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Neben der Teilnahme an diversen Freeride Contests auf der ganzen Welt und Shootings für die größten Videoproduktionen der Szene, investiert Henrik einen großen Teil seiner Zeit, um sich selbst und seine Sponsoren wie Peak Performance, Salomon, Red Bull und viele weitere bestmöglich zu promoten. Wir hatten die Möglichkeit, ihn in Stockholm zu treffen und über seine Sichtweise zur diesjährigen Freeride World Tour, den weniger glamourösen Teil seiner Profession und die Chancen, den Weltmeistertitel an seinen Sohn Loui weiterzugeben, zu reden.
freeksiers.net: Du hast eigentlich schon alles mitgemacht: Den Rennlauf, die Buckelpisten, Slopestlye und auch die Big Air Events. Würdest Du behaupten, dass all diese Erfahrungen auf Deinem Weg zum Big Mountain Rider grundlegend wichtig waren, oder gibt es Aspekte, die für diese Entwicklung nicht dringend notwendig gewesen wären?
Henrik: Ich denke, dass mich jeder dieser Schritte in meiner Karriere weitergebracht hat. Alle diese Disziplinen haben mir Fähigkeiten beigebracht, von denen ich heute noch profitiere. Es hat sehr viel Spaß gemacht, als Kind mit all meinen Freunden Rennen zu fahren. Auch das mit den Buckelpisten war damals eine tolle und interessante Sache. Natürlich war es auch cool, ein Teil der Freestyle-Bewegung zu sein, als das alles richtig groß wurde. Und jetzt beim Freeriden immer besser zu werden, im Powder unterwegs zu sein, ist natürlich ebenfalls großartig. Ein Punkt, der mich dabei immer wieder angetrieben hat, war die Tatsache, dass ich in jeder Disziplin jeweils zu den Jüngsten gehört habe. Es den älteren, besseren Fahrern dann irgendwann zeigen zu können, war immer ein großer Antrieb für mich. Um es zusammen zu fassen, denke ich, dass jeder Schritt zu seiner Zeit ein natürlicher und richtiger Schritt war. Und letztendlich bin ich sehr glücklich damit, wie sich meine Karriere dadurch entwickelt hat (lacht).
freeskiers.net: Glaubst Du, dass die Jungs, die heutzutage in die Freeride-Szene nachrücken und keinen Renn-Hintergrund besitzen, eine Chance haben, es in die Weltspitze zu schaffen? Mittlerweile ist die Race-Geschichte bei den Jugendlichen ja nicht mehr wirklich populär.
Henrik: Das Wichtigste, um ein guter Big Mountain Fahrer zu werden ist es, möglichst viele Stunden auf dem Ski zu verbringen und sich eine gute Technik anzueignen. Denn wenn du da draußen bist und große Lines unter schwierigen Bedingungen fährst, willst du dir absolut sicher sein, dass du ihnen auch gewachsen bist. Wenn ich fahre – egal ob im Wettkampf oder zum Filmen – dann denke ich nicht darüber nach, ob ich nun dazu in der Lage bin, an einer bestimmten Stelle einen Turn zu setzen oder nicht – ich weiß, dass ich es kann. Ich denk dann nur über meine Line selbst nach – ich versuche mich an die Route und die Schlüsselstellen zu erinnern, die ich mir zuvor ausgesucht hatte. Denn es ist wirklich das Schwierigste, sich eine passende Linie auszusuchen und diese dann auch zu behalten. Aber bis es so weit ist, dass man diese Fähigkeit im Rahmen von Wettkämpfen oder Shootings braucht, geht es nur darum, die richtige Ski-Technik zu erlernen. Und ich bin mir sicher, dass der alpine Rennlauf eine sehr gute Möglichkeit ist, das zu tun. Aber dennoch werde ich nicht soweit gehen, zu sagen, dass es der einzige Weg sei. Ich habe einige Fahrer gesehen, die nie Rennen gefahren und trotzdem sehr gut unterwegs sind. Doch wenn man einen erfahrenen Trainer an seiner Seite hat, kann man ganz sicher noch ein paar zusätzliche Dinge von ihm lernen.
freeskiers.net: Im Laufe Deiner Karriere hast Du schon einige schwierige Situationen durchlebt. Du hast riesige Alaska Lines gemeistert, und heftige Stürze beim Speed Skiing mit Daron Rhalves oder am Bec des Rosses in Verbier wegstecken müssen. Gibt es im Bezug auf's Skifahren noch Dinge, die Dir Angst bereiten können?
