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Review - Nissan Freeride de Chamonix-Mont-Blanc 2010

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freeskiers.net war für euch vor Ort, um vom Auftakt der Freeride World Tour zu berichten

Autor: Hans-Martin Kudlinski Date: 4.Februar 2010

Der Tag des Contest

Den anhaltend, starken Schneefällen am Freitag und Samstag war es schließlich zu verdanken, dass der Wettkampf am Sonntag stattfinden konnte. Denn auch die größten Schlechtwetterfronten strecken irgendwann die Waffen und lösen sich daraufhin in Wohlgefallen auf. So erwartete uns an besagtem Sonntagmorgen ein wolkenloser Himmel über der “Pentes de l’Hôtel” Felsformation im Brévent Skigebiet.

Als wir unsere Beobachter-Positionen am Fuße des Hanges einnehmen, lässt sich der Weg den die Fahrer beim Aufstieg genommen haben, nachvollziehen. Der Blick schweift über die im tiefen Schnee hinterlassen Furchen und verweilt auf den winzigen dunklen Punkten, die sich unbeirrbar bergauf kämpfen. Bei diesem Anblick kommt mir das Statement der FWT-Organisatoren ins Gedächtnis: "Da es sich bei unserem Event um einen Freeride-Contest handelt und wir der Meinung sind, dass Freeriding auch zwangsläufig mit dem Aufstieg aus eigener Kraft verbunden ist, werden unsere Teilnehmer nicht mit dem Hubschrauber oder dergleichen auf dem Gipfel abgesetzt."

Nachdem die ersten Fahrer den Aufstieg bewältigt, die Mountain-Guides, die notfalls zur Erstversorgung bereitstehen, ihre Positionen eingenommen haben und auch alle Fotografen und Kameramänner grünes Licht geben, kann es losgehen: Der Nissan Freeride de Chamonix-Mont-Blanc 2010 kann beginnen.

Droppin' in...

Um den Fahrern den letzten Input im Bezug auf die Schneeverhältnisse zu geben, war es kein Geringerer als das österreichische Freeride-Urgestein, Martin „McFly“ Winkler, das die Ehre hatte, das Face als Vorläufer zu befahren. Wenig später wurden wir Zeuge des ersten Wertungslaufes des Franzosen Julien Lopez, der offensichtlich alle Gedanken um die ungeliebte Startnummer über den Haufen geworfen hatte und eine spektakuläre, steile Line mit einem massiven Cliffdrop am Ende in den Schnee stellen konnte.

Was folgte, waren einige atemberaubende Runs der wohl besten Contest-Freerider unserer Zeit. Im Vorfeld heiß diskutiert war in erster Linie der Auftritt von Freestyle-Legende Candide Thovex, der wider erwarten keine Spins oder Flips in seinen Run einbaute, sondern durch seine hervorragenden, "bodenständigen" Freeride-Fähigkeiten zu überzeugen wusste. Doch auch Henrik Windstedt, Sverre Liliequist und Adrien Courier konnten mit ihrem Lauf mehr als zufrieden sein, wohingegen einem der Mitfavoriten auf den Titel, Richard Permien, die Enttäuschung nach seinem Sturz deutlich anzumerken war.

Doch nicht nur die Herren der Schöpfung gingen an diesem Tag an den Start. Auch die Frauen zeigten, dass sie das nötige Können mitbringen, um das Face trotz der erschwerten Bedingungen mit dem größtenteils zerfahrenen Schnee zu bezwingen. Jess McMillan setzte sich hierbei mit einer sehr individuellen Line gegen die Österreicherin Eva Walkner und die Neuseeländerin Janina Kuzma durch.

Eine schwierige Entscheidung

Nun lag es an den Judges, sich auf einen Gewinner bei den Männern zu einigen. Das fahrerische Level, das an diesem Tag von den Akteuren gezeigt wurde, war vor allem in Anbetracht der schwierigen, da wechselhaften Schneelage mehr als beeindruckend. Obwohl die Fahrer gerade in der Spitzengruppe Kopf an Kopf lagen, konnten sich die Wertungsrichter einstimmig auf einen Gewinner des ersten Tourstopps festlegen: Candide Thovex bot das stimmigste Gesamtpaket und konnte vor allem durch seine Übersicht, die ihm eine absolut flüssige, schnelle Line ermöglichte, überzeugen.

Direkt dahinter auf dem zweiten Platz landete „The flying squirrel“ Kay Zackrisson, der das Face des “Pentes de l’Hôtel” in seiner bekannt kompromisslosen, kraftvollen Fahrweise bezwingen konnte und dabei sichtlich auf seine Kosten kam: „Während des Aufstiegs sind wir davon ausgegangen, dass uns weicher Powder erwarten würde, doch nachdem die ersten Rider abgefahren waren, bekamen wir die Information, dass viele Stellen schlicht und einfach bretthart waren. Ich habe mich dann einfach dafür entschieden, Vollgas zu geben, was sich letzendlich als gute Idee herausgestellt hat. Es war ein riesiger Spaß!„

Tim Dutton, der als „Youngblood“ unter den Fittichen seines Mentors JT Holmes seine erste Freeride World Tour Teilnahme bestritt, überzeugte die Juroren mit einer kreativen Wahl seiner Line und dem erfolgreichen Bezwingen eines Double Stagers im unteren Teil des Hangs.

Ein positives Ergebnis konnte auch der einzige deutsche Teilnehmer in Chamonix für sich verbuchen. Der Atomic-Teamrider Sebastian Hannemann zeigte im erstklassig besetzten Fahrerfeld eine äußerst solide Leistung und wurde dafür mit einem 10. Platz im Ranking belohnt: „Ich bin einfach sehr schnell und flüssig gefahren. Meinen Double Drop konnte ich ebenfalls stehen und ich bin sehr glücklich mit meinem Run.“

Die wohl größte Überraschung des Tages war das Abschneiden des amtierenden FWT-Champs Aurelièn Ducroz. Er konnte seine Line aufgrund der unberechenbaren Schneeschichten im oberen Teil des Face nicht 100%ig wie geplant umsetzen. Obwohl er ein gewaltiges Cliff mit sehr schmalem Outrun sicher droppte, blieb ihm nur der 13. Platz und die Aussicht auf die kommenden Events.

Einziger Wermutstropfen des Contest war die Verletzung des Schweizer Riders Gillioz Raphy, der nach einer missglückten Landung und einem daraus resultierenden, gebrochenen Ellbogen seine Saison leider vorzeitig beenden musste.

Alles in Allem bekamen die zahlreichen Zuschauer äußerst spektakuläre Action geboten, denn wann kann man sonst schon mit eigenen Augen beobachten, wie die Freeride-Elite im Minutentakt zeigt, was mittlerweile in diesem Sport möglich ist? Es wird definitiv spannend zu verfolgen sein, wie sich das momentane Ranking im Laufe der restlichen Tourstopps entwickeln wird.

Alle Videos zum Event könnt ihr auf der Homepage der Freeride World Tour betrachten.

Die komplette Ergebnisliste des Nissan Freeride de Chamonix-Mont-Blanc gibt es hier.

Zum Interview mit Aurelièn Ducroz (Overall Winner Ski Men 2009)
Zum Interview mit Ane Enderud (Overall Winner Ski Women 2009)
Zum Interview mit Nicolas Hale-Woods (Gründer der Freeride World Tour)

Additional Information
www.freerideworldtour.com
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