Shark Season
© Julia Dobler

Shark Season

Von Julia Dobler am 13.Nov. 2025

Jährlich gibt es weltweit ungefähr 100 Haiangriffe auf Menschen. Oft lassen diese die Vorsicht außen vor und sich vom glitzernden, Kühlung versprechenden Nass dazu verleiten, etwas zu weit raus zu schwimmen. Und zack, Hai da! Mit ein bisschen Pech (denn die Wahrscheinlichkeit, einem Hai zum Opfer zu fallen, ist niedriger als einen Lotto-6er zu machen) kostet der dann auch noch von dem, was ihm da vor die Nase geschwommen ist.

Die Parallelen zu den Hochgebirgs-Sharks sind geradezu frappierend! Unvorsichtigerweise lässt sich der geneigte Gleitholzartist von den glitzernden, weißen Flächen dazu verleiten, etwas zu weit raus zu fahren. Dann vom fluffigen Untergrund dazu, etwas zu flott und unbeschwert durch den Pulverschnee zu cruisen. Und zack, Shark da! Mit ein bisschen Glück reißt man nur die erste Brezn der Saison. Mit ein bisschen Pech (und diese Wahrscheinlichkeit ist wesentlich höher, als von einem Hai angegriffen zu werden) landet man direkt auf einem Stein. Oder eines der skifahrerisch notwendigeren Körperteile hält dem unsanften Aufprall nicht stand. Und wenn es ganz blöd läuft, dann zerlegts einen so wild, dass man selber nicht mehr runterkommt und zum Handy greifen muss.

Bild 1 SCT 03

Wie war nochmal gleich die alpine Notrufnummer?

  • 140 für Österreich
  • 112 in Deutschland und Südtirol
  • 1414 in der Schweiz bzw. +41 333 333 333 mit ausländischem Telefon in der Schweiz)

Nachdem in den letzten beiden Wochen die ersten ordentlichen Schneefälle auf den Tiroler Gletschern zu verzeichnen waren, haben wohl nicht nur wir Bekanntschaft mit den alpenländischen Hochgebirgs-Haien gemacht. Wer regelmäßig seine Zeit vor den Wetterkarten verbracht hat, dem ist sicherlich aufgefallen, dass die Flocken oft mit ordentlich Wind runterkamen. Konsequenz: Es hat die 20/30/50cm (je nach Quelle) Neuschnee gscheit verblasen – was man auf den Webcams der betreffenden Gletscherskigebiete auch gut erkennen kann. Auch wenn es aktuell ständig winterlicher wird, die hübsche weiße Schneedecke ist an vielen Stellen nicht viel mehr als optische Aufhübschung.

Bild 3 SCT 03

Und trotzdem konnten wir natürlich nicht widerstehen! Die ersten Schwünge abseits präparierter Pisten und in richtigem Pulverschnee zogen wir am Hintertuxer Gletscher, rider’s left vom Kaserer2 Schlepplift. Die rumpelige Anfahrt über die Pistenraupenspuren hin bzw. durch die vom Wind freigeblasenen Felsen retour nahmen wir für die paar Turns gerne (mehrfach) in Kauf. Noch dazu gehörte der Hang an diesem Tag praktisch uns alleine. Wie stark Sonneneinstrahlung und Nebel die Schneedecke bearbeiten können, erfuhren wir direkt: Zwischen einer perfekten Fahrt auf weichem Untergrund und einem Stop-and-Go-Run, bei dem es einen alle paar Meter fast aus den Skischuhen katapultierte, so abrupt bremste der Ski, vergingen keine 20 Minuten. Trotzdem, das Rausfahren und die paar Turns haben sich ausgezahlt und die Vorfreude auf den „richtigen“ Winter befeuert.

Bild 2 SCT 03

Ein paar Tage und einen neuerlichen Schneefall später ging es für uns auf den Pitztaler Gletscher. Laut diversen Wetterportalen soll hier der meiste Schnee gefallen sein, außerdem ist strahlender Sonnenschein bei winterlichen -10° vorhergesagt. Mittlerweile sind alle Liftanlagen am Gletscher in Betrieb, so auch die Mittelbergbahn. Erste Aktion, als wir drinsitzen: Eine Schicht ausziehen, von -10° kann keine Rede sein. Die präparierten Pisten teilen sich überraschend viele Touris mit der internationalen Snowboardcross- und Skicross-Elite, es geht zu wie auf der Autobahn.

Wir haben allerdings schon ausgekundschaftet, wie wir dem Treiben zumindest ansatzweise entfliehen können. Ein paar schönen, wenn auch relativ kurzen Hängen sei Dank, nehmen wir nur die notwendigsten Meter auf der Piste und biegen dann ins Gelände ab. Zuerst vorsichtig, dann zunehmend entspannter ziehen wir unter der Mittelbergbahn ein ums andere Mal unsere Spuren. Und auf jeder Fahrt finden wir auch noch einen unberührten Fleck, da grinst es sich gleich noch breiter.

Bild 4 SCT 03

Schließlich neigt sich unser Skitag dem Ende zu, einmal noch fahren wir die Variante runter. Wir haben uns die Line ganz außen mit nur wenigen Spuren ausgesucht, und es soll DIE Genussfahrt des Tages werden. Der Schnee ist butterweich, es staubt, und zack! Da hat der Shark dann doch noch zugebissen. Den motiviert vorausschwingenden Ehemann zerlegts, er entledigt sich wild fuchtelnd seiner beiden Skier und Stöcke und landet Kopf voraus im kalten Weiß. Nach eingehender Selbstuntersuchung ist klar: Pilot blieb unverletzt, der fahrbare Untersatz allerdings nicht.

Bild 5 SCT 03

Und während dem erwähnten Ski ein Reha-Aufenthalt bei Bambam in Oberhaching spendiert wird, werfe ich einen Blick in den Skikeller und beschließe, den restlichen Brettern ebenfalls ein bisschen Liebe zu schenken. Vielleicht haben Sharks ja keinen Appetit auf frisch präparierte Ski, wer weiß das schon?

PS: Vor den eingangs erwähnten Haien muss man sich übrigens nicht wirklich fürchten – nur etwa 10 Menschen sterben jährlich weltweit durch sie. Die Begegnung mit einem grantigen Nilpferd endet dagegen jedes Jahr in ca. 500 Fällen tödlich für den betroffenen Menschen. 

www.snowcard.tirol.at

www.hintertuxergletscher.at

www.pitztaler-gletscher.at

www.tirolergletscher.com

bam-skiservice.de

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