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Review
Natürlich nehme ich auch an Photo- oder Videoshootings teil, wenn sich die Möglichkeit bietet. Aber für mich zählt ein gutes Ergebnis bei einem Wettkampf eben mehr.
freeskiers.net: Also ist die Sache mit den Shootings für dich eher ein notwendiges Übel, um das du nicht herum kommst?
Aurélien: Nein, nein, versteh mich nicht falsch. Natürlich ist es heutzutage auch notwendig, aber es ist nicht so, als hätte ich keinen Spaß daran. Mein Hauptaugenmerk liegt eben einfach auf der Teilnahme an den Contests.
Eins sollte bei dem ständigen Gerede über den Wettkampf übrigens nicht missverstanden werden: Es geht nicht darum, seine Mitstreiter hinter sich zu lassen, sie zu schlagen. Vielmehr geht es darum, den Sport und das eigene Können auf ein neues Level zu bringen. Und natürlich kommt dabei auch der Spaß nicht zu kurz. Denn im Grunde genommen sind die Fahrer eine große Familie in der eine wirklich tolle Stimmung herrscht.
Im Grunde genommen bist du selbst der einzige wirkliche Gegner, den es zu besiegen gilt. Wenn du dich zum Beispiel auf eine ganz bestimmte Line konzentrierst, die du unbedingt bezwingen möchtest. Dann bist du der einzige Mensch der für das Gelingen oder das Scheitern dieses Vorhabens verantwortlich ist.
freeskiers.net: Gibt es einen oder mehrere Fahrer, die du gern im Rahmen der Freeride World Tour neben dir am Startbogen sehen würdest?
Aurélien: Im Grunde freue ich mich in diesem Jahr besonders auf die Newcomer. Junge Fahrer, die sich die Teilnahme über die Qualifying Events erkämpft haben. Unbekannte Gesichter zu sehen, die wirklich richtig Gas geben ist in meinen Augen interessanter, als Fahrer zu sehen, die bereits bekannt für das sind was sie vor einer Weile erreicht haben.
Natürlich wäre es cool, gegen Jungs wie Hugo Harrison anzutreten. Aber diese Leute haben schon unter Beweis gestellt, dass sie hervorragende Fahrer sind. Ich denke einfach, dass es wichtiger ist, einige neue, junge Namen mit ins Spiel zu bringen.
freeskiers.net: Welcher Fahrer wird deiner Meinung nach die Titelverteidigung für dich am schwierigsten gestalten?
Aurélien: Henrik Winstedt wird auf jeden Fall eine der großen Bedrohungen sein. Aber natürlich sind auch Seb Michaud, Kaj Zackrisson and Sverre Liliequist Fahrer, die zweifelsohne dazu in der Lage sind, die Tour für sich zu entscheiden. Ebenfalls auf meiner Liste sollte auch Matthias Haunholder sein. Er hat im letzten Jahr das erste Mal an der Tour teilgenommen und konnte mich dabei mit seinem kraftvollen, aggressiven Fahrstil definitiv beeindrucken.
freeskiers.net: Hast du einen Lieblingstourstopp?
Aurélien: Ich denke, ich sollte an dieser Stelle sagen, dass es der in Chamonix ist. Schließlich ist es meine Heimatstadt, die ich wirklich sehr liebe.
Doch um ehrlich zu sein, ist der Verbier Extreme derjenige Event, den ich am liebsten habe. Das liegt eigentlich hauptsächlich an dem Wettkampfhang. Er ist so gewaltig, so steil, so anspruchsvoll – ich liebe es einfach, dieses Face zu befahren. Auch wenn ich jedes Mal aufs neue ein wenig eingeschüchtert bin, bevor ich in den Hang droppe. Es ist einfach immer wieder eine riesige Genugtuung, diese Herausforderung anzunehmen und zu meistern. Verbier ist also mein ganz persönliches Highlight der Saison.
freeskiers.net: Ist die Angst ein möglicher Begleiter, wenn du auf dem Gipfel stehst?
Aurélien: Für mich ist es ein absolutes K.O.-Kriterium, wenn ich ernsthafte Angst verspüren sollte. Der Tag, an dem ich merke, dass ich mich wirklich vor dem fürchte, was ich vorhabe, wird für mich zweifelsohne der Tag sein, an dem ich vom Wettkampfgeschehen zurückziehe.
Das Beeindruckende an Verbier ist im Grunde der obere Teil. Wenn ich also sage, dass ich eingeschüchtert bin, wenn ich dort oben stehe, dann ist es nicht so, dass ich wirkliche Angst verspüre. Es ist eher eine ehrfürchtige Anspannung, die mich motiviert und antreibt. All diese Gedanken sind aber spätestens ab dem Augenblick nicht mehr existent, in dem ich meine ersten beiden Turns hinter mich gebracht habe. Ab diesem Zeitpunkt bin ich absolut konzentriert.
freeskiers.net: Bist du beim Skifahren schon einmal in eine Situation gekommen, von der du dachtest, dass du sie eventuell nicht überleben würdest?
Aurélien: Nein, bisher nicht. Und ich hoffe natürlich, dass das auch so bleiben wird. Ich versuche immer, mich bereits im Vornherein so gewissenhaft wie möglich über die Wetter- und Schneebedingungen zu informieren. Natürlich hatte ich auch schon den ein oder anderen Sturz, aber ernsthaft verletzt habe ich mich bisher eigentlich nicht.
Nichtsdestotrotz gibt es beim Freeriding natürlich einige Gefahren wie etwas die so genannten „No-falling-Zones“ mit diversen Felsvorsprüngen, auf die man im schlimmsten Fall stürzen könnte. Unfälle können in unserem Sport schnell passieren, deshalb vermeide ich es auch, mein Leben aufs Spiel zu setzen, sofern ich das beeinflussen kann.
freeskiers.net: Ich glaube, die Worte “ich vermeide es, mein Leben aufs Spiel zu setzen” dürften nicht unbedingt die ersten sein, die den Leuten beim Betrachten deiner Helmkamera-Aufnahmen in den Sinn kommen.
Aurélien (lacht): Nun ja, lass es mich mit anderen Worten sagen: Ich werde niemals etwas tun, von dem ich nicht das Gefühl habe, dass ich hundertprozentig dazu in der Lage bin. Wenn ich mir nicht sicher bin, dass ich einen Sprung stehen werde, dann werde ich es auch nicht darauf anlegen.
Manchmal verzichte ich zum Beispiel darauf, ein fünf Meter Cliff zu springen. Nur aus dem Grund, dass ich mich in dieser bestimmten Situation nicht wohl dabei fühle. Auf der anderen Seite allerdings kommt es auch vor, dass ich auf ein 15 Meter Cliff zu fahre und mich absolut sicher fühle, dass ich den Sprung auch stehen kann. In einer solchen Situation zögere ich dann auch keine Sekunde, das Ganze in die Tat umzusetzen.
Im letzten Jahr beim Verbier Extreme bin ich von einem ziemlich großen Cliff genau in der Mitte abgesprungen, obwohl ich eigentlich vorhatte, seitlich und damit weniger tief zu springen. Doch kurz vor diesem Teil meiner Line fühlte ich mich gut und hatte das nötige Selbstbewusstsein, mich spontan umzuentscheiden und es zu wagen. Und das stellte sich letzten Endes als eine durchaus gute Idee heraus (lacht).
freeskiers.net: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Titelverteidigung!