Interview mit Ski-Entwickler Thomas Laasko
Der Ingenieur von Black Diamond spricht über das Erfolgsgeheimnis!
Thomas Laakso, der führenden Kopf hinter dem Erfolg der Ski-Produkte von Black Diamond, hat sich – trotz seines randvollen Terminkalenders - ein paar Minuten Zeit genommen, um freeskiers.net ein paar Fragen zu beantworten.
freeskiers.net: Hey Thomas. Gratulation zu der Entwicklung der Black Diamond Ski. Wie sieht Dein Fachwissen als Ingenieur aus und was hast du gemacht, bevor du zu Black Diamond gekommen bist?
Thomas: Nach meinem Abschluss in Ingenieurswissenschaften und knapp fünf Jahren in der Raumfahrttechnologie kam ich 1998 zu The North Face. Ich merkte bald, dass ich einer von nur zwei Ingenieuren war, die in der Forschungs-und Entwicklungsabteilung arbeiteten. Mit meinem Wissen über Materialien und Prozesse wollte ich in der Firma einen größeren Beitrag leisten, als einfach nur
Standartarbeiten. Ich bekam die Möglichkeit, eine Abteilung für die Top-Produkte zu übernehmen und so kümmerte ich mich ab da um die allerbesten und hochwertigsten Produkte jeder Sparte.
Wir entwickelten auch Produkte für die NASA und das Militär und waren ganz vorn dabei mit den Spitzentechnologien der Zeit und bestritten neue Wege bei dem, was möglich war. Eines der spannendsten Projekte war die MET5, eine beheizbare Jacke, die mit elektrisch heizbaren Fasern ausgestattet war und die eine Menge Preise gewann.
Doch es war schon immer mein Ziel gewesen, eines Tages Ski zu entwickeln und so kam ich zu Black Diamond, wo ich mit einer Zahl motivierten Ingenieuren und Designern an spannenden und lohnenswerten Projekten arbeiten kann.
freeskiers.net: Es scheint fast so als würde zur Zeit fast jeder über den "Megawatt" sprechen. Auf welche Kategorie von Skifahrern zielt der Megawatt denn genau ab? Ein Ski der extrem breit ist, einen sehr langen Rocker und keine Vorspannung hat denn. Hattest du bei der Entwicklung dieses Modells eine spezielle Art Skifahrer oder ein spezielles Terrain im Kopf?
Thomas: Das Skidesign durchläuft gerade eine sehr interessante und aufregende Phase. Es wird viel mit spezifischen Shapes experimentiert, die auf spezielle Performance und verschiedene Arten von Schnee ausgerichtet sind. Da kann man durchaus Vergleiche zu Surfbrett-Shapern ziehen, die Bretter für spezielle Strände und Wellentypen entwickeln.
Mit den neuen Skidesigns ist es das Gleiche: Verschiedene Ski für verschiedene Verhältnisse.
Aus dieser ganzen Spezialisierung heraus erkennen wir, welche Art Skityp und Flex für welche Schneetypen, Geschwindigkeiten und Turns optimal sind. Und was wir dabei oft auf ernüchternde Art und Weise feststellen müssen ist, dass die besten Ideen alle schon vorher umgesetzt wurden. Man kann Rocker Tips zum Beispiel schon in alten hölzernen Skiern erkennen (genau wie Ähnlichkeiten zu unseren Efficient Power Technologies).
Für das Design des Megawatt kam unsere Inspiration direkt von den Powderwaffen aus der Snowboardwelt der späten 80er. Man entdeckt 1) Tips mit langem Rocker 2) minimale bis nicht gewölbte Bretter 3) einen zentrierten Standpunkt und 4) ein sehr ähnliches Verhältnis zwischen Tip und Tail, das einen nach hinten zusammenlaufenden Shape hervorbringt.
Wenn der Schnee absolut perfekt und konsistent ist, das Licht passt und es das Gelände erlaubt – ist es kaum zu glauben, was man auf Ski für Sachen machen kann.
Diese Bedingungenfindet man aber erfahrungsgemäß höchstens einmal im Monat vor – wenn man Glück hat. Der Megawatt verwandelt jeden Tag – egal in welchem Gelände - in einen solchen „Heldentag“ an dem es sich anfühlt, als wäre auf den Ski alles möglich.
Dieser Ski wurde für die Art von Skifahrern entwickelt, die die Vorstellung haben das Skifahren auf ein neues Level zu heben und schon mit allen Arten von Schnee Kontakt hatten.
Wenn sie so einen breiten Ski – mit 125mm unter der Bindung – sehen, dann denken die Meisten immer gleich an die steilen Lines von Alaska mit viel Powder.
Was die Meisten jedoch nicht realisieren ist, dass die Kombination der relativ schmal Verlaufenden Oberfläche und des Designs mit wesentlich schmalerem tail als Tip, den Ski auch bei niedrigen Geschwindigkeiten agil und wendig macht. Mit dem eher traditionellen Side-Cut unter der Bindung und der extrem hohen Torsionssteiffigkeit ist der Ski auch auf hartem Schnee erstaunlich beweglich und vielseitig.
