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Ane: Mein Name lautet Ane Enderud, ich bin Norwegerin und komme aus Oslo. Vor etwa acht Jahren zog ich nach Chamonix.
Seit ich denken kann ist das Skifahren meine Leidenschaft. Angefangen habe ich damit, als ich zwei Jahre alt war. Anfangs fuhr ich acht Jahre lang Rennen, doch nachdem ich das Freeriding einmal ausprobiert hatte, gab es keinen Weg zurück.
Obwohl ich mir ständig sagte, dass ich nur noch eine Saison dranhängen würde - hier bin ich nach wie vor und habe einen riesigen Spaß am Skifahren.
Momentan bin ich in der Lage davon zu leben, was natürlich absolut perfekt ist und es mir ermöglicht, den Sport noch eine Weile länger zu betreiben, anstatt mich ausschließlich um mein Studium zu kümmern (lacht).
freeskiers.net: Gab es irgendein besonderes Ereignis, das dich mit der Freeride-Wettkampfszene in Berührung gebracht hat?
Ane: Ich denk, das war zu der Zeit, als ich mein zweites Jahr in Chamonix verbrachte. Ein paar Freunde fragten mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen zurück nach Norwegen zu fliegen, um an einem bestimmten Event teilzunehmen. Zu dieser Zeit hatte ich noch nie von solchen Freeskiing-Contests gehört. Ich hatte auch keine Ahnung, dass es Leute gibt, die das Ganze als „Beruf“ betreiben.
Ich nahm also an diesem Wettbewerb in Norwegen teil, welcher ganz nebenbei auch ein aktueller Qualifier der Freeride World Tour ist. Damals war ich noch auf Telemark Ski unterwegs, weil ich zu dieser Zeit schlicht und einfach kein anderes Equipment zur Verfügung hatte.
Alles in allem scheine ich mich nicht allzu schlecht angestellt zu haben, denn direkt nach dem Contest wurden mir Sponsoren-Deals angeboten, was für mich wiederum bedeutete, dass ich kein Geld mehr für Kleidung oder Ski auftreiben und ausgeben musste. Daraus entstand dann der Gedanke: „Cool! Nun kann ich mich noch mindestens ein weiteres Jahr dem Skifahren widmen!“
Diese Geschichte zeigte mir also, dass man aus dem Freeskiing mehr machen könnte, als eine Leidenschaft, der man "nur" in seiner Freizeit nachgeht. Trotzdem setzte ich nicht von Anfang an alles daran, meinen Lebensunterhalt damit zu verdienen. Nachdem ich an ein paar Events teilnahm, wendete ich mich nach der Verletzung beider Knie vorübergehend dem Filmen zu.
Alles in Allem war es also eine fortwährende Entwicklung, die mich unterstützt durch ein paar Zufälle und kleinere Entscheidungen dorthin brachten, wo ich heute bin.
freeskiers.net: Bist du auch im täglichen Leben ein solcher Draufgänger wie beim Freeriden? Oder im Bezug auf andere Sportarten?
Ane: Gerade in der Vergangenheit war ich das wohl sicherlich. Aber auch heute noch versuche ich bei allem was ich tue, meine Grenzen weiter auszureizen, um mich an meinem Fortschritt zu erfreuen.
Ich habe z.B. diesen Sommer mit dem Skaten angefangen, also kann man wohl sagen, dass ich immer bemüht bin, meine Grenzen neu zu definieren. Gleiches gilt auch beim Downhill Mountainbiking, beim Klettern und beim Surfen.
Aber ich betreibe all diese Sportarten nur aus dem Grund, dass ich Spaß daran habe und auf diesem Wege auch noch gut in Form bleiben kann.
freeskiers.net: Da wir gerade davon sprechen: Wie hast du dich auf die bevorstehende Saison vorbereitet?
Ane: Heutzutage mache ich mir viel mehr Gedanken über meine Saisonvorbereitung. Denn ich weiß genau, dass ich ein anstrengendes Jahr vor mir habe und eine erstklassige körperliche Verfassung unbedingt notwendig ist, da ich in der Regel nur wenig Zeit habe, mich zu erholen.
Die Vorgehensweise, dieses Ziel zu erreichen ist dabei jedes Jahr unterschiedlich. Es hängt auch viel damit zusammen, wo ich mich aufhalte und von welcher Art Leuten ich dabei umgeben bin. Letzten Sommer etwa verbrachte ich fast ausschließlich mit Downhill Mountainbiking. Diesen Sommer habe ich viel Zeit mit Skaten, Wandern und Yoga verbracht. Es gab auch ein Jahr, in dem ich mich die Sommermonate über nur mit Klettern und Surfen beschäftigt habe.
freeskiers.net: Du versuchst also quasi immer das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, um dein Training nicht nur aus langweiligem Workout im Fitness-Studio bestehen zu lassen?
Ane: Natürlich, natürlich, aber darum wird man auch nicht herum kommen. Sicherlich ist es nicht der aufregende Teil, von dem man jedem erzählt, aber besonders im Herbst ist es sehr wichtig, auch ins Fitness-Studio zu gehen.
Durch die unterschiedlichen erwähnten Sportarten, die ich betreibe, achte ich den Sommer über darauf, dass beim Training neben dem körperlichen Aspekt auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt.
Doch gerade im November und Dezember sind die zahlreichen Besuche im Fitness-Studio absolute Pflichttermine, um das letzte Quäntchen Kraft und Energie für die kommende Saison zu sammeln.
freeskiers.net: Hattest du jemals oder hast du immer noch mit dummen Vorurteilen seitens frustrierter, sexistischer Männer zu kämpfen?
Ane: Nein, nicht wirklich. So etwas passiert nur äußerst selten. Und wenn es einmal passiert, dann kommt es immer von irgendwelchen Leuten, die man sowieso nicht kennt. Durch so etwas lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen.
Üblicherweise ist es so, dass überall wo ich hinkomme, den 90% Männern nur 10% Frauen gegenüberstehen. Doch unter uns Fahrern ist das überhaupt kein Problem und wir kommen wunderbar miteinander aus.
freeskiers.net: Dementsprechend behandeln dich also die Leute, die bereits wissen, zu was du beim Skifahren in der Lage bist, mit Respekt...
Ane: Sieht so aus. Zumindest hoffe ich das. Natürlich wirst du von anderen Fahrern ganz anders behandelt, als von irgendeinem x-beliebigen Typ in einer Bar in den Alpen – jedenfalls meistens (lacht).
Die FWT-Gewinnerin Ane Enderud im Interview - Teil 1
Die FWT-Gewinnerin Ane Enderud im Interview - Teil 2
Am nächsten Montag im freeskiers.net-Interview: Aurélien Ducroz, der letztjährige Gewinner der FWT Ski Male.