf der Couch ein…

www.snowcard.tirol.at

www.kitzski.at

www.skiwelt.at

www.steinplatte.tirol

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