Henrik: Klar, die großen Geschichten fordern mir immer Respekt ab. Doch auch bei den kleineren Sachen kommt es darauf an, super gut unterwegs zu sein und seine Tricks und Cliffs sicher zu stehen. Wenn ich Big Lines in Alaska fahre, mag das zwar aus der Kameraperspektive einfach aussehen, da man jederzeit sehen kann, was auf mich zukommt und alles einen Sinn ergibt. Aber aus meiner Sicht ist es wieder etwas ganz anderes. Deshalb bin ich auch jedesmal super nervös, wenn ich dort oben stehe – egal ob bei einem Contest oder bei einem Film-Shooting. Man nimmt sich ja immer vor, möglichst progressiv zu fahren, aber wenn man dann wirklich am Drop in einer super langen, anspruchsvollen Line steht und die Bedingungen kritisch sind, denkt man oftmals nur daran, möglichst sicher unten anzukommen.
freeskiers.net: Also kann man die Entscheidung, ob etwas, das man sich für seine Line vorgenommen hat, machbar ist, immer erst dann treffen, wenn man bereits mittendrin ist?
Henrik: Genau! Es gibt so viele Sachen, die einfach stimmen müssen, wenn man einen Trick einbauen möchte: Der Schnee darf nicht zu weich sein, weil man dann zu tief einsinkt und das die ganze Sache noch erschwert. Der Absprung sollte nicht zu sehr „kicken“, wenn man mit hoher Geschwindigkeit ankommt und auch die Landung muss steil genug sein. Es müssen also wirklich einige Faktoren zusammenkommen, um eine Line zu finden, in der es möglich ist, einen Trick zu springen. Wenn man dann eine solche Line findet, kannst Du Dir zwar sicher sein, dass es machbar ist, aber es dann auch zu tun – das ist dann der zweite schwierige Teil bei dieser Sache (lacht).
freeskiers.net: Da wir gerade von der Kombination aus Freestyle und Big Mountain Skiing sprechen – im letzten Jahr redete ich mit Nicolas Hale-Woods, der davon überzeugt war, dass genau das der Weg sei, den man gehen müsse. Bist Du derselben Meinung?
Henrik: Es ist ganz sicher ein Weg, den man gehen sollte. Ich denke, die super steilen, technischen Lines usw. waren in den 80ern und 90ern eine große Sache. Heutzutage dagegen möchte ich lieber schnelle, flüssig gefahrene Lines sehen. Wenn man dann beispielsweise 15 Leute hat, die ein anspruchsvolles Face schnell und sauber befahren und alle Landungen sicher stehen, dann hat man den Punkt erreicht, an dem man wieder einen Schritt nach vorne gehen muss. Um ein aussagekräftiges Ranking zu bekommen, müssen sich die Leistungen der Fahrer entsprechend unterscheiden. Wenn z.B. zwei Fahrer gleich gut unterwegs sind, aber einer von beiden einen 3er über ein Cliff zieht, wird dieser sicherlich eine bessere Wertung als der Rest bekommen. Dieses „Extra“ wird also ausschlaggebend sein.
freeskiers.net: Denkst Du, dass das Judging-System weiter angepasst werden muss, um dieser Entwicklung gerecht zu werden?
