Nachhaltigkeit – Skifahren im Ökosystem Alpen

Umweltfreundlicher Tourismus?

Autor: Christopher Krabbes Datum: 2017-05-31
Wer mit den Skiern in den Alpen unterwegs ist, weiß, dass der extensive Wintersport eine Belastung für die Natur darstellt. Neben der Bodenerosion und den Eingriffen in die Landschaft durch die notwendige Infrastruktur bringt auch der Reiseverkehr verschiedene Nachteile mit sich. In den letzten Jahren hat zudem der Einsatz von Beschneiungsanlagen drastisch zugenommen. Der Wasserverbrauch ist enorm und der Kunstschnee verändert auch das Vegetationsbild. Um das Ökosystem der Alpen möglichst lange intakt zu halten, kann umweltbewusstes Verhalten und nachhaltiger Tourismus eine Menge beitragen. Skifreunde müssen deshalb nicht auf den Spaß in den Bergen verzichten. Wer sich an verschiedene Regeln hält, kann seinen „Fußabdruck" in Grenzen halten und die negativen Eingriffe in die Natur minimieren. Es sollte jedem am Herzen liegen, den Lebensraum der Alpen zu erhalten und Flora und Fauna zu schützen.
  • Umweltfreundliches Verhalten auf den Pisten kann dazu beitragen, das Ökosystem der Alpen zu erhalten. Nachhaltigkeit spielt auch im Tourismus eine immer größere Rolle. Foto: Fotolia/©ImagoGarage
  • Rund 90 Prozent der Skigebiete in den Alpen gelten heute als schneesicher. Durch die globale Erwärmung werden künftig immer mehr Regionen auf die Hilfe von Schneekanonen zurückgreifen, um Wintersport möglich zu machen. Foto: Fotolia/©Bergfee
  • Freerider sollten die ausgewiesenen Schutzgebiete für die Tier- und Pflanzenwelt respektieren. Spezielle Freeride-Zonen versprechen Spaß im Tiefschnee und geben den Wildtieren ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Foto: Fotolia/©NikonSteff
  • Schneekanonen sichern die Wintersportmöglichkeiten, stellen jedoch eine enorme Belastung für die Umwelt dar. Innnovative Systeme werden heute mit Solarstrom betrieben, um den Einfluss auf die Natur so gering wie möglich zu halten. Foto: Fotolia/©GH Waldhart
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    Umweltfreundliche Anreise und Transportmöglichkeiten in den Wintersportgebieten
    Bereits bei der Anreise kann man einiges richtigmachen. Um weniger CO2 zu produzieren, kann statt mit dem Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen werden. Auf der Strecke von Zürich nach Davos fällt dann beispielsweise 25 Mal weniger CO2 an. Bus oder Alpentaxi sind weitere Möglichkeiten, um ins Skigebiet zu gelangen. Sie ergänzen die Strecken von zentralen Bahnhöfen zu den einzelnen Skiorten. Kann auf das eigene Auto nicht verzichtet werden, ist es sinnvoll, die Kapazitäten zu nutzen. Wenn es zusammen mit den Freunden zum Skifahren geht, können so alle Sitzplätze belegt werden.

    Das schädliche Klimagas ist Hauptverursacher für den Anstieg der Temperaturen weltweit und besonders in den Alpen. Um rund 2 Grad Celsius ist es dort heute wärmer als noch vor 150 Jahren. Die Folgen sind schmelzende Gletscher und die Verschiebung der Höhengrenze für schneesichere Wintersportgebiete nach oben. Momentan sind noch rund 90 Prozent der Gebiete im Winter schneesicher. Verschiebt sich die Grenze weiter nach oben – pro Grad Erwärmung um etwa 150 Meter – so reduziert sich die Zahl der sicheren Gebiete bis im Jahr 2050 auf nur noch knapp die Hälfte.

    Durch die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn zur An- und Abreise lässt sich die persönliche Umweltbilanz also um einiges positiver gestalten. Da gleichzeitig viel mehr Personen befördert werden können, wird Treibstoff gespart und weniger Kohlendioxid ausgestoßen.

