Sicher auf Skitour

Ein interview mit dem Leiter der Mammut Alpine School, Franz Widmer

Autor: Valentin Strohmaier & Franz Widmer Datum: 2016-12-15
Die Hochsaison naht und die Skifahrer und Snowboarder pilgern wieder in Massen in die Skigebiete. Um dem hektischen Treiben auf den Pisten zu entkommen, suchen sich immer mehr Wintersportler ihren eigenen Weg ins Gelände ausserhalb des markierten Skigebiets. Immer mehr Beliebtheit erfreuen sich auch individuelle oder geführte Skitouren. Wie immer, wenn der Mensch sich in die offene Natur begibt, ist das mit gewissen Risiken verbunden, die es richtig einzuschätzen gilt. Wir haben uns mit Franz Widmer, dem Leiter der Mammut Alpine School getroffen und haben mit ihm über die verschiedenen Risiken und die richtige Vorbereitung gesprochen – damit die Tour zu einem möglichst sicheren Erlebnis wird und man den panoramareichen Aufstieg oder die rasante Abfahrt im Pulverschnee voll und ganz geniessen kann.
  • Mammut Alpine School
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  • Mammut Alpine School - Franz Widmer
  • Mammut Alpine School - Foto: Marc van Swoll
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    Was ist eigentlich der Unterschied von einer Skitour und einer Abfahrt abseits der Piste?
    Zu einer Skitour gehört ein Aufstieg mit Fellen, eine Gipfelrast und natürlich die Abfahrt zurück ins Tal - hoffentlich durch feinsten Pulverschnee. Es gibt Touren mit Liftunterstützung und entsprechend etwas mehr Abfahrtsmetern, alpine Touren mit Gletscherausrüstung oder bspw. auch Haute Routes wie jene von Zermatt nach Chamonix, wo man in einer Woche durch die atemberaubenden hochalpinen Westalpen traversiert. Somit bietet sich für jeden Geschmack die passende Möglichkeit, von einfach bis anspruchsvoll und von Tages- bis Wochentouren.

    Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede in Bezug auf Gefahren beim Befahren von freiem Gelände (wie bei einer Skitour) im Vergleich zum Freeriden neben der Piste?
    Während beim Freeriden die Oberschenkel vor allem vom Runterfahren glühen, ist bei einer Skitour auch Kondition für den Aufstieg gefragt. Zudem gehört zum Skitouren auch die Lust, neue Gebiete fernab vom Pistenrummel zu erkunden und Gipfel zu besteigen, die nicht mit einer Bahn erreicht werden können. Aber auch die Natur mit Wind und Wetter zu erfahren, eine erste Spur in einen frischen Hang zu legen und am Nachmittag auf der Terrasse einer Bergbeiz gemeinsam auf die Tour anzustossen und von neuen Bergen zu träumen. In Punkto Sicherheit muss beim Freeriden die Situation viel schneller erfasst werden. Die Bahn befördert einen innert weniger Minuten direkt ins alpine Gelände, wo die Gefahren von Beginn weg eher grösser sind.

    Was ist das ideale Wetter und der ideale Schnee für eine Skitour?
    Die ideale Vorstellung für eine Skitour ist sicher ein Wintertag mit stahlblauem Himmel und frischem Pulverschnee. Es kann aber auch ganz schön sein, im Hudelwetter unterwegs zu sein, durch knietiefen Pulver zu waten um danach eine rassige Abfahrt in dichtem Schneegestöber zu geniessen. Wichtig ist, dass in jedem Fall die Lawinensituation zur ausgewählten Tour passt und man keine Risiken eingeht.

    Was sind die grössten Gefahren, denen man sich bei einer Skitour aussetzt?
    Wie oben angesprochen, stellen Lawinen die grösste Gefahr auf Skitouren dar. Allerdings kann das Lawinenrisiko durch gute Planung auf ein Minimum reduziert werden- das ist das A und O. Daneben sind natürlich eine passende Ausrüstung und eine der Tour entsprechende Kondition und Technik eine Grundvoraussetzung, um sicher unterwegs zu sein.

