Auf Ski quer durch Tirol

Vom Stubai auf den Arlberg

Autor: Michael Stricker Datum: 2016-12-26
Eine Freeridetour, welche sechs verschiedene Gebiete in sechs Tagen als Tour aneinanderreiht ohne lange Aufstiege, perfekt für Freerider mit schwererer Ausrüstung! Das Programm: „Ride-Eat-Sleep-Repeat" für sechs Tage! Einmal quer durch die schönsten Schigebiete Tirols, nur mit Ski und öffentlichen Verkehrsmitteln. Einmal gehört hat mich die Idee nicht mehr losgelassen...
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    Der Wetterbericht prognostiziert Neuschnee bis zu 50 cm und nachher Bluebird für den Rest der Woche, gerade richtig für die geplante Stubai - Arlberg Freeridetour, eine Idee von meinem Bergführerkollegen Werner Obholzer!

    Freitag:
    Mit meiner Gruppe Schweden sitze ich beim Abendessen in Lans und erzähle ihnen von dem Tourenvorschlag für die geplante Woche. Die sind sofort Feuer und Flamme für die Idee! Damit ist klar, was am Morgen passiert...

    Samstag:
    Nun gehts los, wir nutzen den Skibus um zum Stubaier Gletscher – dem ersten von vier Gletschergebieten, die wir diese Woche befahren werden. Dorthin zu gelangen ist bei der perfekten Infrastruktur in Tirol ein Kinderspiel. 35 cm Powder empfangen uns am Stubaier leider bei mässiger Sicht, trotzdem ein super Start in die Tour . Leider wird die Sicht im Laufe des Tages immer bescheidener und wir müssen noch ins Ötztal abfahren. Es gilt keine Zeit mehr zu vergeuden – Cappuccino und Apfelstrudel gehen sich aber schon noch aus. Danach sind wir bereit für einen kurzen aber sehr steilen Aufstieg zum Daunschartl, von wo der Run startet! Allerdings erkennen wir schnell, dass es eine eher blöde Idee war, sich vor dem Spuren im hüfttiefen Neuschnee noch etwas Süsses zu gönnen...

    Die Sicht ist leider nicht besser geworden, dafür ist der Schnee vom feinsten, bis über die Knie staubt´s beim Spuren über den Gletscher. Die Gletscherabfahrt bis zur Ambergerhütte ist ein Powdertraum, nur ohne Sicht ist es halt nicht ganz ein-fach! Trotzdem: Die Jungs grinsen über beide Ohren bei so viel des ersehntem Pulverschnees und geben Gas, um mit Speed einige Schwünge zu zaubern. Das letzte Flachstück wird noch ein harter Skating-Wettkampf, den Magnus, einer der Schweden, nur knapp für sich entscheiden kann. Den Preis für den Sieg, o,5 Liter eines isotonischen Kaltgetränkes hat er sich redlich verdient.

    Magnus ist super fit und ein exzellenter Freerider. Er war auch derjenige, der die Gruppe organisiert hat. Mein Respekt gilt seinem 30 Jahre alten Salomon Heckeinsteiger, der bemalt und mit Schrauben gespickt immer noch brav seinen Dienst tut! Das wohlverdiente Bier und die Stimmung auf der Ambergerhütte, in mitten der tief verschneiten Berge ist jedenfalls sensationell. Was für ein Kontrast zum lebhaften Schigebiet einen Berg weiter! Die gemütliche Hütte mit ihren freundlichen Wirtsleuten, die gute Stimmung und die Aussicht auf gutes Wetter für den Rest der Woche lassen uns bis zur Hüttenruhe zusammensitzen. Zufrieden fallen wir in unsere Betten und sind gespannt, was uns am nächsten Tag erwartet.

    Sonntag:
    Die Abfahrt nach Gries zum Schibus dauert 30 min, das schöne Tal ist ein schöner Start für den Tag in Sölden. Die langen Runs hier - egal ob Nord- oder Südseitig - sind einfach genial und wir genießen die Sonne und gute Sicht. Der obligatorische Kaffee im James Bond Restaurant am Gaislachkogl schmeckt herrlich bei der Wahnsinnsaussicht!

    Der späte Nachmittag ist für die lange Gletscherabfahrt ins Pitztal reserviert, ein weiteres Highlight der Tour! Der unverspurte Gletscher liegt zwischen uns und dem Pitztal, was für ein Tag! Das Hottube im Freien mit Blick auf die Gletscher krönt diesen Traumtag und wir lassen unsere Lines nochmal Revue passieren.

    Montag:
    Der Pitztaler Gletscher bietet unglaubliche Freeridemöglichkeiten und lange Gletscherabfahrten von bis zu 2000 Höhenmeter bis ins Tal. Die Weite der Gletscherflächen ist noch beeindruckender wenn man die Dimensionen der Spalten und Seracs bei der Abfahrt über den Taschachferner hautnah erlebt. Unten angekommen ent-scheiden wir uns für die Schibus / Taxi Variante. Die Tour bis ins Kaunertal mit Ski wäre bei so viel Pulver viel zu lang und wir wollten heute einfach nicht all diese unverspurten Hänge ohne unser Lines zurücklassen.

