Review: Safe On Snow Zugspitze

Ein Lawinenworkshop nur für Ladies

Autor: Julia Schwarzmayr Datum: 2016-12-05
Ein Lawinenworkshop von Frauen für Frauen – das ist das Angebot, das die Freeride-Pros Eva Walkner, Aline Bock und Jackie Paaso ausgetüftelt haben und im heurigen Winter erstmals unter dem Titel „Safe On Snow" an die Frau bringen. Unterstützt werden sie dabei von Geli Kaufmann, Skilehrerin und Skiführerin aus Lech am Arlberg und Mitglied der Lawinenkommission.
  • Safe On Snow Zugspitze - Foto: Anton Brey
  • Verena hat das Wetter optimal bestellt
  • Beim Sonnenaufgang schon oben - Foto: Anton Brey
  • Die Coaches (v.l.n.r.) Eva Walkner, Geli Kaufmann, Aline Bock und Jackie Paaso - Foto: Anton Brey
  • Geli erklärt das Recco-System - Foto: Anton Brey
  • Zum Abschluss mit der Zugspitzbahn runter
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    Nach den Safe On Snow-Workshops am Kitzsteinhorn und im Pitztal war am Sonntag die Zugspitze dran. 17 motivierte Mädels und Frauen jeden Alters – die jüngste war gerade mal 15 Jahre alt – trafen sich in aller Herrgottsfrüh an der Talstation der Eibsee-Seilbahn. Der Tag sollte früh beginnen, schließlich wollte die Zeit dazu genutzt werden, die Basics in Sachen Lawinenkunde zu lernen oder vorhandenes Wissen aufzufrischen.

    In Empfang genommen wurden die Ladies von Aline und Jackie, während Eva und Geli schon den Seminarraum zusammen mit Verena von den Zugspitzbahnen für den intensiven Theorie-Vormittag vorbereiteten. Besonderes Zuckerl beim Rauffahren: kein Anstellen! Perfekt organisiert von Verena durfte die Gruppe an den Wartenden vorbei Richtung Berg fahren. Oben angekommen gings sofort Richtung Seminarraum, Rucksack und Ausrüstung wurden abgestellt, die Teilnehmerinnen bedienten sich noch an der zur Verfügung gestellten Getränkebar und dann wurde auch gleich in die Materie eingetaucht.

    Wer beim ausgesandten Programm aufgrund von vier Stunden Theorie noch skeptisch war, konnte mittags kaum glauben, dass die Zeit so schnell vergangen war. Auch wenn der Löwenanteil an Zeit und technischem Input natürlich auf konkrete Lawinenkunde und Geli Kaufmann entfiel, wurden in den übrigen drei Vorträgen Themenbereiche angesprochen, die in manchen anderen Lawinenworkshops so nicht, oder nur kaum, ihren Platz haben: anhand etlicher anschaulicher (und gänsehauterzeugender) Beispiele erläuterte Eva bildhaft die Verantwortung, die man als Freerider im freien Gelände auch für andere Personen trägt. Jackie ging umfassend auf das Thema „Trip Planning" ein, nicht ohne den Teilnehmerinnen mitzugeben: „Wenn deine Buddies deine Bedenken bezüglich einer Abfahrt nicht ernst nehmen, dann solltest du dir eventuell neue suchen." Besonders gut angekommen ist aber Alines Botschaft: „Du musst für dich Verantwortung übernehmen, auch wenn es manchmal vielleicht schwer fällt. Mach den Mund auf, wenn dir etwas seltsam vorkommt oder du ein ungutes Gefühl hast! Es geht um DEIN Leben!"

    Safe On Snow Zugspitze

    Nach der Mittagspause war es dann endlich soweit: Zeug packen, LVS anziehen und bei traumhaftem Wetter raus, um das Gehörte im Schnee anzuwenden. Ein wenig abseits der Piste wurde in Kleingruppen geübt: der Umgang mit dem LVS-Gerät, das Sondieren einer verschütteten Person, möglichst effiziente Schaufeltechnik. Kalt wurde den Ladies dabei nicht – auch nicht, als zum Abschluss beim Wiederholen des Notfallszenarios die Sonne langsam hinter den Gipfeln verschwand. Noch ein paar Mal wurden Rucksäcke mit Piepsern vergraben, gesucht, gefunden und ausgebuddelt um anschließend erneut vergraben zu werden. Dabei übernahm jede der Damen zumindest einmal das Kommando – für manche eine ungewohnte Rolle. Dabei gaben die Coaches direkt Feedback und Verbesserungsvorschläge, Fehler wurden angesprochen und diskutiert, und beim letzten Szenario funktionierte die Verschüttetensuche in den Gruppen dann schon recht gut.

    Zum Abschluss eines gelungenen Tags wurden Damen und Equipment von der Zugspitzbahn wieder ins Tal gebracht. Die Tombola zugunsten der Lawinenhundestaffel verkürzte nicht nur die Fahrzeit, sondern brachte so manche dazu, noch breiter zu grinsen nach dem Tag im Schnee. Kein Wunder, es wechselten ja nicht nur Ski und Stöcke die Besitzerin, sondern auch Rucksäcke, Goggles und einiges weitere an Stuff.

    Alles in allem war Safe On Snow auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Ladies packen in den einen Tag so viel an Information und Inhalt, wie sinnvoll möglich ist und lassen auch das praktische Üben nicht zu kurz kommen. Klar ist natürlich– und das sagen sie auch selber: „Das Thema ist so riesig, in einen einzelnen Tag passt nicht mehr als die Basics. Wir können hier außerdem nur das Rezept liefern, kochen lernen – also üben – müsst ihr alle selber!" Für Mädels, die gerade beginnen, sich mit der Materie auseinander zu setzen, oder die ihren letzten Lawinenkurs in relaxter Umgebung auffrischen wollen, ist Safe On Snow eine gute Alternative. Mit Geli Kaufmann haben sich die Damen einen absolut kompetenten Profi in Sachen Lawinenkunde ins Boot geholt, die in den Vorträgen abgedeckten Aspekte runden die Thematik ab. Ob man reine Ladies-Veranstaltungen gut findet oder nicht: am Sonntag hatte man den Eindruck, dass sich die Teilnehmerinnen wohl fühlten bei einem Lawinencamp, bei dem sich die männliche Beteiligung auf Fotografen beschränkte.
    Der letzte Safe On Snow Termin für 2016 findet am 18. Dezember in Laax (SUI) statt. Dort gibt es noch freie Plätze!
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