Als wäre dies nicht genug gibt es
ja noch die Frage der richtigen Skilänge. Selbst wenn man dann
sich mal für ein Modell und eine Länge entschieden hat,
kommt aus irgendeiner Ecke wieder jemand und bietet einen Superdeal
für einen anderen Ski an. Welcher Ski ist also wirklich "DER" richtige Ski für mich?
Damit ihr bei Eurer zukünftigen
Skiwahl nicht mehr länger im Dickicht von Radien, Skibreiten,
Längenangaben etc. umherirrt, versuchen wir Euch mit diesem Leitfaden
einen Weg aus diesem Materialdschungel zu geben.

Kurz gesagt, die Frage, „Welcher ist
DER beste Ski für mich?“, kann man nicht beantworten. Es gibt
immer mehrere Ski, die zu einem Fahrer passen. Meist unterscheiden
sich die Modelle - wenn überhaupt - nur minimal in der Performance.
Sehr oft sind Preis, Image und Design die einzigen Merkmale, die ähnliche Ski
einer Kategorie wirklich voneinander unterscheiden.
Im Folgenden wollen wir Euch hierzu
eine kleine Anleitung geben wie ihr an dieses Thema optimal
herangehen könnt.
Schritt 1:
Zuerst solltet ihr Euch darüber
klar werden welcher Skityp ihr seid und in welchen Bedingungen der
gesuchte Ski eingesetzt werden soll. Es gibt zwar keine wirklichen
Grenzen mehr für Freeskier, um die Skiwahl aber zu erleichtern
sind unserer Meinung nach die folgenden vier Unterteilungen sinnvoll:
Park&Pipe:
Kicker, Pipe,
Boxen, Rails, Treppengeländer, Baumstämme, Bierbänke und Pistenstylen.
Parkski sind für kleine
Revolutionäre, die Skifahren jeden Tag neu erfinden wollen. Sowohl
Style als auch technisches Level der Tricks sind wichtig. Die
Ski sind teilweise vollkommen symmetrisch zur Skimitte (so genannte
"Real Twintips") und haben einen gleichmäßigen,
oft eher weichen Flex mit Skibreiten zwischen ca. 75 - 90mm unter der
Bindung. Das garantiert volle Beweglichkeit und maximalen Spaß.
Beim
Flex gilt: Je verspielter ich fahre bzw. desto weniger heftig die
Tricks sind, desto weicher sollte der Ski sein. Profis, die über
massive und große Kicker stylen, greifen daher eher zu einem etwas
härteren Ski.
Backcountry Freestyle:
Diese Ski sind für
Freestyler gemacht, die besonders abseits der Piste ihren Spaß haben
wollen. Fette Backcountry-Kicker laden dazu ein, im tiefen Schnee zu
stylen und die meist weiche Landung reduziert das Risiko von
Verletzungen. Aber auch wer gemütlich im Powder cruisen will findet
hier den richtigen Ski. Die Ski sind durchweg Twintip-Konstruktionen.
Bei der Breite gibt es fast kein Limit, teilweise erinnern die Bretter
schon fast an Snowboards. Der Flex ist überwiegend weich bis sehr
weich, wobei gilt: Je mehr Speed und je anspruchsvoller das Gelände,
desto härter sollte der Ski sein.
Der neueste Trend sind so genannte "Rocker", auch "Reverse Chamber" oder "negative Vorspannung" genannt. Während bei einer klassischen Konstruktion bei einem unbelasteten Ski vor allem Tip und Tail den Boden berühren und der Ski in der Mitte durch die Vorspannung entlastet wird, sind hier Tip und Tail des Skis nach oben gebogen. Das gibt natürlich nochmal eine extra Portion Auftrieb.
Freeride: Big Mountain, Hiken und "Deep Powder" - Freerideski sind
derzeit noch am stärksten in ihrer Entwicklung und haben weiterhin ein großes Spektrum. Vom tourenorientierten 90mm Modell bis hin zu
negativer Vorspannung, Variationen im Seitenzug und 150mm in der
Skimitte. Diese Powder-Only-Ski mit Skimittelbreiten ab 115mm bilden
eine kleine Untergruppe und sind nur als 2. oder 3. Ski für absolute
Powderjunkies zu empfehlen. Die „normalen“ Freerideski mit
Mittelbreiten zwischen ca. 90-110mm zeichnen sich dadurch aus, dass sie
vorne weicher, unter der Bindung sowie am Heck eher härter sind, um bei
allen Bedingungen am Berg die maximale Performance zu bieten. Je
schmaler desto allroundtauglicher, je breiter desto eher sollte der
Fahrer genau wissen was er tut.
Auch gibt es hier die Untergruppe
der Big Mountain Ski, die so gut wie keine Taillierung mehr haben -
das heißt 35m Radius und mehr. Sie haben meist keinen Twintip-Shape und
sind in Sandwichbauweise gefertigt. Umso schneller sie gefahren werden,
desto laufruhiger sind sie. Pros verwenden diese Modelle bei Big
Mountain-Contests wie dem Verbier-Ride. Diese Ski sind aber generell
nur sehr guten Fahrern mit viel Erfahrung und einer hervorragenden
Skitechnik zu empfehlen.