Das geht soweit, dass man auf hartem, gepressten Schnee richtige Carving-Schwümge machen kann. Obwohl der Ski das „Alaska-Style“ Skiing auf das nächste Level hebt, wurde er auch designed um Tiefschneefahren für jedermann zugänglicher und lustiger zu machen. Der nächste Vorteil des Megawatt ist seine längsgerichtete Steifigkeit. Früher dachten wir, wir müssten einen Powder-Ski möglichst weich gestalten, so dass er aufschwimmt und an der Oberfläche gleitet. Durch den langen Rocker und die quasi nicht vorhandene Wölbung des Skis, haben wir ja schon für einen Shape mit optimalem Auftrieb gesorgt.
Mit diesem „Powder-Floating“ Design brauchen wir keinen weichen Flex mehr. Durch das steifere Design wird der Ski in allen Bedingungen berechenbarer und bleibt auch beim größeren Belastungen komfortabel zu steuern.
Man kann die Nose für einen „Overhead-Face-Shot“ in den Powder drücken, mit einem Ollie über Hindernisse poppen, man kann die Ski quer stellen und Geschwindigkeit herausnehmen oder große Sprünge landen ohne den Ski dabei in der Mitte zu falten. Mit diesem Ski kannst du alles machen was du willst... als würdest du in einem Computerspiel leben und Superkräfte haben!
Es gibt einen speziellen Skifahrer der geholfen hat die Inspiration und das Design voran getrieben hat – Billy Poole. Ich war dabei das – meiner Meinung nach – ideale Design eines Skis zu entwerfen und machte ein paar CAD-Zeichnungen als er ganz aufgeregt zu mir kam, nachdem er seine 192er Zealots gebrochen hatte (wenn ihr ihn kennen würdet, würdet ihr einsehen, dass er sogar Eisenbahnschienen die an seine Füße gekettet sind brechen könnte, wenn er einen Rodeo 7 von einem 10m Cliff macht).
freeskiers.net: Andere Firmen wie zum Beispiel K2 oder Armada haben Modelle mit demselben Konzept. Sag uns doch bitte, inwiefern der Megawatt sich von diesen Modellen unterscheidet.
Thomas: Ich denke die anderen Firmen teilen den gleichen Gedanken wie Black Diamond. Sie wollen das Powder Skiing auf ein komplett neues Level heben. Ich denke aber auch, dass bei den anderen Firmen dabei die Vielseitigkeit zu kurz kommt. Die haben tolle Charakteristika, sind aber immer auf einen sehr speziellen Style und Schneetyp ausgelegt.
Der Armada ARG zum Beispiel erlaubt modernen Skifahrern einen sehr zentrierten Stand zu behalten und im Powder zu fahren, als wäre es eine perfekt gewalzte Piste. Einige der K2 Ski haben ebenfalls diese Charakteristik. Aber ich denke diese neuen Designs gehen zu weit. Mit Rocker Tails und Sidecuts die sich weit von einem normalen, einschätzbaren Shape entfernen gehen sie in Richtung der Form eines Kajaks. Aber bei einem Ski kann man mit so einem Reverse-Sidecut schnell in Schwierigkeiten geraten. Die Rocker Tails können natürlich eine große Hilfe beim Switch landen im Powder sein, andererseits sorgen sie auch dafür dass man bei normalen Landungen um Einiges sensibler reagieren muss, um nicht in Rücklage zu geraten und brauchen eine sehr spezifische Gewichtsverteilung während des Fahrens.
Mit dem Megawatt fühlt es sich an als würde man cheaten. Es ist einfach alles möglich. Man kann sein Gewicht für einen Sprayturn aufs Tail verlagern oder das ganze Gewicht auf die Nose packen, um eine steile Wechte hinunter zu stoßen oder den ganzen Druck vom Ski nehmen um einen Cut Back zu machen. Und weil wir nicht immer mit unversurten Powder-Hängen gesegnet sein können, kann man mit dem Megawatt - dank seiner Torsionssteifigkeit - auch im Resort auf gewalzten Pisten oder verspurtem Gelände Spaß haben, ohne immer Angst haben zu müssen wegen dem Rocker Tail auf dem Rücken zu landen.
freeskiers.net: Könntest du uns ein paar prägnante Ereignisse und Schwierigkeiten schildern, die du bei der Entwicklung dieses Modells hattest?
Thomas: Das tragischste der Geschichte des Skis ist der Verlust von Billy Poole bei einem Ski-Unfall genau zu der Zeit, als der Ski gelaunched wurde. Er war unglaublich wichtig in der Entwicklung des Megawatt und zeigte der Welt ein neues Level an Power und Eleganz.
Was auch eine tolle Beschreibung für den Ski an sich ist: „Power und Eleganz in einem einzigen Skidesign wird deine Ski-Performance auf das nächste Level heben!“