    Das Hotel im Kaunertal wartet mit einem köstlichen Abendessen auf uns und wir lassen uns so richtig verwöhnen. Ein genialer Powdertag geht gemütlich zu Ende und das Bett ruft uns alle!

    Dienstag:
    Der Bus bringt uns zum Kaunertaler Gletscher: Ein weiteres Highlight! Der relativ unbekannte Gletscher hat es ins sich, die Runs sind lang und laden zum cruisen, einfach laufen lassen und Spaß haben ein! Wir haben Glück und finden genug Firstlines für alle, auch bei der Abfahrt zur Strasse haben wir so viel Platz dass wir uns sofort für einen zweiten Run entscheiden.

    Die Abfahrt geht heute nach Südtirol. Wir finden noch richtig guten Schnee und bringen das knifflige und sehr steile Anfangsstück hinter uns. Danach sind die Hänge weit und nur ein paar vereinzelte Spuren zeigen uns, dass wir richtig unter-wegs sind.

    Der Weiler Melag empfängt unsere müde Gruppe mit Sonnenschein und köstlichen Südtiroler Spezialitäten, die wir sehr gemütlich auf der Terrasse verspeisen. Mit dem Taxi kommen wir zu unserem Hotel in Nauders, wo schon die vorgeheizte Sauna auf uns wartet.

    Mittwoch:
    Nach einem super Frühstück wartet das Taxi, um uns nach Samnaun in der Schweiz zu bringen. Die Gondel befördert uns in das riesige Gebiet Ischgl / Samnaun wo wir uns den ganzen Tag ausgiebig im Gelände austoben können. Der Val Gronda Run bietet eine richtig richtig lange Abfahrt ohne Aufstieg und belohnt uns noch dazu mit einem sensationellen Panoramablick.

    Es gibt so unglaublich viele Freeride Möglichkeiten in diesem Gebiet, dass mir vom ständigen Hin-Und-Herschauen, was alles noch unbefahren wäre, schon der Nacken schmerzt. Aber es wird langsam Zeit, an unseren Abschlussrun nach Kappl zu denken...

    30 Minuten Aufstieg mit den Ski am Rücken sind nötig, um auf das Joch zu gelan-gen, von dem aus bis nach Kappl abgefahren werden kann. Außer Atem und schweißgebadet stehen wir nun oben und sind fasziniert vom Panorama und den Hängen, die sich vor uns ausbreiten. Die Wolkendecke hat mittlerweile alle Täler gefüllt und nur die Gipfel über 2000 Meter sind frei und Sonnenbeschienen. Wie Inseln liegen die Berge vor uns und es benötigt keine Worte um zu merken, wie glücklich alle sind. Diese Augenblicke sind immer wieder die besten am Berg.

    Bei der letzten Abfahrt des Tages gehen 300 Höhenmeter feinster Powder in der Sonne in einen 1500 Höhenmeter Blindflug bis nach Kappl über. Alpines Freeriden ist halt nicht immer ein Wunschkonzert - das macht es aber auch so besonders und wertvoll, weil jeder genau weiß, wieviel Glück es braucht, um eine dermaßen tolle Woche zu erleben. Das weitere Abendprogramm: Skibus - Hotel - Bar - Abendessen - Bar - Bett.

    Donnerstag:
    Guten Morgen Paznauntal! Nach dem Frühstück geht's sofort zur Auffahrt in Kappl und direkt gleich weiter Richtung St. Anton mit 1500 Höhenmeter Abfahrt nach Pettneu. Leider spielt uns die Sicht wieder einen Streich, diese Hänge bei Bluebird wären aber ein spitzen Run. Der Schibus bringt uns nach St. Anton, wo wir alle gemeinsam beschließen den Tag gemütlich bei einem Mittagessen ausklingen zu las-sen. Es gäbe zwar noch so einiges zu befahren, aber nach den vielen Abfahrten uns Erlebnissen entscheiden wir uns für die gemütliche Variante.

    Zurück nach Innsbruck, dem Ausgangspunkt der Tour, geht's mit dem Zug. Eine Traumwoche geht zu Ende und ich bin sehr happy, dass alles so gut geklappt hat und wir alle gemeinsam zurück in Innsbruck sind. Den fetten Grinser bekommen wir die nächsten Tage auch noch nicht aus dem Gesicht, zu gut war diese Tour. Sechs Tage - sechs Gebiete – das ist schon eine anstrengende Freeridetour, die einem ein bisschen was abverlangt. Die Erfahrungen und Eindrücke sind aber unbeschreiblich.

    Die Stubai – Arlberg – Freeridetour wird von UP & DOWN angeboten, Guide ist Michael Stricker.
    Die Termine für 2017 sind:
    7. – 14. Jänner 2017
    4. – 11. Februar 2017
    11. – 17. März 2017

     

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