Snow Card Diarys - Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
Alle Jahre wieder steigt Ende September trotz fallender Temperaturen die Fieberkurve all jener an, die so wie ich a) Skifahren für das beste aller Freizeitvergnügen halten und b) im Tiroler Einzugsgebiet leben. Alle Jahre wieder pilgern wir in diesen Herbsttagen an die mehr als 90 Liftkassen des Landes und ordern dasselbe: „Bitte eine neue Snow Card Tirol!“ Und alle Jahre wieder zaubert uns diese neue Snow Card, die ja objektiv gesehen nur eine kleine Plastikkarte ist, ein Lachen ins Gesicht. Ganz einfach, weil diese kleine Plastikkarte ein Versprechen ist: Die Verheißung des ewig gesuchten perfekten Powderglücks. Der Startschuss unseres eigenen, persönlichen Winterabenteuers.
Selbstverständlich könnte ich auch die nackten Tatsachen herunterreferieren: Mehr als 90 Skigebiete, Gültigkeitszeitraum von 1. Oktober 2025 bis 15. Mai 2026, mehr als 4.000 Pistenkilometer, inklusive aller 5 Tiroler Gletscher. Aber das können ja alle Interessierten selbst auf der Website snowcard.tirol.at recherchieren.

Was sich hingegen in Zahlen nicht ausdrücken lässt, ist der Zauber des Neuanfangs, die Ungewissheit und Aufregung: Wird es ein schneereicher Winter werden? Wo, und mit wem werde ich den besten Tag der Saison haben, an den ich mich auch in 10 Jahren noch erinnern können werde? Welche werden die unvergesslichen Momente sein, von denen ich erst im Nachhinein wissen werde, dass genau sie den Winter 2025/26 ausgemacht haben werden?
Und dann endlich der Start in eine neue, besondere, noch unvorhersagbare Skisaison: Das erste Mal wieder der Piepton beim Einchecken und der Smilie, der dir „Viel Vergnügen!“ wünscht. Das erste Mal wieder „Klack-Klack“ in die Bindung. Das erste Mal wieder Luft unterm Hintern beim Sessellift fahren. Das erste Mal anschieben. Den ersten Turn in den Schnee setzen. Das erste Mal die Muskeln zum Aufkanten ansteuern. Das erste Mal die Oberschenkel brennen spüren… Wie zauberhaft ist dieser Neuanfang!
Allerdings erstmal nur in meiner Vorstellung, denn am ersten Skitag dieser Saison – in meinem Fall haben der beste Ehemann der Welt (der außerdem auch der beste Skibuddy der Welt ist – Jackpot!) und ich den Hintertuxer Gletscher, und tags darauf den Stubaier Gletscher als Ziele auserkoren – treffen meine Schneeflockenglitzernden Hirngespinste hart auf die Realität. Bzw. auf hunderte Racekids aus aller Herren Länder sowie die zukünftigen diesjährigen Schneesportlehrerinnen und Schneesportlehrer. Erstere können noch immer in ihren Skischuhtaschen übernachten, so viel schleppen sie mit sich rum. Zweitere trainieren offenbar nicht nur die richtige Technik, sondern auch das Personal des örtlichen Nachtlebens, den Ausdünstungen in der Gondel nach zu schließen. Aber geschenkt, die ersten Schwünge warten! Zugegebenermaßen, es kratzt zuerst mehr unter den Skiern als dass es staubt, aber dank kluger Pistenwahl zirkeln wir dann doch gleich die ersten Turns in echten, wirklichen Schnee! Grinsen gibt’s gratis dazu.
Hintertux - Betterpark
Beim Anstehen an den Olperer Schleppliften in Hintertux (Kann mir bitte jemand verraten, warum die Racer seit ein paar Jahren immer einen Ski in der Liftschlange ausziehen?!) ist genug Zeit, einerseits den perfekt präparierten Betterpark unter die Lupe zu nehmen, als auch die umgebenden Felswände. Erschreckend viele Felsen übrigens, und etliche waren noch nicht mal im vergangenen Winter zu sehen. Trotzdem haben sich ein paar Enthusiasten nach dem letzten Schneefall die eingeschneiten Rinnen vorgenommen. Unser Eindruck: Solche Ausflüge sollte man aktuell besser mit dem berühmt-berüchtigten Steinski unternehmen.
Und trotzdem, obwohl die Frage im Hinterkopf hämmert, ob Gletscherskifahren im Oktober nicht mittlerweile ein Anachronismus ist, glitzert der Schnee, strahlt die Sonne, beeindruckt das Panorama. Denn völlig unabhängig von den Schneebedingungen: Panorama geht immer!

Stubaier Gletscher
Aus genau diesem Grund haben wir auch direkt am nächsten Tag den ersten Besuch am Stubaier Gletscher drangehängt. Es war Montag, der Seilbahnbetrieb lief nur sehr eingeschränkt (Gamsgarten, Rotadl, Schlepplift Daunferner I+II), aber bei strahlendem Sonnenschein zogen wir auch hier unsere Schwünge gut gelaunt nach unten. Da allerdings keine Bahn auf die Schaufelspitze fuhr, fielen wir um die große Fernsicht an diesem Tag um. Egal, es kommen noch andere Tage.

Kaiserlift Kufstein
Apropos andere Tage: Im Oktober fahren noch sehr viele Bergbahnen im Sommerbetrieb, und auch die kann man mit der Snow Card Tirol nutzen. Ob zum Biken nach Kitzbühel oder zur Herbstwanderung in den Rofan – fast alles ist gerade noch möglich. Und vielleicht sind es in diesem Winter gerade die unbegrenzten Möglichkeiten des Herbstes, die den Zauber des Neuanfangs 2025/26 ausmachen werden. Wissen werde ich es erst am 16. Mai…
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