Seite 1 von 4
Report - freeskiers.net-User unterwegs auf der ISPO
Report
Die größte Wintersportmesse aus Sicht unserer User
Autor: Bernhard Scholz Date: 09. Februar 2009
Der Zutritt zur ISPO bleibt für gewöhnlich den Fachbesuchern vorbehalten, doch in diesem Jahr hatten vier User von freeskiers.net die Gelegenheit, sich auf der Messe umzusehen.Ihre Eindrücke schildern die Vier exclusiv auf freeskiers.net.
Wenn man morgens auf die Ispo kommt, merkt man, dass eine ganze Menge los ist. Menschenmassen mit vor Neugierde blitzenden Augen strömen aus der U-Bahn und dem Parkhaus in die Messehallen, um die neuesten Entwicklungen im Schnee und Outdoorbereich zu begutachten. Von Rezession zumindest auf den ersten Blick keine Spur. Zwar sind die Marketingbudgets ein wenig gedrosselt, merkt man an weniger Freibier und die meisten Firmen haben Einstellungsstopps eingelegt, aber insgesamt sind sich alle einig, dass auch in Krisenzeiten Ski/Snowboard gefahren wird und sich viele im Zweifel lieber schönes neues Equipment gönnen statt sehr viel Geld in neue Autos zu stecken.
Die lauten Hallen der Snowboarder fallen dann als erstes auf.
Überall Musik, Party, bunt, blinkende Lichtlein und sogar eine Geisterbahn! Line und Amplid haben sich hier mit eingenistet. Bei Line gibt’s jetzt einen neuen Parkski der mit einem horizontalen Kern, also einem Skateboardkern und extra viel Pop punkten kann. Dazu die weitgehend bekannten dicken Latten. Bei Amplid ist es gelungen den Skikern mit Waben zu erleichtern, sogenannte HEX02 Technologie. So hat man nun einen Ski, der sehr leicht dreht und insbesondere in der Luft bei Tricks seine Stärken ausspielt. Das schöne Spielzeug nennt sich Syntax. Auch im Shape ist man vorn dabei, der Cholesterone hat ein Rockertip, bei Amplid R.C. ideology genannt.
Weiter geht’s durch die Hallen und als nächstes fällt der Scott Cruisair auf. Ein recht dicker Tourenski mit viel Carbon. Schön leicht und um die 95mm unter der Bindung, bei Scott hat man die Zeichen der Zeit eindeutig zu deuten verstanden. Ansonsten zeichnen sich die Scottler inzwischen durch schönes Design aus.
Ein weiterer Trend den man beobachten kann sind die vielen Jumpsuits, also die Rückkehr der Einteiler. Einziges Manko: die Dinger sehen aktuell noch alle aus wie Kartoffelsäcke. Dafür hat fast jeder Hersteller so einen Sack im Angebot, insbesondere das schöne Stück von Sweet, die eigentlich für erstklassige Helme bekannt sind, macht einen guten Eindruck. Sobald irgendjemand so einen Anzug mit einem Klettergurt und Dropseat ausstattet gibt es keinen Grund mehr auf separate Jacken und Hosen ausweichen zu müssen.
Am BlackDiamond Stand angekommen erwartete uns nur wenig wirklich neues. Aufgefallen ist nur, dass der Schuh „Faktor“ ein ganz schön schweres Ding ist und die Ski eher einen Nudeleindruck hinterlassen. Sehr positiv sind dagegen die neuen Steigeisen aus poliertem Edelstahl. Schwer vorstellbar, dass es damit noch zu großer Stollenbildung kommt. Die BlackDiamond Handschuhe versprühen direkt den kernige Charme von wildem Abenteuer. Einen sehr durchdachten Eindruck macht der Scarpa Skookum Tourenschuh. Ordentlich solide und ordentlich hart, über die Dynafitinserts freut man sich dann um so mehr.
