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Pia: Ich studiere BWL in Rosenheim. Aber das war auch ein bisschen ein Zick-Zack. Ich habe in Augsburg angefangen internationales Management zu studieren – dort war ich 3 Semester lang. Dann hab' ich mir gedacht, ich geh' nach Innsbruck, um öfter zum Skifahren zu kommen (lacht), das war aber eher ein Schuss ins Knie, weil ich dort so viel lernen musste, dass ich gar nicht mehr zum Skifahren gekommen bin. Danach bin ich dann eben nach Rosenheim gegangen, wo ich jetzt immer noch BWL auf Diplom mit dem Schwerpunkt Marketing studiere.
freeskiers.net: Ist das Ende des Studiums bereits in Sicht?
Pia: Ja, ich hätte jetzt eigentlich fertig machen können, aber wegen der Freeride World Tour habe ich das Ganze jetzt doch ein wenig entzerrt und schreibe in diesem Semester nur drei Prüfungen und den Rest dann im Sommer
freeskiers.net: D.h. um beides unter einen Hut zu bringen, kann's schonmal passieren, dass die Uni hinten anstehen muss?
Pia (lacht): Naja, im Sommer bin ich schon wirklich fleißig, aber im Winter nicht ganz so sehr. Gerade in dieser Saison hat das Skifahren eben aufgrund der Freeride World Tour allgemein Vorrang. Die Uni läuft mir ja nicht davon, ich hab jetzt noch 3 Semester, um mein Diplom abzuschließen und damit bin ich schon recht gut in der Zeit.
freeskiers.net: Wie hast du es geschafft, deine ersten Sponsoren zu bekommen?
Pia: Meinen ersten Sponsor bekam ich durch den Ski-Cross, das war damals noch Salomon. Jetzt bin ich ja bei K2, wo ich mich auch super aufgehoben fühle. Bei Sweet war das Ganze so, dass ich an einem Freeride Contest in Norwegen teilgenommen hatte und diesen dann auch gewinnen konnte. In diesem Rahmen habe ich Erik (Anm. d. R.: Martinsen) kennengelernt und im Nachhinein hat er mich dann einmal direkt angesprochen, ob ich nicht für Sweet fahren möchte – daraus hat sich das dann langsam entwickelt. Den Weg zu Gore Tex habe ich z.B. durch ein Foto-Shooting mit Klaus Polzer gefunden, zu dem ich eingeladen wurde und aus dem sich dann auch wieder etwas neues ergeben hatte...
freeskiers.net: D.h. es entwickelt sich in der Regel viel durch den persönlichen Kontakt mit den richtigen Leuten zum richtigen Zeitpunkt?
Pia: Ja genau, es hilft einem wirklich, wenn man die entsprechenden Leute kennt oder kennenlernt. Vitamin B ist in dem Fall nicht zu unterschätzen.
freeskiers.net: Wie hast Du eigentlich ursprünglich den Weg vom alpinen Rennlauf bzw. Ski-Cross zum Freeriden gefunden und wie waren die Reaktionen seitens deines Vereins?
Pia: Also bis ich 14 war, bin ich ja ganz normal Rennen gefahren. Danach hab' ich dann 2 Jahre Pause gemacht, bin aber in der Zeit schon immer mit Freunden beim Tiefschneefahren gewesen. Zu der Zeit habe ich dann auch mit dem Ski-Cross angefangen, wo ich es bis in die Nationalmannschaft geschafft habe. Aber irgendwann war mir das ganze Drumherum, das harte Training, zu verbissen. Ich konnte mich damit irgendwann nicht mehr wirklich identifizieren – nichts gegen den Ski-Cross – aber das bin eben einfach nicht mehr ich.
freeskiers.net: Aber die Entscheidung hat Dir von Seiten des Trainerstabs etc. keiner übel genommen?
Pia: Nein, nein, überhaupt nicht! Das Ganze kam ja auch noch mit einem Kreuzbandriss zusammen, den ich mir damals zugezogen habe. Von daher gab es sowieso einen Cut und ich wäre nach der Verletzung ohnehin nicht mehr im Team gewesen.
freeskiers.net: Apropos Verletzungen: Gerade die eigenen Eltern machen sich in dieser Hinsicht ja immer große Sorgen. Was hat bei deinen Eltern überwogen? Die Erleichterung, dass ihre Tochter nun nicht mehr Gefahr laufen konnte, von ihren Konkurentinnen „abgeschossen“ zu werden, oder die Angst vor den Risiken, welche das Freeriden für dich mit sich bringt?
