Freeriden & Alternativprogramm im Val di Fassa
© Andrea Huber

Freeriden & Alternativprogramm im Val di Fassa

Von Andrea Huber am 18.Mär. 2026

Val di Fassa ist eine Region nahe Bozen, die vor allem durch den Begriff Dolomiten vielen ein Begriff sein dürfte. Das UNESCO-Welterbe erhebt sich majestätisch vor uns, als wir uns Kurve um Kurve den Pass hinaufschlängeln. Schon die Anreise ist hier Teil des Erlebnisses: Es lohnt sich, auf dem Hinweg über St. Ulrich zu fahren und auf dem Rückweg Richtung Cavalese – so bekommt man das Panorama gleich aus zwei Perspektiven.

Val di Fassa 1

Unser Ziel: Canazei, eingebettet zwischen der Sellagruppe, dem Marmolada-Massiv und der steilen Wand des Gran Vernel. Historisch war das Dorf ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen den ladinischen Tälern, über das Sellajoch und Pordoijoch ins Grödnertal und Gadertal, nach Buchenstein oder über das Fedaiajoch weiter Richtung Süden.

Unser Abenteuer beginnt allerdings schon früher – genau in dem Moment, in dem man die Autobahn verlässt und die Dolomiten plötzlich vor einem auftauchen.

Unsere Unterkunft für diese Reise ist das Locanda degli Artisti Art Hotel – ein Haus, das seinem Namen alle Ehre macht. Schon beim Betreten fällt die kunstvolle Inszenierung auf. Jedes Zimmer ist einem lokalen Künstler gewidmet und entsprechend gestaltet.

Unser Zimmer trägt den Namen Othmar Winkler. Der Bildhauer prägte mit seinen Arbeiten aus Holz und Bronze die Kunstszene der Region in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich. Winkler galt als streitbarer, oft unbequemer Künstler mit stark sozialkritischer Haltung – seine expressiven Skulpturen und grafischen Arbeiten sind bis heute prägend.

Val di Fassa 2

Nach der Ankunft starten wir ganz im Dolce-Vita-Modus: erst ein Aperitivo, dann ein kleiner Spaziergang durch Canazei.

Eigentlich sind wir zum Freeriden hier. Doch die Realität des Winters 2026 zwingt uns zum Umdenken. Das starke Altschneeproblem und Lawinenwarnstufe 4 lassen wenig Spielraum.

Wie mir kürzlich Gerhard Mössmer vom ÖAV sagte:
„Selbst ich als Profi gehe bei diesem Altschneeproblem und Lawinenwarnstufe 4 nicht ins Gelände, sondern suche mir Alternativprogramm.“

Also machen wir genau das. Und wo lässt sich ein Alternativprogramm besser verbringen als in Südtirol, wo Gastfreundschaft praktisch zur DNA gehört?

Am Abend erwartet uns eine besonders außergewöhnliche Dinner-Location. Das Restaurant erreicht man nämlich nicht mit dem Auto.

Val di Fassa 3

Stattdessen werden wir mit einer Snowcat abgeholt – unter Sternenhimmel, tief im Wald, wo die Bäume fast bedrohlich über uns ragen. Allein die Fahrt ist schon ein Erlebnis. Das Essen selbst? Typisch Südtirol: hochwertige Zutaten, bodenständig interpretiert und einfach hervorragend. Ein perfekter Abend und gleichzeitig die ideale Stärkung für den nächsten Skitag.

Am nächsten Morgen starten wir bei der Belvedere-Seilbahn in Canazei und erkunden das Skigebiet Belvedere – Col Rodella.

Val di Fassa 4

Hier reiht sich Panorama an Panorama. Ob vom Col Rodella (2.485 m) oberhalb von Campitello oder vom Belvedere-Col dei Rossi (2.423 m) – erreichbar von Canazei, Pecol, Pian Frataces oder Alba di Canazei – die Dolomiten wirken wie eine gigantische Naturbühne.

Die überwiegend roten Pisten wechseln zwischen breiten, sonnigen Abfahrten und technisch anspruchsvolleren Passagen. Perfekt für alle, die Geschwindigkeit und Rhythmuswechsel mögen.

Must-Runs:

  • die schwarze Diego-Piste am Belvedere
  • die legendäre 3-Tre, eine 3.300 Meter lange Abfahrt vom Col Rodella bis nach Pian de Frataces (Lupo Bianco)

Wer mittags einkehren möchte, sollte unbedingt im Rifugio Salei stoppen.

Val di Fassa 5

Das Haus verbindet hervorragende Gastfreundschaft mit erstklassiger Küche. Wer nur kurz Halt machen möchte, nutzt den Selbstbedienungsbereich oder die Pizzeria. Für ein längeres Mittagessen empfiehlt sich das À-la-carte-Restaurant mit Terrasse.

Dazu kommen Snacks an der Bar, Aperitifs in den Lounges und später Après-Ski mit Live-Musik.

Am nächsten Tag fahren wir weiter zum Passo San Pellegrino, wo die Ski-Weltmeisterschaft der Frauen 2026 ausgetragen wurde. Schon das Ansehen der Strecke vermittelt echte Rennsport-Atmosphäre.

Unser kulinarischer Stopp hier: InAlto.

Val di Fassa 6

Der Name ist Programm. Das Restaurant verbindet alpine Produkte mit moderner Sterneküche. Seit Dezember 2023 hat Sternekoch Alfio Ghezzi hier sein zweites Zuhause gefunden und bringt seine Interpretation der Bergküche auf den Teller.

Nach ein paar intensiven Tagen geht es schließlich wieder Richtung Heimat, aber eines ist sicher: Wir kommen wieder.

Freeride-Tipps für das Val di Fassa

Wenn die Bedingungen passen, gehört die Region zu den spannendsten Freeride-Spots der Dolomiten. Rund um Sella und Marmolada warten anspruchsvolle Lines, während ruhigere Nebentäler auch für weniger erfahrene Rider Optionen bieten.

Ein Klassiker ist die Abfahrt vom Sass Pordoi durch das Mittagstal nach Kolfuschg – rund 1.300 Höhenmeter, anspruchsvoll und landschaftlich beeindruckend. Ebenfalls lohnend: Varianten durch das Val Lastìes oder wiederholbare Lines an der Pordoischarte.

An der Marmolada locken steile Nordhänge wie an der Punta Penìa – allerdings nur mit lokalem Guide zu empfehlen. Am Passo San Pellegrino befindet sich zudem ein offiziell ausgewiesener Freeride-Bereich, erreichbar über die Col Margherita Seilbahn.

Egal ob auf der Piste oder im Gelände: Das Val di Fassa bietet eine beeindruckende Spielwiese – und genug Gründe, immer wieder zurückzukommen.

Mehr Infos:
www.fassa.com

Tags:   Val di Fassa skiing
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