Hangneigungsmessgerät am Skistock
Bei Pieps gibt es neuerdings ein digitales Hangneigungsmessgerät das man am Skistock festschrauben kann, ein Blick genügt und man ist im Bilde. Was die elektronische Seite des Tiefschneefahrens angeht hat sich BCA abgehoben. Der neue Tracker2 brilliert durch seine Geschwindigkeit, 3 Antennen, äußerst simple, intuitive Bedinung, ein sehr klares, einfaches Mehrfachverschüttentensuchsystem und seine ausgezeichnete Reichweite. Auf viele technische Spielereien wurde verzichtet: es gibt keine Knöpfe auf denen man versehentlich herumdrücken könnte, kein Display das einfrieren kann, nur eine Entfernungsanzeige und Richtungspfeile. Man hat sich bei der Entwicklung an den realen Begebenheiten bei Lawinenunfällen orientiert, Studien des SLF mit einbezogen und so das sehr gelungene Tracker2 gebaut.
Doch damit nicht genug, eine neue, schöne Schaufelkollektion gibt’s jetzt mit integrierter Sonde (2,4 Meter) oder integrierter Schneesäge. Die Schaftlänge der Schaufel ist entweder via Teleskopverfahren verlängerbar, oder man entscheidet sich für eine der beiden Längen. Alle Teile sind untereinander austauschbar, geht man auf Tour, nimmt man den kurzen Stiel mit der kleinen Schaufel, ist man mit Liften unterwegs, stört das Mehrgewicht von längerem Stiel oder dem Teleskopschaft mit dem großen Schaufelblatt nicht weiter. Die Schneesäge und die Sonde können wahlweise mitgenommen werden. So hat man immer die Option in stark skandobelasteten Skigebieten die Säge mitzunehmen um hart erkämpfte Rinnen zu verteidigen oder die Sonde, die man statt der Säge in den Schaft clippen könnte, platzsparend dabei zu haben.
Ebenfalls neues Technikspielzeug gibt’s von Arva. Das Arva Link ist das aktuelle System aus Frankreich und macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck. Am Dynafitstand fällt zunächst auf, dass hier immer noch alles auf Leichtbau getrimmt wird. Für unsereins eher interessant scheint aber, dass auch immer mehr an Menschen gedacht wird, die mit breiten Ski lieber schnell und schön abfahren, als sich in einer halben Stunde tausen Höhenmeter hoch zu quälen. Beweis für diesen Eindruck sind Harscheisen von Dynafit mit einer breite von 110mm … das ist eine Ansage in welche Richtung man hier in Zukunft denken wird.
Der neue abfahrtsorientierte Schuh von Dynafit wurde direkt anprobiert und getestet. Zunächst fällt auf, dass er für eher schmale Füße geschnitten ist. Des weiteren ist er leider nicht so hart, wie man auf manchen Internetseiten schon lesen konnte, vielleicht war es ihm aber auch nur etwas zu warm in den ISPO-Hallen.
Erfreuliches bei Rossignol
Erfreuliches gibt’s bei Rossignol zu hören, nicht nur, dass es die FKS Bindungen eventuell wieder geben wird (vielleicht speziell für Freerider modifiziert), sondern auch ein schönes Stück Ski, der RC Pro dürfte bei vielen Anlass zur Freude sein, er kommt in einer Länge von 198. Endlich muss man nicht mehr zwei paar echte Abfahrtsski auseinandersägen und neu zusammenkleben um breite, lange Tiefschneeski mit dem Flex eines T-Trägers zu bekommen. Als Extrazuckerl hat das schöne Stück sogar einen kleinen Tiprocker.
Bei Völkl hat man offensichtlich aus den letzten Jahren gelernt und verbaut jetzt neue Seitenwangen. Der aktuelle Gotama ist zudem neu überarbeitet, hat jetzt Rocker und ist vorne härter geworden. Es dürfte für viele, eher leichte Fahrer, ein sehr schöner Tourenski sein. Freude bereitet auch eine Erweiterung der Kuropalette, mit 195 endlich auch in einer passablen Länge zu haben.
Interessant ist des weitern die neue Bindung, Schizo genannt, lässt sie sich auf dem Ski um ganz 6 cm bewegen. So hat man jederzeit die Möglichkeit dem Ski unterschiedliche Fahreigenschaften zu verpassen. Mittig für die Piste, nach vorne um im Park zu fahren und hinten damit man nicht im Pulver versinkt. Clevere Sache.