Pia: Also ich kann mich an eine Szene erinnern, als meine Mama beim Ski-Cross zugeschaut hat und mit angesehen hat, wie mich ein Mädel über'n Haufen gerannt hat – da saß der Schock bei ihr schon recht tief. Beim Freeriden dagegen denke ich, dass sie das gar nicht so sehr mitbekommen. Ich glaub' manchmal ist ihnen nicht so richtig bewusst, was ich da gerade mache – bis jetzt sind sie noch ruhig. Sie sagen zwar immer, dass ich aufpassen und nicht zuviel riskieren soll, aber im Großen und Ganzen nehmen sie's gelassen.
freeskiers.net: Du bist ja noch relativ neu im Team von K2. Bei den Amerikanern steht ja momentan alles im Zeichen des Rocker-Lifestyles – gab es für dich einen Aufnahmetest, der in irgendeiner Form mit Headbangen, Luftgitarre spielen oder Stage Diven zu tun hatte?
Pia (lacht): Du meinst, ich hätte erstmal nen Stage Dive machen müssen, um aufgenommen zu werden? Nein, nein, so war das nicht. Es lief alles sehr gesittet ab. Aber man kann ja nie wissen, was noch auf einen zukommt.
freeskiers.net: Was die Produktpalette von K2 betrifft, bietet sich für deinen Einsatzbereich ja eine große Auswahl an Modellen an. Wann greifst du zu welchem Ski?
Pia: Also mein Contest-Ski wird auf jeden Fall der Sidestash werden. Der Backside würde besonders für die Contest-Tage in Frage kommen, wenn's ein bisschen mehr Schnee hat. Der Hellbent ist natürlich auch genial für die „Powder-Powder-Tage“ - den bin ich auch in letzter Zeit sehr oft gefahren, genauso wie den Obsethed. Was die Contest-Tage betrifft werde ich aber wie gesagt auf den Sidestash zurückgreifen, der ist der Härteste. Die letzte Entscheidung fällt dann aber erst vor Ort. Je nachdem, welche Bedingungen wir haben. Wenn's an fetten Powder hat, vielleicht pack' ich dann den Hellbent aus (lacht).
freeskiers.net: Die neue Saison der Freeride World Tour steht vor der Tür. Du hast dich durch deine Erfolge im vergangenen Jahr für 2011 direkt qualifizieren können. Wie bereitest du dich auf die bevorstehenden Events vor?
Pia: Einen speziellen Ablauf gibt es eigentlich nicht. Grundsätzlich versuche ich, mir vor den Events schon anspruchsvolle Lines rauszusuchen und diese dann auch durchzufahren, das ist immer ein super Training. Ansonsten hilft es, bereits ein oder zwei Tage vor dem Wettkampf dort zu sein, um sich das Ganze mal anschauen zu können. Wobei es bei mir so ist, dass ich ziemlich nervös werde, wenn ich mir zu viele Gedanken mache. Eigentlich ist es besser, wenn ich vorher im Stress bin, mir keine großen Gedanken mehr machen kann und dann einfach fahre. Eigentlich auch nicht unbedingt das beste Mittel (lacht). Den Hang schau ich mir aber natürlich schon jedes Mal vorher genauestens an, das ist ein absolutes Muss, was die Sicherheit betrifft.
freeskiers.net: Als die Rahmenbedingungen für die diesjährige Tour bekanntgegeben wurden, gab es ein großes Aufsehen, was die Rolle der Frauen im Eventablauf betrifft. Die Damen sollten ihre Contests im Rahmend der Qualifier - getrennt von den FWT-Events der Männer – austragen. Wie stehst du zur Kompromiss-Lösung, die nun im Endeffekt gefunden wurde?
Pia: Also ich find's schade so wie's jetzt ist – ich bin auf jeden Fall enttäuscht. Denn für mich wär's schon eine Ehre bzw. etwas Besonderes gewesen, wenn man halt einfach die Freeride World Tour genauso mitfahren würde, wie letztes Jahr – mit den Männern zusammen. Denn das ganze Feeling und das Drumherum ist bei den „richtigen“ Tourstopps schon etwas anderes als bei den Qualifiern. Im Prinzip wurde ja jetzt die World Tour der Frauen mit den Qualifiern der Herren zusammengeschmissen – und das hatte ich ja letztes Jahr bereits und dafür hab' ich mir auch letztes Jahr nicht den Arsch aufgerissen. Ich hab mich schließlich nicht für die World Tour qualifiziert, um dann wieder Qualifier zu fahren.
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