Ende der Durststrecke
Mitte Januar ist durch, und wir befinden uns mittendrin in einem der kältesten Januare seit gefühlt ewigen Zeiten: Es hat mehr oder weniger durchgehend Minusgrade! Gut, niederschlagsmäßig liegen wir immer noch weit unter dem Schnitt. Und trotzdem erkläre ich hiermit die Durststrecke für beendet!
Die „Durststrecke“ betrifft leider keine nur exklusiv mir vorliegenden Niederschlagsprognosen, die ab sofort unendlichen Powder für die Alpen vorhersagen, und das für den Rest der Saison. Die „Durststrecke“ betrifft auch keinen verfrüht abgebrochenen Dry January. Die „Durststrecke“, die ich meine, betrifft die beendete Ferienzeit.

Es ist nicht wahnsinnig überraschend, und man weiß es ja, und trotzdem erwischt es einen jedes Jahr aufs Neue: Egal, wie früh man aufsteht und zum Skifahren fährt, zwischen Weihnachten und Dreikönig ist die Hölle los. Es macht auch keinen Unterschied, ob man das große Luxusskigebiet oder den vermeintlichen Geheimtipp ansteuert – es ist überall die Hölle los. Wenn dann noch einer der schneeärmsten Dezember der jüngeren Vergangenheit auf unfassbar gut gelegene Feiertage trifft, dann ist auf den verbliebenen Schneestreifen und an den Liftstationen erst recht die Hölle los – von der Straße ganz zu schweigen. Downdays in der Alpenversion, sozusagen.
Skifahren muss man dann schon echt wollen. Wer aber ebenfalls wochenlang unter der Nebelglocke leben durfte, der wollte sicherlich genauso dringend zum Skifahren wie mein mir Angetrauter und ich – selbst wenn das mehr unter die Kategorie „UV-Licht-Therapie“ als echtes Skivergnügen fiel. Unser Phrasenschwein explodierte fast, so mästeten wir es: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Der schlechteste Skitag ist immer noch besser als der beste Bürotag. Und so weiter und so fort. Lange Rede, kurzer Sinn: Trotz mangelhafter Schneelage und unserem Gefühl nach viel zu vielen Menschen am Berg gaben wir nicht auf und suchten jeden Tag aufs Neue unser Winterglück auf Brettern.

Zumindest hats keinen Stress um die First Lines gegeben, denn selbst im schneesicheren Tannheimer Tal fand der SAAC Basic Kurs mangels Niederschlag praktisch auf Kunstschnee statt. In Kaltenbach und Hochfügen füllten wir bei perfekten Pistenverhältnissen unser Tiefenmeter-Konto ordentlich auf, im Alpbachtal und der Wildschönau malträtierten wir unsere Kanten, die tags darauf in der Skiwelt zu nichts mehr zu gebrauchen waren. Zumindest haben wir in Scheffau Blizzards gesehen – wenn auch nur das dort eingesetzte Schneekanonenmodell. Am Spieljoch – dort fährt jetzt auch die Panoramabahn Geols – hätten wir beinahe übersehen, am neuen Parkautomaten einen Stopp einzulegen. Am besten noch vor dem Gang zum Auto direkt an der Gondelstation die Snow Card an den Automaten halten, um kostenlos zu parken – dann spart man sich einen Haufen Lauferei. In Kitzbühel gingen wir auf Skisafari, einmal quer durchs ganze Gebiet bis zum Pass Thurn zurück. Während man das ganze bei guten Verhältnissen auch super als Freeride-Runde anlegen kann, haben wir uns dafür entschieden, den kostenlosen Skibus zurück nach Kitzbühel zu nehmen. Und noch ein Tipp für alle, denen der Trubel rund um Streif, High Society und Schampus zu groß sind: Das Kitzbüheler Horn ist nicht nur ein super Aussichtsberg, dort findet man auch noch genug Platz, um Ski zu fahren anstatt Skiunfälle zu vermeiden und ein bisschen was vom „Kitzbühel von früher“.
Apropos „früher“: Skifahren wie früher kann man mit der Snow Card Tirol übrigens auch, dazu muss man allerdings in die wirklich unspektakulären Skigebiete fahren. Da es in meiner Heimatstadt leider keinen Winterbetrieb am Lift mehr gibt, halte ich mich an die Orte meiner Racekid-Kindheit. Dort werden noch immer Mini-Skigebiete betrieben, teilweise durch Ehrenamtliche – ein, zwei Schlepp- oder Tellerlifte, Zauberteppich, eine Piste, fertig. Aber um zwei Stunden frische Luft zu schnappen oder neues Material auszuprobieren – wunderbar!
Da die Geosphere Austria nun aber endlich die ersten nennenswerten Schneefälle verzeichnen konnte und auch die Ferienzeit vorbei ist, komme ich darauf zurück: Die Durststrecke ist beendet! Ihr alle, die ihr gemeinsam mit mir durchgehalten habt, werdet jetzt belohnt werden! Denn im Gegensatz zu allen, die bis jetzt gewartet haben, dass es winterlich wird, seid ihr die, die sich nicht mehr einfahren müssen sondern ihre Oberschenkel und Feinadjustierung ready haben. Und die nur mehr die zum erwarteten Skitag passenden Bretter einpacken und loslegen müssen. Von dem her: Downdays – never!
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