Allmountain:
Backcountry-Kicker, im
Park shredden, Powdercruisen, Pistencarven. Der Ski muss für
euch überall am Berg ähnlich gut funktionieren. Klar ist,
dass hierbei immer Kompromisse eingegangen werden müssen. Dafür
habt ihr einen Ski der überall eine gute Figur macht und man nie
sagen muss: "Nein, nicht mit diesem Ski." Twintip-Shape, Skibreiten
zwischen 85 und 105mm, sowie einen gleichmäßigen, eher weichen
Flex bilden den Mix zwischen Freeride, Backcountry und Park-Only.
Schritt 2:
Wenn ihr nun Eure Kategorie
gefunden habt geht es auch schon an das Feintuning mit der
optimalen Skilänge. Hierzu gibt es zwar viele unterschiedliche
Meinungen und viel hängt von euren persönlichen Vorlieben
ab. Dennoch haben sich folgende Vorgaben als besonders sinnvoll
erwiesen und werden so auch von vielen Pros, unseren
Community-Usern und den Herstellern empfohlen:
- Park&Pipe: Körpergröße minus ca. 5 bis 15cm
- Backountry-Freestyle: Körpergröße minus 5 bis plus 5 cm
- Freeride: Körpergröße minus 5 bis plus 15cm
- Allmountain: Körpergröße minus 10 bis 5cm
Für einen 2m-Mann ist es nicht nur
fast unmöglich einen 210cm langen Ski zu finden, es ist auch
sinnvoller, wenn sich ein jemand in dieser Größenliga an
die unteren Empfehlungen hält. Gleichzeitig kann aber auch ein
170cm großes Kraftpaket mit Beinen wie Baumstämme ohne
Probleme einen 190cm langen Freerideski fahren.
Gleiches gilt für das Gewicht. Je
schwerer ihr seid und je mehr Kraft ihr habt, desto eher könnt ihr längere Ski fahren.
Lange Ski bedeuten immer ein Plus an Laufruhe, gleichzeitig jedoch
nimmt man Einbußen in Beweglichkeit und Drehfreudigkeit durch
ein höheres Drehmoment in Kauf.
Auch euer Alter muss berücksichtigt
werden. Gerade der Köper von Jugendlichen verändert sich
rasend schnell und so ist es keine Seltenheit, wenn ihr mit 14 Jahren
innerhalb einer Skisaison 5-10cm an Körperlänge zulegt.
Der wichtigste Punkt ist allerdings
euer persönlicher Geschmack in Verbindung mit euren
Vorerfahrungen. Jemand, der bislang kurze Ski gewohnt war und damit
besser zurecht kommt als mit längeren Ski, sollte sich nicht in
Kategorien zwingen lassen. Gleichzeitig dürfen natürlich
auch unsere älteren Semester, die Skifahren noch mit 210cm
langen "Pommeslatten" gelernt haben, weiterhin längere Ski fahren.
Wenn ihr Euch wegen der Länge
nicht sicher seid, hilft nur eins: Testen.
Schritt 3:
Einen passenden Ski auswählen.
Der schwierigste Schritt bei Eurem Skikauf. Aber gleichzeitig auch
der mit dem meisten Spaßpotential. Nachdem ihr Euch im Klaren
darüber seid, welchen Typ Ski ihr sucht, geht es an die Suche
nach passenden Kandidaten. Hier könnt ihr Kataloge wälzen,
Internetseiten durchstöbern, eine Glaskugel zu Rate ziehen, Omi
fragen oder gleich einen Blick in unser Line-Up und unsere Übersicht
in unserer Community werfen.
Schritt 4:
Eine Kaufstätte suchen! Leider
ist es noch nicht üblich, dass jeder Skihändler eine große
Auswahl an Freeski-Modellen hat. Gerade kleinere Szenemarken sind meist recht
schwierig zu besorgen. Auch Onlineshops bieten hier meist nur eine
recht begrenzte Auswahl.
Die Frage, ob Online-Shop, normaler
Skishop oder Szeneshop, hängt ganz von euren Präferenzen ab.
Vorteil eines Szeneshops ist der Service, die Beratung, die größere
Auswahl an Freeski, das Einkaufserlebnis an sich und das Wissen,
etwas gutes für den Sport, den man so liebt, getan zu haben.
Nachteile sind der meist hohe Preis und die Tatsache, dass Szeneshops
noch sehr rar gesät sind. Außer in bekannten Freeski-Gebieten
und Großstädten in Alpennähe sind sie leider kaum zu
finden.
Online-Shops haben meist einen
Preisvorteil und bieten einen sehr bequemen Einkauf. 24h am Tag, 7
Tage die Woche, keine nervige Parkplatzsuche, in vom Weihnachtswahn
überfüllten Großstädten und kein gestresstes
Verkaufspersonal. Leider bieten die meisten Online-Shops keinen
Service (z.B. Montage), sowie keine Beratung. Ein positives Beispiel
eines Online Shops ist unser Partner
Sport Conrad.
Ein normaler Skishop, wie die bekannten
Ketten Intersport oder Sport2000, haben den Vorteil, dass sie eine hohe
Verbreitung haben, meist relativ akzeptable Preise und etwas Service und
Beratung bieten. Gleichzeitig kommen aber weder Beratung noch Service
an das Niveau der Szeneshops heran. Klarer Nachteil ist hier meist die sehr begrenzte Auswahl,
sofern überhaupt Freeski vorhanden sind - und die Tatsache, dass
die Verkäufer Freeskiing oftmals nur aus
dem Fernsehen oder Katalog kennen.
Schritt 5:
Nach dem Kauf das Wichtigste und
Schönste zum Schluss: Skifahren ist ein Outdoorsport! Also geht
raus auf den Berg und lasst es krachen!