Dynastar bringt den Big Dump
Dynastar bringt in der kommenden Saison den Big Dump an den Start. Der Ski macht einen sehr guten Eindruck, ist hart, Tiprocker und wird auch in ehrlichen Längen erhältlich sein. Interessant sind noch die Freeride Skischuhe von Lange. Mit Plastikeinsätzen an der Sohle und einer ansonsten auf Gummibasis stehenden Sohle dürften viele Kletteraktionen deutlich an Sicherheit gewinnen. Die Plastikstreifen dienen hierbei in erster Linie der Einhaltung der DIN Regeln für Bindungen was der Sicherheit geschuldet ist. Mit Sicherheit kein überflüssiger Punkt.
Bei K2 sind insbesondere die Ski rund um den Darkside, Sidestash und Coomback aufgefallen. Die Tourenskilinie wurde mit der Telemarklinie verknüpft. Die Ski sehen alle sehr solide aus, sind dafür erstaunlich leicht, über das Design mag man streiten. Telemarkinserts haben die Ski nicht mehr, so sind jetzt auch Alpin oder Tourenbindungen jeglicher Couleur montierbar.
Erfreulich zu erfahren ist auch, dass Liberty Ski jetzt dann in Europa erhältlich sein werden. Sehr schöne, solide Ski mit cleveren Details. Ein Extraplus an Dämpfung wird hier durch die Verwendung einer Lage Gummi unter dem Topsheet erreicht.
Bei Salomon kommt jetzt der Shogu, Mark Abmas neuer Ski, mit einem Bambuskern. Schön leicht und von den Dimensionen ganz klar auf Pulverschnee ausgerichtet. Der Rocker hat seinen Gummieinsatz behalten und dürfte als Powderschiff immer noch ganz weit vorne mitspielen. Das sehr früh hochgezogenen Tip dürfte definitiv nicht zum tauchen zu zwingen sein.
Beheizbare Taschen von Point Dry
Eine Sache die insbesondere Stormchaser interssieren dürfte sind die beheizbaren Taschen von Point Dry. Groß genug für bis zu zwei paar Skischuhe. Dazu bringt man Handschuhe, Mützen und Unterwäsche hinein. Durch den Kamineffekt wird Frischluft von unten erwärmt und zieht mit der Feuchtigkeit aus den Skiklamotten oben aus der Tasche wieder heraus. Das beste allerdings: es gibt die schönen Täschchen mit einem 12V Anschluss für Autozigarettenanzünder. So kann man von der Fahrt von einem Skigebiet ins andere oder über Nacht (starke Batterie vorausgesetzt) seine Skischuhe trocknen und wärmen. Vorbei die Zeiten, in denen man mit Innenschuhen den engen Platz im Schlafsack teilen musste.
Die interessantesten Ski, die man auf der Messe zu sehen bekam, kommen von zwei eher kleinen Herstellern. Zum einen die Zai Laisa 192, ein echter Reverse/Reverse Ski dem man seine edle Herkunft deutlich ansieht. Er ist leicht, hat tolle Kurven und schreit nach Pulver. Die restliche Kollektion ist zwar eher konventioneller Natur, sieht dafür schlicht toll aus. Die Preise sind dagegen nicht unbedingt Studentenfreundlich.
Die anderen kommen vom Carbonspezialisten Goode. Der SRT8 und der Scoop dürften sich schwer zum tauchen bewegen lassen. Zudem sind sie unglaublich leicht und männlich hart, zurückzuführen auf den reinen Carbonkern. Es gibt wohl kaum perfektere Tourenski.
Es bleibt letztlich dabei, auf der ISPO war von Rezession und wirtschaftlichem Abschwung nichts zu bemerken. Zyniker könnten sogar behaupten, wenn es weniger Arbeitsplätze gibt, dann haben diejenigen ja auch mehr Freizeit.
Article Options
Artikel einem Freund empfehlen
Im Forum über diesen Artikel diskutieren zurück zum Anfang
vorherige Seitenächste Seite