Olympische Gefühle
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Olympische Gefühle

Von Julia Dobler am 5.Feb. 2026

In Tirol ist es nicht sonderlich schwer, in die Schwünge von Skifahrerlegenden zu treten: Von Kitzbühel bis Sölden liefert die Geschichte legendäre Momente zuhauf. Wer sich aber schon als Kind in einen Ski fahrenden Olympioniken oder eine Olympionikin geträumt hat, der kommt an einem Tiroler Skigebiet nicht vorbei: Dem Patscherkofel, seines Zeichens Hausberg der Innsbrucker.

2.246 Meter hoch thront er über der Tiroler Landeshauptstadt. Mit seiner runden Kuppe, die vom Sendemast geziert wird, ist er praktisch der Inbegriff von „markant“. Und obwohl der Großteil der olympischen Ski-Bewerbe 1964 und 1976 in der Axamer Lizum ausgetragen wurden, gilt der Patscherkofel als DER Olympiaberg.

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Zur Freude der heimischen Fans feierten am Patscherkofel bei beiden Gelegenheiten jeweils Österreicher Siege: 1964 erledigte Egon Zimmermann Strecke als Schnellster in 2 Minuten 18 Sekunden und 16 Hundertstel. Legendenstatus erlangte Franz Klammer spätestens mit seinem Abfahrtsolympiasieg 1976. In nur 1 Minute 45 Sekunden und 73 Hundertstel raste er 870 Tiefenmeter und 3.020 Meter Streckenlänge bei 26 Toren hinunter. Gut, auch wenn diese Zeitvorgabe für Nicht-Profis bei ungesperrter Strecke und Normalbetrieb kaum zu schaffen ist, beschert einem der Patscherkofel durchaus olympische Gefühle.

Angefangen beim Ausblick: Immer wieder beeindruckend ist das Panorama und der unverstellte Blick aus der Vogelperspektive auf die gesamte Stadt. Am Patscherkofel kommen dazu die wechselnden Perspektiven. Wie in vielen klassischen Skigebieten sind die unterschiedlichen Abfahrten eher auf der anspruchsvollen Seite und mit zahlreichen Kehren angelegt. Dafür gibt es jetzt nicht sooo viele Skigebiete, in denen sich dermaßen gut Tiefenmeter einfahren lassen – nach etwas mehr als einer Stunde stehen schon mehr als 4.000 davon auf unserem Konto. Auch wenn wir dann doch etwas länger als die grob 2 Minuten der Olympiasieger benötigen für die 956 Meter Höhendifferenz…

Wer die Höhenmeter lieber bergauf schindet, der kann am Patscherkofel die „Olympiaroute“ in Angriff nehmen. Von der Talstation auf 1.090 Metern geht es zu einem guten Teil abseits der Pisten bis auf 1.965 Meter zur Bergstation. Wer da noch immer nicht genug hat, nimmt auch den Gipfelanstieg mit bis zum Sendemasten. Bei 2.246 Metern ist dann aber endgültig Schluss. Trotz der in diesem Winter unterdurchschnittlichen Schneehöhe ist der Gipfelhang auch bergab gut fahrbar, denn auf der Nordseite hat sich der letzte Schnee gut halten können.

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Diesen letzten Schneefall sahen wir übrigens mehr oder weniger live kommen, als wir in Hochfügen beim FreerideTestival vorbeischauten. Während Samstag die Sonne am Nachmittag noch rauskam, kündigte sich am südlichen Horizont bereits das schlechte Wetter an. Der Sonntag startete dann mit flachen Lichtverhältnissen, bis er mittags in Schneefall überging. Die Pistenverhältnisse: Sehr griffig, sehr schnell, sehr spaßig. Und auch wenn wir wirklich gerne im Gelände unterwegs gewesen wären: Wir wollten die Testski der Hersteller nicht den Steinen und Felsen aussetzen, die überall abseits der Pisten rausschauen.

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Einen easy Tag abseits der Massen (und zwischendrin auch abseits der gewalzten Pisten) haben wir uns auf der Muttereralm gegönnt. Die meisten werden das Gebiet aus dem Sommer kennen als Bikepark und Crankworx-Austragungsort. Beim Ankommen grüßen einen dann auch schon die verlassenen, eingeschneiten Crankworx-Hits, vom Sommer-Eventtrubel allerdings keine Spur! Kein Anstehen, keine Massen an Skifahrern, keine 3.000 Liftanlagen und 100.000 Pistenkilometer, dafür Eltern und Großeltern mit den Kids und viel Platz zum Skifahren.

Als wir am Nachmittag zusammenpacken, wird der Parkplatz in Mutters allerdings nicht leerer, im Gegenteil: Er füllt sich mit Skitourengehern jeder Couleur. Die Skitourenroute führt bis zur Bergstation der Muttereralmbahn und ist in eineinhalb bis zwei Stunden zu machen. Als Feierabendtour auch gerne Mittwochabend, denn da findet bis 22 Uhr der Tourengeherabend statt.

Bei soviel sportlichen Hochleistungsmöglichkeiten rund um Innsbruck stellen sich die olympischen Gefühle schon fast von selber ein, auf der Heimfahrt erinnern wir uns schmunzelnd an all die Olympischen Momente, die wir als Kinder mitfiebernd vor dem Fernseher verbracht haben. Und die Momente, die wir dann in freier Wildbahn mit unseren Skifreunden nachgespielt haben. Ob es den Sportlerinnen und Sportlern, die jetzt in Cortina und Mailand ihren Olympischen Wettkämpfen entgegenfiebern wohl genauso geht?

Servicetipp am Rande: Während man am Patscherkofel einfach die Snowcard an den Parkautomaten hält, um ein kostenloses Parkticket zu ziehen, bleibt man in Mutters am besten direkt am Automaten stehen und bezahlt die Tagesgebühr von 10 Euro. Mit dem Beleg bekommt man bei Vorlage an der Kassa das Geld dann direkt zurück.

www.snowcard.tirol.at

www.hochfuegenski.com

www.patscherkofelbahn.at

www.muttereralm.at

www.freeridetestival.com

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