DEVOLD Dauertest
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DEVOLD Dauertest

Von Julia Dobler am 9.Apr. 2026

Skiunterwäsche ist eine Glaubensfrage: Merino oder Synthetik? Rundhals oder Zip? Lange Hosenbeine oder ¾? Lieber mehrere dünne Schichten oder eine warme? Oder zum Skitourengehen gar keine drunter? Viele Teile mit speziellem Einsatzgebiet oder lieber wenige vielseitige? Style egal (sieht ja eh niemand) oder darf schon was hermachen?

Ganz gleich, wie man diese Fragen für sich persönlich beantwortet, Skiunterwäsche sollte jedenfalls ein paar Anforderungen erfüllen: Sie dient als Isolationsschicht gegen die Kälte. Und dann sollte sie Feuchtigkeit = Schweiß von der Haut nach Außen transportieren, damit man nicht auskühlt, auch wenn man schwitzt.

In den letzten Jahren hat sich Merinowolle als Material der Wahl für Ski-Baselayer etabliert. Das liegt zum einen an der hervorragenden Isolationsfähigkeit, und zum anderen daran, dass Merino-Baselayer nicht zu stinken beginnt – auch wenn man sie im Dauereinsatz hat. Zudem kann Wolle bis zu 35% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich klamm anzufühlen. Warum sich nun aber nicht jede Art von Wolle, sondern speziell Merinowolle so gut für Unterwäsche eignet, liegt an den extrem feinen Fasern: Merino kratzt und juckt nicht.

Dennoch: Merino ist nicht gleich Merino. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es mittlerweile Merino-Produkte jeder Preis- und Qualitätskategorie, von optischen Unterschieden und Brand Images ganz zu schweigen. Während manche Marken mit plakativen Logos und repräsentativen Testimonials für ihre Produkte werben, gibt es auch welche, die ein bisschen unter dem Radar fliegen und einfach nur durch perfekte Qualität überzeugen wollen.

Eine dieser Marken, die nicht mit großen Logos auffallen, ist Devold. Gegründet 1853 in Alesund von Ole Andreas Devold, machte sich das Unternehmen schon bald einen Namen unter den Fischern an der rauen norwegischen Küste mit seiner gestrickten Wollunterwäsche, den robusten Pullovern und Fäustlingen. Das blieb den Polarabenteurern Ende des 19. Jahrhunderts nicht verborgen, und so kamen norwegische Strickwaren sowohl mit Fridtjof Nansen nach Grönland, als auch mit Roald Amundsen in die Antarktis und an den Nordpol. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war Devold eine bekannte Größe im Expeditions-Ausrüstungsbusiness.

Gut, selbst der sehr ambitionierte Alpen-Skifahrer benötigt selten Expeditionsausrüstung, wenn er sich in die Berge begibt um seiner Leidenschaft zu frönen. Trotzdem – und so komme ich auf die Einleitung zurück – möchte er sich warm und trocken in seiner Haut bzw. unter seiner Shell fühlen. Und damit kommen sowohl Merino als auch das über lange Jahre erworbene Knowhow im Umgang mit diesem Material zum Tragen – auch oder gerade, wenn es um den Alltagseinsatz am Berg geht.

Für diesen Dauertest bekamen wir von Devold verschiedene Produkte in unterschiedlichen Qualitäten zur Verfügung gestellt. Das waren erstens für Frauen ein Lauparen Shirt, eine Breeze Plus ¾ Longs Hose und eine Explorer Weste, sowie für Männer ein Expedition Zip Neck Shirt und eine Tuvegga ¾ Longs Hose.

Bild Devold Dauertest 1

Erster Eindruck

Direkt beim Auspacken des Pakets passt es schon: Alle Produkte werden im Karton geliefert, kein Plastik rundherum, kein unangenehmer Chemie-Geruch – top. Jedes einzelne Teil fühlt sich hochwertig und weich an, da will man sofort reinschlüpfen. Die Farben sehen exakt so aus wie erwartet und auch die Größen passen perfekt. Wie oft bei skandinavischen Brands sind Ärmel und Hosenbeine recht lang, also absolut geeignet für große Mitmenschen. Bei meiner Körpergröße von unter 1,60m reicht die Breeze Plus 3/4 Longs beinahe bis an den Knöchel, was aber nicht stört, da der Beinabschluss so weich ist, dass er sich leicht nach oben schieben lässt.

Die Reißverschlüsse des Expedition Zip Neck Oberteils und der Explorer Vest sind sauber verarbeitet. Auch bei geschlossenem Kragen reibt nichts am Kinn oder Hals. Außerdem ist das Material so flexibel, dass man nicht das Gefühl bekommt, eingeengt zu sein.

Am Berg

Sowohl das Lauparen Shirt aus 190 g/m² feiner Merinowolle mit einer Fadenstärke von 18,7 Mikron als auch die Breeze Plus ¾ Longs aus 200 g/m² Merino mit 18,7 Mikron werden bei Devold in der Produktkategorie „Warm“ geführt. Bei der Hose gefällt neben der seidigen Qualität, die sich extrem angenehm trägt, der hoch geschnittene Bund: Da bekommen selbst bei maximaler Bewegung die Nieren keinen Kälteschock. Das Lauparen Shirt überzeugt mit seinem ausgeklügeltem Materialmix aus elastischem Rippstrick und strategisch platzierten Merino-Mesh-Einsätzen unter den Armen. Flache Nähte sorgen zudem dafür, dass der Rucksack nicht reibt.