    Nachhaltig denken und planen beim Winterurlaub
    Das Thema Nachhaltigkeit betrifft die verschiedensten Lebensbereiche. Wer hier über den Tellerrand schaut, kann grundsätzlich einen Beitrag zur Erhaltung der Natur leisten. Neben der Wahl eines umweltfreundlichen Transportmittels kann beispielsweise auch nachhaltig produzierte Sportbekleidung Ressourcen schonen und den ökologischen Fußabdruck klein halten.

    Dabei muss diese Kleidung heute nicht mehr in die Ecke der alternativen Hippiekleidung gesteckt werden. Moderne Funktionstextilien und fair gehandelte Materialien zeichnen die nachhaltige Sportausrüstung heutzutage aus. Es wird dabei etwa darauf geachtet, dass bei der Produktion Gewässer geschützt und Naturfasern wie Baumwolle aus ökologischem Anbau stammen. Verschiedene Labels auf den Kleidungsstücken geben Auskunft über die Produktionsbedingungen oder die Einhaltung verschiedener Ökostandards.

    Auch bei der Auswahl der Skigebiete kann darauf geachtet werden, dass der Zielort sich für Umwelt- und Naturschutz stark macht. Das Nachhaltigkeitssiegel CSR (Corporate Social Responsibility) zeichnet beispielsweise Reiseveranstalter aus, die auf nachhaltiges Reisen spezialisiert und zertifiziert sind. Auch das Deutsche Viabono Zertifikat, das Österreichische Umweltzeichen, die Blaue Schwalbe oder das Steinbock-Label aus der Schweiz können als Orientierung dienen.

    Folgende Punkte werden bei einer Zertifizierung berücksichtigt:
    • Sperrung der Pisten bei schlechter Schneelage zur Schonung der Grasnarben
    • Energieeffizienter Betrieb der Anlagen und ökologisch verträgliche Beschneiung
    • Förderung öffentlicher Verkehrsmittel und autofreie Ortschaften
    • Schutzzonen für Wildtiere
    • Förderung der Verwendung von regionalen Produkten

    In den Alpen haben sich zudem 24 Urlaubsorte zum Verein „Alpine Pearls" zusammengeschlossen, die ihren Schwerpunkt auf umweltverträglichen Wintersport gelegt haben. Auch Skilifte werden mittlerweile nachhaltig mit Ökostrom betrieben, wie beispielsweise die Blombergbahn bei Bad Tölz.

    Umweltfreundliches Verhalten auf der Piste
    Wer sich als Freerider abseits der markierten Pisten aufhält, muss besonders auf die Natur achtgeben. Vor dem Spaß steht immer der Schutz von Flora und Fauna. Wildschutzgebiete, in denen sich die Tiere ungestört bewegen können sind auch für die Tiefschneefreunde tabu. Genauso sollte immer ein gewisser Abstand zu Waldrändern oder anderen bewachsenen Zonen gehalten werden. Neu angepflanzte Bäumchen in Schonungen sind besonders empfindlich. Es gilt immer das Motto: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Direkt bei Tagesanbruch sind noch kaum Menschen auf dem Berg unterwegs. Die Wahrscheinlichkeit, dann auf unberührte Hänge zu treffen ist dann am größten.

    Auch das Thema Sicherheit spielt hier eine Rolle. Unter dem Tiefschnee ist der Verlauf des Geländes oft nur zu erahnen. Steine knapp unter der Oberfläche können schwer erkannt werden. Zudem macht es Sinn, beispielsweise einen Kurs zum Verhalten bei Lawinen zu absolvieren. Hier kann einerseits der Umgang mit der entsprechenden Sicherheitsausrüstung geprobt werden, andererseits werden Kenntnisse über alpine Gefahren vermittelt.

    Ein weiterer Punkt ist das Thema Müll. Im besten Fall wird dieser erst gar nicht produziert. Wer wiederbefüllbare Thermosflaschen statt Einmalverpackungen wie Dosen oder Tetrapaks nutzt, kann bereits einen wichtigen Beitrag zur Müllvermeidung leisten. Beim Freeride Testival am Kaunertaler Gletscher beispielsweise wurden dieses Jahr statt der üblichen Kaffeebecher die Getränke in Thermobechern gegen Pfand ausgegeben. So konnte die Müllmenge deutlich reduziert werden.

