Carpe Diem, wer kann!

Carpe Diem, wer kann!

Von Petra Rapp am 22.Dez. 2021

Kurz vor Weihnachten am Arlberg: Der nahende Vollmond zeigt sich am Abend eindrucksvoll am klaren Himmel über dem Biberkopf. Was für ein Naturschauspiel zur Begrüßung in Warth. Ein lang ersehntes Wochenende Skifahren in Warth-Schröcken in Vorarlberg, das einmal mehr durch die sich ständig wechselnden Lockdown-Bedingungen in Österreich bedroht war, ist nun am letzten Wochenende vor Weihnachten doch Realität geworden.

Blauer Himmel, für die Jahreszeit herrschen auch auf den meist schattigen Hängen in Warth-Schröcken sehr angenehme Temperaturen. Und die Schneelage ist, wie meist im vom Nordstau begünstigten Skigebiet, ausgezeichnet. Obwohl: Abseits der Pisten geht im Freeridemekka Arlberg aktuell nicht viel, weil eine kurze Warmfront dem Powder vor ein paar Tagen einen fiesen Deckel verpasst hat. Macht aber nichts, denn wie schon bei früheren Besuchen zeigen sich auch diesmal die Pisten hier im Vorarlberger Skigebiet fantastisch präpariert, so dass man auch als eingefleischter Off-Pistler auf dem angenehm wenig frequentierten Cordhosen-Teppich seine Gaudi hat. Und ein bisschen Einfahren und an der eigenen Skitechnik feilen schadet am Anfang der Saison schließlich niemandem…

Dankbare, geduldige Gäste
Die Stimmung überall unter den Skigästen hier in Vorarlberg und auch drüben auf der Tiroler Seite in Lech und Co., wo wir mit Hubert Strolz am Samstag unterwegs sind, ist sehr entspannt. „Man merkt schon sehr, dass die Gäste alle froh und dankbar sind, überhaupt wieder Skifahren zu können“, sagt der 59jährige Olympiasieger in der Kombination von Calgary 1988, der im Sommer als Biobauer eine kleine Landwirtschaft betreibt und im Winter für die Skischule in Warth arbeitet.

„Ja, es ist schon erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die Gäste die Corona-Maßnahmen über sich ergehen lassen“, bestätigt Klaus Wiethüchter, Geschäftsführer der Skilifte Salober Schröcken. Wie sein Kollege Günter Oberhauser von den Skiliften Warth sowie die Tourismusverantwortlichen und Hoteliers hat auch er einen turbulenten Herbst hinter sich. Ständig neue Corona-Regelungen, deren Umsetzung in der Praxis oft sehr schwierig sei, erzählt er. Personalprobleme in der Hotellerie, weshalb manche Schirmbar in diesem Winter geschlossen bleibt oder reduzierte Speisekarten, weil es besonders an Köchen fehlt, sind nur ein paar der Probleme, mit denen Destinationen nicht nur hier zu kämpfen haben. „Wir sind zwar jetzt mit unseren Kontrollsystemen und unserem Online-Ticketing mit einigen Click&Collect-Standorten gut gerüstet, aber wer weiß, ob die Gäste dann überhaupt kommen oder kommen können, wenn sie oder ihre Kinder danach in Quarantäne müssen. Und was ich heute sage, kann morgen schon wieder falsch sein.“ Was sich an diesem Wochenende auch sofort bestätigen sollte, als bekannt wird, dass ab dem darauffolgenden Montag die Einreise nach Österreich nur noch für Geboosterte ohne PCR-Test möglich ist.

Schwierige Zeiten. Doch hier in Warth-Schröcken hat man das Gefühl, man muss sich nicht wirklich Sorgen machen. Die beiden Orte mit ihren insgesamt rund 400 Einwohnern haben sich trotz einiger Neuinvestitionen ihren ursprünglichen Charakter bewahrt, die Dorfgemeinschaften mit ihren intensiven Vereinsleben scheinen immer noch gut zu funktionieren und die Menschen dort zusammenzuhalten.

Es ist einfach schön hier, die Kontrollen sind auszuhalten und mit Maske Skifahren bei kalten Temperaturen sogar durchaus angenehm. Wer größerem Andrang am Morgen aus dem Weg gehen will, fährt einfach mit dem Dorflift in Warth hinein ins große Skigebiet des Arlbergs und kann dort den weißen Rausch intensiv ausleben. Carpe diem – wenn und wem es denn, auch finanziell, möglich ist.

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