Zusammen mit der Explorer Weste aus zwei unterschiedlichen Merinoqualitäten ist frau für wirklich jeden Einsatz am Berg gerüstet. Die Innenseite des Midlayers wirkt fast wie Frottee und ist aus gebürsteter 18,7 Mikron Merinowolle gefertigt, während die Außenseite aus stärkerer 20,5 Mikronfaser mit 10% Aquaduct-Polyamid besteht. Dieser Materialmix sorgt für bessere Haltbarkeit (Stichwort: Kein Pilling!) und einen verbesserten Feuchtigkeitstransport.

Bild Devold Dauertest 2

Dieses Dreierteam hat sich im Einsatz am Berg den gesamten Winter über bewährt. An sehr kalten Tagen bzw. bei reinem Abfahrtseinsatz habe ich eine zusätzliche Schicht aus Primaloft- oder Daunenjacke drübergezogen unter der Shell. Sobald ein Hike dabei war oder auf Skitour war das Lauparen Shirt mit der Explorer Weste eine optimale Kombination: Selbst nach einem schweißtreibenden Aufstieg fühlten sich weder Shirt noch Weste feucht an – nicht einmal am Rücken unter dem Rucksack. Auch der hohe, weiche Kragen der Weste hat sich voll bewährt: Sobald der Wind ums Eck gepfiffen kam, Reißverschluss hoch – fertig. Sehr angenehm war auch, dass sich der Hosenbund der Breeze Plus niemals feucht angefühlt hat.

Als „Extra warm“ sind das Expedition Zip Neck und die Tuvegga ¾ Hose hingegen klar für die kalten Tage am Berg ausgelegt. Das Zip-Shirt mit hohem Rollkragen besteht aus 2 Lagen Merino: Einer superweichen und kuscheligen Innenschicht aus 18,7 Mikron Merino und einer Außenschicht mit 10% Aquaduct-Polyamid und stärkerem 20,5 Mikron Wolle. Das ergibt eine Stärke von 235 g/m² und somit wahrlich Expeditions-Isolierung, allerdings bei gleichzeitig verbessertem Feuchtigkeitstransport.

Die Tuvegga Serie punktet mit einem cleveren Wendesystem: Die flache Seite aus 190 g/m² sorgt bei intensiver Bewegung für hohe Atmungsaktivität, während die interessante 3D-Rippenstruktur mit ihren integrierten Luftkanälen überragend isoliert (340 g/m²!). Das gilt übrigens für alle Produkte der Tuvegga-Serie. Bei den ¾ Pants sind im Kniekehlenbereich außerdem Mesh-Einsätze für optimale Feuchtigkeits- und Temperaturregulierung eingearbeitet. Einziger Wehrmutstropfen: Der Bund ist relativ niedrig geschnitten.

Fazit

Insgesamt gilt: Wo Devold „Expedition“ draufschreibt, steckt auch Expeditionsequipment drin. Für den alltäglichen Einsatz bedeutet das, dass diese extra warmen Produkte im Hochwinter und bei grauslichen Bedingungen am Berg absolut erste Wahl sind. Geht es allerdings ins Frühjahr hinein, ist einem von Haus aus eher zu warm als zu kalt oder plant man bewegungsintensive Abenteuer, dann kommt man mit dem Expedition Zip Neck bzw. der Tuvegga Hose schnell ins Schwitzen. Da unterstützt das Aquaduct-Polyamid dann zwar, allerdings fühlt man sich nie so trocken und angenehm klimatisiert wie mit einem dünneren Baselayer. Als erste Schicht im Hochwinter geht es aber nicht besser.

Das Set aus Breeze Plus Hose und Lauparen Shirt aus der mittelschweren Merinoqualität mit 200 bzw. 190 g/m² hat sich hingegen als All-day-all-season-long-Favorit entpuppt. Insbesondere in Kombination mit der Explorer Weste, die bei Nichtgebrauch problemlos im Rucksack Platz findet, habe ich praktisch bei jeder Gelegenheit zum Devold Baselayer gegriffen und alles andere im Schrank liegen lassen.

Im Übrigen haben wir uns an die Empfehlung des Herstellers gehalten, und die Teile einfach an der frischen Luft getrocknet und ausgelüftet. Das genügt vollauf – selbst im Dauereinsatz beginnt nichts zu riechen und die Funktionalität der Unterwäsche bleibt erhalten. Aus diesem Grund sicher eine optimale Wahl, wenn es um Mehrtagestouren geht – man spart sich einen Haufen Ersatzunterwäsche. Sollten die Produkte dann doch Bekanntschaft mit der Waschmaschine machen, ist das kein Hexenwerk: Sie dürfen mit 40° gewaschen werden und sogar in den Trockner.

Bleibt noch ein bedeutender Punkt: Woher kommt die Wolle? Hier geht Devold seit jeher einen verantwortungsvollen Weg und bezieht die verarbeitete Merinowolle mittlerweile ausschließlich aus nachhaltiger Schafhaltung. Die gesamte verarbeitete Wolle kommt von etwas mehr als einem Dutzend Familienbetrieben, die komplett auf Mulesing verzichten. Zudem werden alle Schafe nach den „Five Freedoms of Animal Welfare gehalten“. Und die gesamte Wolle ist bis zu dem Betrieb zurückverfolgbar, aus dem sie stammt – mehr als die Hälfte der Produkte tragen auch das Etikett des jeweiligen Betriebs.

Alles in allem ein Spitzenpaket, das man von Devold in Sachen Merino-Baselayer bekommt – von der Produktion bis zum Endprodukt durchdacht und mit allen Konsequenzen durchgezogen. Im großen Sortiment gibt es passende Produkte sowohl für den spezialisierten Einsatz, als auch Allrounder, die man das ganze Jahr über nicht wegpackt. Wer ein nachhaltiges Produkt in 1A Qualität sucht und das lange halten soll, der kann bei Devold bedenkenlos zugreifen. Bleibt nur noch die Entscheidung, was man denn gerne im Kleiderschrank hätte…

www.devold.com

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