Ich, schon bald 60, 181 cm und letzte Saison 85 Kg ohne Klamotten, konnte in den vergangenen Saison einige Ski ausprobieren. Hier möchte ich meine Eindrücke teilen. Alle Parkeindrücke stammen von meinem erwachsenen Sohn.
Armada ARV 112
Der etwas abgespeckte 112er wurde 4 mm schmaler und übertrifft den alten JJ eigentlich in allem. Piste, Pulver, Park, er funktioniert überall, sofern man ihn mittig fährt. Wer gerne Druck auf der Spitze hat, wird damit weniger zurechtkommen. Klickt man ein, ist der erste Eindruck "nach Hause kommen". Er fährt sich schon beim ersten Schwung als wäre man ihn schon immer gefahren. Intuitiv ist hier das passende Wort. Das zweite ist geschmeidig. Er schlängelt sich locker und einfach durch tiefen Pulver, Frühjahrssulz, Buckel, zerfahrene Pisten. Auf Carvingautobahnen macht er, für einen solch breiten Ski, ordentlich Freude. Sein Schwunggewicht erlaubt auch ein paar Rails. Landungen, auch auf hohen Kickern, sind kein Problem. Obwohl das ein breiter Freestyle Ski ist, will er vor allem tiefen, nicht zu harschigen Schnee. Obwohl "nur" 112 mm floatet er souverän. Am meisten Spass hat er mir im Frühjahrssulz gemacht. Während die Racecarver- und Slalomcarvertypen sich durch den tiefen Sulz und die Buckel quälten, konnte ich einfach durchs Gemüse durch. Auf harten Pisten zeigt er sich überraschend bissig, die Kante hält (sofern sie geschliffen ist).
Line Bacon 122
Ein Ski, wie aus der Zeit gefallen. Espe/Paulownia Kern, fette Kanten, Bioharze, symetrischer Flex, extrem weiches Tip und Tail, Bindung 2,5 cm hinter der Mitte, etwas Camber und viel Rocker sind die Zutaten für einen mächtig breiten Freestyle Ski. Eine Art überdimensionierter Line Blend. Der will nur spielen. An ernsthaftes Skifahren ist damit nicht zu denken. Noch nie habe ich einen solch verspielten, einfach zu fahrenden Ski an den Füssen gehabt. Der vergleichsweise kleine Radius (ca. 19 Meter bei 185 cm) lässt ihn überall seine Tricks aufführen. Jede Geländekanten will er überspringen und sogar mir altem Sack gelingen locker schöne Butters. Ich hatte einen Tag richtig tiefen Pulver und da ist er einfach ein Knaller. Im Sulz das Selbe. Bei allen Scheissschneearten ist er im Gelände nicht der richtige Ski. Zu breit ist die Schaufel, zu weich sind die Skienden. Mir hat er auch an Pistentagen Spass gemacht, sofern es nicht zu hart ist. Kommentare am Lift sind garantiert. Ich werde ihn kommende Saison nach Japan mitnehmen, da gehört er hin. Für alle die mit einer zentralen Bindungsposition nicht zurechtkommen oder über die Schaufel fahren, das ist nicht der richtige Ski für euch.
Linie Vision 114
Da gehts schon etwas ernsthafter zu. Der Ski ist insgesamt steifer als der Bacon 122 und extrem leicht. Der Ski für alle die gerne ohne Lift aufsteigen. Vom Shape her ist er dem Ballerpowderski Optic 114 sehr ähnlich. Der Vision hat etwas mehr Rocker. Er fährt sich aber viel flowiger als der Optic 114. Line kann nicht wirklich ersthafte Ski bauen. Das Spielerische steht immer im Zentrum. Am Vision hat mir gefallen, dass er sowohl wie ein Freestyleski bewegt werden kann. Aber auch stärkere Jungs, die Gas geben und mal in etwas weiteren Kurven unterwegs sind haben Freude. Der Vision ist nie anstrengend, vorausgesetzt der Schnee ist weich. Auf harten Pisten fand ich ihn spröde. Er mag zwar carven auf der Piste, aber nur dann wenn der Schnee aufgefirnt, sulzig, nass oder pulvrig ist. An engen Stellen, in Buckeln ist er wendig und einfach zu fahren. Mein Sohn hat ihn dann noch in den Park entführt und befand ihn für spassig. Ein ähnlicher Ski ist der Armada Whitewalker 116, den ich als etwas aggressiver empfand. Ich behaupte jetzt mal, dass der Vision 114 der verspielteste Tourenski überhaupt ist. Wer viel aufsteigt und nicht auf Tricks im Powder verzichten will, soll sich hier bedienen.
Mein Fazit. Mit dem Älterwerden bin ich froh gibt es immer mehr solche Ski, die sich quasi von selbst fahren, die nie anstrengend sind, die spielen wollen, mit denen man überall locker cruisen kann oder, wenn man mag, es auch mal krachen lassen kann. All die ernsthaften Ballerski (von denen es immer weniger gibt), die ständig Druck auf der Schaufel und Tempo wollen, sind für mich Geschichte. Die Zeiten länger, steifer, schneller sind für mich definitiv vorbei. Ich kann nur allen raten, probiert auch mal solche Spielzeuge aus, das Skifahren erhält damit neue Dimensionen.



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