Henrik: Eigentlich nicht. Man sollte auch weiterhin nach dem Gesamteindruck gehen. Gerade, wenn Du einen Oldschool-Fahrer hast, der schnell unterwegs ist und zwei große Cliffs straight springt und im Vergleich dazu einen eher freestlye-orientierten Rider, der genau die gleiche Line fährt, aber zudem einen 360° einbaut, sollte dieser Fahrer auf jeden Fall die bessere Wertung bekommen. Schließlich ist er das größere Risiko eingegangen, welches auch wieder mehr Platz für Fehler mit sich bringt. Andererseits bringt es auch nichts, wenn jemand super langsam und an den steilsten Stellen unsicher unterwegs ist, dann aber am Schluss noch einen Cork 7er zeigt. Das ist dann ebenfalls kein cooler Freeride-Run, sondern nur ein einzelner Trick im Backcountry. Um ganz vorne mit dabei zu sein, sollte man in erster Linie flüssig, schnell und sicher Ski fahren und dann, wenn sich die Gelegenheit bietet, noch einen Freestyle-Trick unterbringen.
freeskiers.net: Was denkst Du über die diesjährige Freeride World Tour? Was hältst Du von der Entscheidung, zwei weitere Stopps hinzuzufügen?
Henrik: Meiner Meinung nach ist es für eine solche Wettkampfserie aus sportlicher Sicht besser, die zusätzlichen Stopps zu haben. Jedoch ist das Preisgeld im Vergleich zu anderen Sportarten noch relativ gering. Soll heißen, dass wir Freerider momentan nicht in der Lage sind, wie etwa Kelly Slater oder Louis Hamilton Unmengen an Geld allein durch den Gewinn ihrer jeweiligen World Tour zu verdienen. Bei mir sieht es z.B. so aus, dass ich meine Contestteilnahmen mit den Filmproduktionen unter einen Hut bringen muss. Eigentlich ist es sogar nötig, mehr Zeit in das Shooten zu investieren, um meine Sponsorenverträge auf dem jetzigen Niveau halten zu können. Deshalb denke ich auch, dass es bei sechs Stopps bleiben sollte, da die Saison insgesamt sowieso relativ kurz ist.
freeksiers.net: Zum Thema Freundschaften zwischen den Ridern: Glaubst Du, dass diese nur möglich sind, weil es nicht wirklich eine Rivalität Mann-gegen-Mann ist, sondern die Auseinandersetzung vielmehr zwischen jedem Fahrer für sich und dem Berg besteht?
Henrik: Auf jeden Fall. Ich denke zwar, dass es immer ein paar einzelne Individuen geben wird, die das anders sehen, aber wie Du gesagt hast, treten wir eigentlich nicht wirklich direkt gegeneinander an. Es gibt also keine allzu ausgeprägten Rivalitäten wie in anderen Sportarten, wie z.B. Tennis, wo sich die Kontrahenten wirklich Aug' in Aug' gegenüber stehen. Gerade die Kameradschaft wird im Rahmen der Freeride World Tour groß geschrieben und man trifft dabei eine Menge guter Freunde wieder.
freeskiers.net: Also unterstützen sich die Fahrer vielmehr gegenseitig, als ein Geheimnis aus ihrer Strategie, ihrer Linienwahl und den Schneebedingungen zu machen?
Henrik: Ganz genau. Besonders wenn wir wie bei manchen Events nur ein, oder zwei Stunden am Morgen vor dem Start haben, um uns das Face erstmals anzuschauen. Dann müssen wir uns gegenseitig aufeinander verlassen und so viele Informationen wie möglich sammeln, bevor es dann an den Start geht. Es ist schon eine coole Sache, dass Du die ganzen sicherheitsrelevanten Themen selbst mit Deinem „ärgsten Widersacher“ ohne Weiteres besprechen kannst. Du musst ja nicht zwangsläufig alles erzählen, was Du Dir für Deine Line vorgenommen hast, aber wenn mich beispielsweise jemand fragt, wie hoch ein Cliff sein könnte, dann werde ich ihm sicherlich meine ehrliche Einschätzung dazu geben.
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