Mädl's Skitrip in den Iran!

2008-04-11 09:30:25
Salam = Guten Tag
Im Iran war dieses Jahr der beste Winter seit 25 Jahren. Es lag sehr viel Schnee und so konnten wir in den ersten Tagen ein paar tolle Lines fahren. Aber leider wurde es dann extrem warm. Und so mussten wir ein bisschen auf Schneesuche gehen.

Wir fuhren auf die südliche Seite des Mt. Damavand (5600m). Dort hatten wir einmalige Erlebnisse mit den Einheimischen. Bei frühlingshaften Schneeverhältnissen machten wir einige schöne Schibilder. Danach gings zur Nordseite desselben Berges und auch dort konnten wir einige etwas andere Lines zwischen spektakulären Felsformationen befahren. Peter Mathis unsere Fotograph und Helli Vorraber unsere Kameramann konnten ein paar gute Shoots einfangen. Im Iran gibt es unglaubliche Berge – das einzige Problem: um die zu erreichen muss man lange Aufstiege in Kauf nehmen oder man geht ins Skigebiet und sucht hier Runs abseits der Piste.

In Dizin gibt’s rund 15 Lifte und eigentlich unterscheiden sich die Skigebiete nicht sehr stark von den unseren. Nur die Liftanlagen sind ein bisschen älteren Baujahres als die österreichischen. Die Jungs und Mädels treten dort allerdings in den neuesten und stylischsten Skihosen und Jacken auf. Was speziell bei den Mädls auffällt ist, dass in den Bergen alles viel lockerer ist, wenn es ums tragen des Kopftuches geht. Die Mädels tragen hier keine Kopftücher, was ihnen sichtlich Spaß macht. Weg von den Zwängen und Regeln die sie in der Stadt befolgen MÜSSEN. Das verschleiern ist im Iran ja gesetzlich geregelt!

Verhör auf dem Poizeirevier
Wer jedoch ohne Kopftuch erwischt wird der bekommt es mit der Polizei zu tun … Genau – wir wurden gleich zwei Mal ertappt und so lernten wir ein Polizeirevier von innen kennen. Draußen gingen die Jungs mit den fetten Gewehren auf und ab und drinnen wurden penibel genau und mit ernster Miene unsere Pässe kontrolliert. Die Polizisten erstellten ein Protokoll und es ist schon ein ungutes Gefühl in so einem Land etwas mit der Polizei zu tun zu haben. Die Gesichter der iranischen Männer schauten sehr ernst und dunkel aus und wir verstanden ja nicht wirklich was sie sagten. Unser Guide übersetzte dann ein wenig. Fragen wie „Was hält Österreich von den Nuklear Plänen im Iran“, „Wie heisst der Bundespräsident von Österreich“ und „Was schreiben unsere Medien über den Iran“, mussten wir sehr diplomatisch beantworten.

Immer wenn wir aus dem Skigebiet in die Städte fuhren waren wir zu locker mit dem Kopftuch. Und weil wir wieder kurz ohne Kopftuch nur schnell Wasser kaufen gingen fanden wir uns zum zweiten Mal in einem Polizeirevier wieder. Fanatische Frauen in einem Bus beschwerten sich über unsere freizügige Bekleidung, denn wir hatten ja nur eine Haube auf und kein Kleidchen das unseren Hintern bedeckte. Purer Fanatismus – auch bei den Frauen. Dieses Mal kamen wir mit 40 Euro Bestechungsgeld davon.

Aber diese Sorte von Frauen und Männern hielten sich in der Unterzahl – fast alle waren richtig nett und freundlich zu uns. Betatschten uns, wollten Autogramme und Fotos mit uns machen und wir bekamen sehr viele Einladungen. Eine besondere Ehre war es für uns bei Herrn Rasoul Nagavi eingeladen worden zu sein. 50 Meter fehlten ihm und er hätte den Gipfel des Mt. Everest bestiegen, weiters war er am Gipfel des Gasherbrum 2 und traf Bergsteigerkollegen wie Reinhold Messner und Peter Habeler.

Das Skilaufen auf Sanddünen und der Besuch des Kaspischen Meeres gehörten auch zu unseren einmaligen Erfahrungen.

Keine Mülltrennung im Iran
Ein weiteres, wenn auch nicht gerade positives Erlebnis war der ganze Müll. Überall gibt es dort Müll. Das schlimmste für mich war es in einer so wunderschönen Landschaft, die der Iran zweifelsohne besitzt, Müll zu sehen soweit das Auge reichte.

Der Smog rund um Teheran war auch nicht zu übersehn. Und natürlich der Verkehr – rote Ampeln, Einbahnen und Verkehrschilder werden hier einfach übersehen, jeder fährt so wie es ihm gerade passt und die Lieblingsbeschäftigung der Iraner im Auto ist definitiv hupen! Aber „Gustl“, so nannten wir unseren 17 jährigen Geländewagen liebevoll, verschaffte sich schon Respekt gegenüber den anderen kleineren Autos.

Ein außergewöhnliches und traumhaftes Land mit zwei Gesichtern. Die wunderbare und liebvolle Seele der Menschen in einer Welt voller Vorschriften und Verbote. Wir haben beide Seiten erfahren dürfen, aber am meisten freue ich mich nie wieder ein Kopftuch tragen zu müssen.

Einen besonderen Dank geht auch an meine Sponsoren: Nordica, Peak Performance, Recco, Scott, Albersport St.Anton, Icebreaker und Pieps. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen!
Ein Kurzfilm über diesen Trip gibt es dann bei diversen Filmfestivals und auch die Fotos werden in verschiedenen Magazinen abgedruckt werden.

Hoda Hafez ( Farsie für „Auf Wiedersehen“)
Eure Geli