    Mitgebrachte Verpackungen sollten wieder mitgenommen werden. Müll auf oder neben den Pisten belastet nicht nur die Umwelt, sondern sorgt auch für ein wenig schönes Landschaftsbild.

    Nachhaltigkeit im Tourismus und beim Unterhalt der Wintersportgebiete
    Seit einiger Zeit werden kaum noch neue Skigebiete erschlossen. Erweiterungen beschränken sich oftmals darauf, dass bestehende Gebiete miteinander verbunden werden. Die Eingriffe in die Natur sind durch die vorhandenen Pisten überwiegend abgeschlossen. Dennoch schließen sich immer noch einzelne kleinere Gebiete zu größeren Regionen zusammen, um den Wintersportlern mehr Komfort und eine größere Auswahl bieten zu können.

    Die zerstörten Lebensräume können nur schwer ersetzt werden. Dennoch gibt es heute umfangreiche Bestrebungen, die Bewirtschaftung der Gebiete umweltverträglicher zu gestalten. Eine Steigerung der Energieeffizienz und die Einschränkung schädlicher Emissionen wird derzeit bei den Seilbahnen und Skiliften durch Umweltmanagementsysteme umgesetzt.

    Auch in anderen Bereichen soll künftig nachhaltiger gewirtschaftet werden. „Die Betreiber der erschlossenen Gebiete sollen ihr Angebot verbessern und wirtschaftlich handeln können", so die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Rita Wyder vom schweizerischen Bundesamt für Umwelt (BAFU). Sie sieht dabei bereits einige innovative Ansätze, jedoch sei auch noch viel Potential ungenutzt. Wichtig ist, dass bauliche Maßnahmen entsprechend von Fachleuten begleitet werden, die den Umweltschutz im Auge behalten.

    Kunstschnee und Kanonen
    Neben den Schneekanonen wirken sich auch die Eingriffe durch die Planierung negativ auf die Landschaft aus. Erosionsschäden treten dort stärker und häufiger auf. Abhängig von der Art des Bodens besteht ein erhöhtes Risiko für Hangabbrüche und Erdrutsche.

    Bereits beim Verlegen der Leitungen wird durch die schweren Baumaschinen Bodenleben zerstört. In einigen Ländern ist zudem der Einsatz von speziellen Bakterien erlaubt, welche die Schneeproduktion auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt möglich machen. Nach der Schneeschmelze im Frühjahr stellen diese eine zusätzliche Belastung des Ökosystems dar.

    Als stärkster Eingriff ist jedoch der enorme Wasserverbrauch zu bewerten. Im gesamten Gebiet der Alpen wird inzwischen jährlich eine Fläche beschneit, die so groß ist wie der Bodensee. Der Wasserverbrauch übersteigt dabei den Jahresverbrauch der Stadt München mit ihren Rund 1,5 Millionen Einwohnern. Der Strombedarf ist so hoch wie der Jahresverbrauch Nürnbergs. Umso wichtiger also, dass hier auf alternative Energiegewinnung Wert gelegt wird.

    Positiv gewertet werden kann, dass durch den zusätzlichen Schnee die Grasnarbe besser geschützt wird. Wer bei der Auswahl der Skigebiete auf schneesichere Regionen oder zertifizierte Gemeinden setzt, kann auch hier einen wichtigen Beitrag zum umweltverträglichen Wintersport leisten. Das nachhaltige Verhalten jedes einzelnen hat einen großen Einfluss darauf, die Natur des Alpenraums auch in Zukunft zu erhalten. Dann kann das Gefühl von Freiheit im Tiefschnee in der alpinen Winterlandschaft noch weiterhin genossen werden.


    Quellen:
    www.respektiere-deine-grenzen.ch
    www.ridegreener.com

    Wildtierfreundlich in die Natur (BAFU und SAC)
    Zwischen Wildnis und Freizeitpark (Werner Bätzing)
    Nachhaltiger Tourismus (Hartmut Rein, Wolfgang Strasdas)
    utopia.de
    www.csr-in-deutschland.de
    www.nachhaltigkeit.info
    www.wwf.de
    www.alpenconv.org

    Weiterführende Links