Event Review: 4* FWQ in Hakuba / Japan

Newcomer & alte Hasen

Autor: Julia Schwarzmayr Datum: 2017-02-09
17. Januar 2017 – der erste Freeride World Qualifier auf asiatischem Boden geht über die Bühne. Mit dabei sind bei der Premiere etliche klingende Namen der Freeride- und Contestszene. 2,5 Jahre, nachdem Yoichi Goto mit einem Email an den CEO der Freeride World Tour Nicolas Hale-Woods, den Stein ins Rollen brachte, geht es nun endlich los.
  • Jede Menge Rider nahmen am 2* FWQ teil, um sich für den 4* Contest zu qualifizieren - Foto: J. Halayko
  • Riders' Meeting - Foto: J. Halayko
  • Entspannte Atmosphäre unter den Fahrern - Foto: J. Halayko
  • Auch hier natürlich Safety-Check - Foto: J. Halayko
  • Konzentration hinter den Kulissen - Foto: J. Halayko
  • Linienfindung - Foto: J. Halayko
  • Auch die Locals diskutieren über die beste Line - Foto: J. Halayko
  • Die Judges waren wie das Publikum nah dran - Foto: J. Halayko
  • Judges bei der Arbeit - Foto: J. Halayko
  • Taisuke Kusunoki - Foto: J. Halayko
  • Event Review: 4* FWQ in Hakuba / Japan - Bild 11
  • Travis Rice - Foto: Jérémy Bernard
  • Podium Snowboard Damen (v.l.n.r. Erika Vikander, Anna Orlova, Michaela Davis-Meehan) - Foto: J. Halayko
  • Podium Ski Damen (v.l.n.r. Jackie Paaso, Elisabeth Gerritzen, Caite Zeliff) - Foto: J. Halayko
  • Podium Ski Herren (v.l.n.r. Kristofer Turdell, Taisuke Kusunoki, Loic Burri) - Foto: J. Halayko
  • Taisuke Kusunoki - Foto: J. Halayko
  • Jordan Bricheux - Foto: Jérémy Bernard
  • Erika Vikander - Foto: Jérémy Bernard
  • Anna Orlova - Foto: Jérémy Bernard
  • Caite Zeliff - Foto: Jérémy Bernard
  • Riders' Meeting für den 4* Bewerb - Foto: Jérémy Bernard
  • Riders' Meeting - Foto: Jérémy Bernard
  • Travis Rice zieht seine Startnummer - Foto: Jérémy Bernard
  • Trotz der langen Wartezeit ist die Stimmung bei den Ridern gut - Foto: Jérémy Bernard
  • Letzte Erklärungen vor dem Start des Contests - Foto: Jérémy Bernard
  • Dropin'! - Foto: Jérémy Bernard
  • Alles unter Kontrolle - Foto: Jérémy Bernard
  • Auch bei den Judges kommt der Spaß nicht zu kurz - Foto: Jérémy Bernard
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    Der insgesamt wohl bekannteste Teilnehmer dürfte Travis Rice sein. Der Amerikaner setzt momentan auf dem Snowboard den Standard, sowohl fahrerisch als auch medial. Und obwohl es „nur" ein Qualifier Event ist, haben es sich auch einige der World Tour Fahrer/innen nicht nehmen lassen, in den japanischen Powder zu reisen. Jaclyn Paaso und Reine Barkered sind da, Kristofer Turdell, Ivan Malakhov und Leo Slemett, die Snowboarder/innen Audrey Hebert, Christoffer Granbom und Marion Haerty, sowie Kylie Sivell und Elisabeth Gerritzen. Auch Sam Anthamatten ist nach Hakuba gereist. Neben seiner Teilnahme am Contest ist er stark in die Auswahl des Face involviert und bringt seine Erfahrung hier ein.

    Warum man die weite Anreise auf sich nimmt für einen FWQ Event am anderen Ende der Welt? „Eigentlich kommen wir zum Skifahren her, der Contest ist halt der Aufhänger für uns," meinen Michael Strauss und Andi Zweibrot, die beiden Österreicher im Feld. Ähnlich sieht es bei Travis Rice aus: "Ich war zum Filmen sowieso hier, da bietet es sich an, den Contest mitzufahren. Noch dazu, wo ich damit den Organisatoren helfen kann, Freeriden in Japan zu pushen." Dass er auch den anderen Teilnehmern damit eine Freude macht, können die kaum verbergen. „Es ist echt riesig, dass so viele große Namen dabei sind. Travis Rice, Sam Anthamatten, Reini und Jackie – da wird man schon fast ein bisschen nervös. Aber der 2*-Contest (der als Qualifikationsevent für den 4*-Bewerb durchgeführt wurde) – also der erste jemals hier durchgeführte offizielle Freeride-Contest – ist gut gelaufen," meint Andi. „Er hat bei den Snowboard Herren gewonnen, falls du das noch nicht gehört hast! Das war übrigens der erste richtige Powdercontest seit Ewigkeiten..." ergänzt Michael. Das Warten auf den großen Event lässt sich recht gut aushalten: „Wir hatten schon ein paar gute Skitage hier im Gebiet. Und es ist einfach cool, mit so guten Leuten zu fahren. Das ist die beste Wartezeit ever!" zeigen sich die beiden wenig bedrückt.