    Was gehört zu den unterschätzten Gefahren, an die man nicht sofort denkt?
    Der Faktor Zeit ist sicher ganz zentral. Wenn bspw. im Frühjahr am Nachmittag die Lawinengefahr auf Grund der tageszeitlichen Erwärmung steigt, muss man zu diesem Zeitpunkt wieder zurück im Tal sein. D.h., dass ein Zeitplan aufgestellt und eingehalten werden muss. Vielleicht ist man zu langsam unterwegs und es reicht nicht bis auf den Gipfel. Dann gilt es den schwierigen Entscheid zu fällen, umzukehren, damit man rechtzeitig zurück ist. Weiter ist natürlich das Wetter ein Faktor, der nicht unterschätzt werden darf. Schlechte Sicht oder gar Nebel verändern die Ausgangslage innerhalb kürzester Zeit. Navigationsutensilien gehören daher in den Rucksack und müssen auch beherrscht werden.

    Wie sieht die ideale Vorbereitung aus? Auch Körperlich.
    Wer noch nie eine Skitour gemacht hat, meldet sich am besten für einen Kurs an. Bergschulen, wie die Mammut Alpine School, bieten Einsteiger und Grundkurse an. Der Bergführer führt die Besucher in die Welt des Tourengehens ein und erklärt auf Übungstouren alle relevanten Themen - von der Lawinenthematik, der Technik im Aufstieg und der Abfahrt bis zu Materialfragen. Konditionell muss man nicht gerade einen Marathonläufer sein, aber eine gute Grundkondition für Aufstiege bis rund vier Stunden und eine sichere Skitechnik auf der Piste machen das Erlebnis angenehmer. Bei Skitourenkursen kann die Ausrüstung oft, teileweise sogar kostenlos, ausgeliehen werden. Wenn man auf eigene Faust Skitouren unternehmen möchte, gehört eine gute Portion Erfahrung dazu, damit die Gefahren richtig eingeschätzt werden können.

    Wie wichtig ist das ideale Equipment auf einer Skitour und wie sieht das aus?
    Auf jeder Tour gehört das Notfallequipment bestehend aus LVS, Sonde, Schaufel und ergänzend einem Lawinenairbag auf jeden Fall dazu. Ebenfalls in den Rucksack gehören wind- und wetterfeste Bekleidung und ein Schluck warmer Tee. Wichtig ist auch, dass die Ausrüstung vor der Tour kontrolliert wird, damit alles funktionstüchtig ist.

    Wie verhält man sich richtig in einem Unglücksfall, wie zum Beispiel bei einer Lawinenverschüttung?
    Bei einem Unglück und spezifisch bei Lawinenunfällen ist ganz wichtig, dass die Organisation und der Ablauf der Rettung von der Alarmierung des Notfalldienstes über die Suche von Verschütteten bis zur Bergung tadellos funktioniert. Das muss geübt werden. Daher empfehlen wir allen Personen, die sich im Winter abseits von markierten Pisten und Wegen aufhalten, regelmässig einen Lawinenkurs zu absolvieren.

    Nehmen wir an, eine Gruppe bucht eine Skitour mit der Mammut Alpine School. Welche Schritte zur Vorbereitung stehen vor dem ersten Schritt im Schnee?
    Auf all unseren Touren müssen die Teilnehmer die Notfallausrüstung tragen. Das ist Pflicht. Bevor die Tour startet, führt der Bergführer mit den Gästen ein Safety Check durch. Dabei werden die Geräte geprüft und der Ablauf im Notfall erklärt, damit alle Teilnehmer wieder auf dem neusten Stand sind.

    Habt ihr Tipps und Tricks für unsere Leser, damit deren Skitour zum möglichst sicheren Erlebnis wird?
    Zu einer Skitour gehört eine gute Planung des Tourenziels mit Zeitplan, einer Beurteilung der Situation vor Ort und schliesslich der Einschätzung der einzelnen Hänge, die begangen und befahren werden. Das unter Einbezug von Verhältnissen, dem Gelände und den Personen, die einem begleiten.

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