    Dass der viele Schnee, der in den letzten Tagen vor dem Bewerb gefallen ist, den Verantwortlichen Kopfzerbrechen bereitet, liegt allerdings auch auf der Hand. Dave Enright, der Leiter der lokalen Evergreen Mountain Guides Snowschool und vonseiten des japanischen Organisationskomitees für die Sicherheit zuständig, zeigt gemischte Gefühle. „Mit dem vielen Schnee kann auf dem ursprünglich vorgesehenen Face auf keinen Fall gefahren werden. Es ist erst eine Woche her, dass eine Lawine dort jemanden verschüttet hat. Meiner Meinung nach ist auch das Ausweichgelände noch nicht sicher genug. Wir suchen aber immer noch nach einer geeigneten Alternative, es steckt so viel Arbeit in diesem Contest, dass wir nach Möglichkeit vermeiden wollen, ihn absagen zu müssen." Auch Yoichi Goto, der Verantwortliche des japanischen Organisators, stimmt hier mit ein: „Unser aktuell größtes Problem ist der Schnee. Aber das ist ja auch das, weswegen Freerider nach Japan kommen. Unsere Guides suchen nach Gelände, das alle Voraussetzungen für den Contest erfüllt."

    Obwohl die Möglichkeiten zum Freeriden in Hakuba und den umliegenden Gebieten beinahe unendlich groß sind, stellt sich das nicht ganz einfach dar. „Beim 2* Qualifier Event beispielsweise hätte es einen einfachen Zugang zum Face durch das Skigebiet gegeben. Der Liftbetreiber hat uns diesen aber verweigert, denn die Gesellschaft wollte keinesfalls verantwortlich sein für die Personen, die sich dadurch im freien Gelände aufgehalten haben. Deshalb mussten alle Fahrer und Personen, die am Bewerb beteiligt waren, zuerst ganz hinauf fahren, dann das Skigebiet durch den Bergsteiger-Ausgang verlassen und dann zu Fuß zum Face absteigen", erklärt Yoichi. Der Liftbetreiber und die Grundbesitzer stellten sich letztendlich als die größten Hindernisse und Schwierigkeiten bei der Durchführung des Contests dar. „Trotzdem versuchen wir, einen Bewerb auszutragen. Mein Ziel war es immer, Japan und speziell Hakuba als Freeridespot zu promoten und den Sport in Japan zu fördern. Auch die lokale Bevölkerung steht dem Contest zunehmend positiv gegenüber, vor allem seitdem wir auch von offizieller Seite unterstützt werden. Die lokalen Fahrer freuen sich sowieso!" gibt sich Yoichi positiv. Die zahlreichen Journalisten bei der Pressekonferenz sollten zumindest für ein entsprechendes Medienecho sorgen.

    Wenige aber lange Tage später ist es dann endlich soweit. Nachdem etliche Varianten ins Auge gefasst und wieder verworfen wurden und der Bewerb mehrmals verschoben werden musste, können am Dienstag den 17. Januar 2017 endlich die Rider ins Face starten. Sogar die Sonne lässt sich blicken – das Warten hat sich also ausgezahlt.

    Gestartet wurde mit den Snowboard Herren. Die unbestritten spektakulärste Line des Tages liefert – wenig überraschend – Travis Rice, der sich damit auch souverän den Sieg holt. „Ich hab einfach nichts gesehen, bin beim ersten Pillow schon zu weit und hatte dann so viel Schnee in der Brille – war nicht optimal", fasst Andi Zweibrot seinen Run zusammen.

    Bei den anschließend startenden Ski Herren sorgte der Local Taisuke Kusunoki für eine handfeste Überraschung: er verwies die stark besetzte Konkurrenz auf die Plätze und sicherte sich so nicht nur den Titel sondern auch eine Wild Card für die Freeride World Tour 2017.

    Mit dem Beginn der Damenkonkurrenz fing es abermals an zu schneien, die Sichtverhältnisse verschlechterten sich zunehmend - Unterbrechung. „Wir mussten die Herren als erstes starten lassen, die Mädels wären in dem vielen Schnee nicht richtig ins Face gekommen. Dramaturgisch wäre es zwar cooler gewesen, die Ladies zuerst dran zu nehmen, aber das war in dem Fall leider nicht möglich", erklärte Alicia Cenci (Head of Communication and Account Management der FWT) nach dem Contest. Bei den Snowboarderinnen zeigte Anna Orlova einen kraftvollen Run, der ihr das Siegertreppchen bescherte. Die junge Schweizerin Elisabeth Gerritzen, die heuer erstmals auf der Freeride World Tour mit dabei ist, holte sich den Sieg bei den Ski Damen: „Die Sicht war schlecht. Ich habe mich im Face eigentlich verfahren, deshalb hab ich voll auf Speed gesetzt und bin glücklich, dass mir der Run aufgegangen ist", freut sie sich im Ziel.

    Nicht zuletzt die Zuseher konnten dem Geschehen in Hakuba hautnah beiwohnen. „Bei den anderen Contests ist man meistens viel weiter weg, sieht viel weniger von den Fahrern und vom Face", war nicht nur von den Ridern sondern auch von den anwesenden Journalisten zu hören. Alles in allem dürfte der 4*-FWQ in Hakuba zwar der erste, aber sicher nicht der letzte Freeride-Contest in Japan gewesen sein. Auch dank der zahlreichen lokalen Rider, die bei beiden Bewerben gezeigt haben, wie hoch das Freeride-Level liegt.

    Quellen:
    Interview Michael Strauss & Andi Zweibrot
    Interview Yoichi Goto
    Interview Dave Enright
    Press Release FWT 17. 01. 2017
    Interview Travis Rice (Océane Ciuni)
    Interview Alicia Cenci
    Interview Elisabeth Gerritzen

    Weiterführende Links