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Es gibt verschiedene Philosophien zu diesem Thema und hier steht in natürlich erster Linie meine persönliche Meinung, allerdings denke ich, dass diese soweit allgemeingültig ist, dass man sich daran zumindest orientieren kann. Zunächst etwas Allgemeines zur Funktionskleidung, bevor Ich später noch auf die einzelnen Kleidungsschichten eingehe.
Die Kleidung hat beim Wintersport eine sehr wichtige Aufgabe, sie schützt uns vor Auskühlung und damit im Extremfall vor dem Erfrieren. Der menschliche Körper kühlt aber nicht nur durch niedrige Temperaturen aus, der Auskühlungseffekt wird durch Feuchtigkeit und Wind (Windchill-Effekt) um ein Vielfaches verstärkt.
Daher sollte man nicht nur warm genug, sondern in den meisten Fällen auch winddicht gekleidet sein. Absolut wasserdicht wäre ebenfalls schön, würde aber das Problem mit sich bringen, dass man über kurz oder lang im eigenen Saft schmoren würde. Und letztendlich ist es egal, ob man von innen oder von außen nass wird. Also keine Plastiktüte als Kleidung, sondern etwas atmungsaktives, damit man eben auch von innen trocken bleibt. Die Funktionskleidung ist also nie wirklich wasserdicht.
Um Bekleidung wasserdicht zu bekommen, gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten: Die Verwendung eines Wasserdichten Materials, einer Membran und/oder einer wasserabweisenden Imprägnierung/Beschichtung. Die erste Möglichkeit scheidet beim Skifahren (und jedem anderen Sport) aufgrund der nicht vorhandenen Atmungsaktivität aus, bleiben die beiden anderen.
Membranen werden mittlerweile weit verbreitet eingesetzt und sind in der Regel das Mittel der Wahl bei der äußersten Schicht. Sie sind für Wasser in fester Form undurchlässig, Wasserdampf kann jedoch durch die Membran entweichen. Dieses System ist beim Wintersport besonders effektiv, da sich die Umgebungstemperatur meist deutlich unter der Temperatur innerhalb der Bekleidung liegt.
Bekannte, hochwertige Membranen sind etwa Gore-Tex, welches in verschiedensten Ausführungen von der Firma W.L. Gore hergestellt wird, es gibt aber zahllose andere Membranen unterschiedlichster Qualität. Eine gewisse Einschätzung über die Qualität lassen die Angaben über Wassersäule und Atmungsaktivität zu. Diese findet man oft auf einem Etikett im inneren der Jacke/Hose, oder sie hängt an einem separaten Etikett beim Kauf an dem Produkt mit dran.
Die Wassersäule wird in mm angegeben und entspricht eben der Höhe, bis zu der man Wasser auf dem verwendeten Material stapeln könnte, bis es durchtropft. Des Materials, wohlgemerkt, nicht der Jacke, auf der das draufsteht. Zum Vergleich: Ein gutes Zelt hat etwa eine Wassersäule von 3.000 mm. Bei einer billigen Skijacke hat man auch etwa diesen Wert, und da dauert es schon eine ganze Weile, bis man nass darin wird.
Eine gute Skijacke hat eine 10.000 mm Wassersäule. Sehr hochwertige Membranen erreichen eine Wassersäule von 20.000 mm und mehr. Da man als Skifahrer aber eher selten im Regen unterwegs ist, würde Ich der Wassersäule jedoch keine allzu große Bedeutung beimessen.
Wird keine Membran verwendet, kann ein Kleidungsstück trotzdem einen gewissen Schutz gegen Nässe bieten, indem es mit einer wasserabweisenden Beschichtung, auch Imprägnierung genannt, ausgestattet wird. Wasser perlt dann außen ab, wenn es allerdings zu Nass wird, reicht dies oft nicht mehr aus.
Die Atmungsaktivität wird nicht immer angegeben, wenn, dann meist in ml pro qm pro 24 Stunden. Das bedeutet, soviel ml Wasser werden in 24 Stunden durch einen qm der Membran transportiert. Wohlgemerkt sei auch hier: Es geht wieder die Membran und nicht die Jacke (wenn die zum Beispiel gefüttert ist, könnte die Membran evtl. mehr Wasser abtransportieren, das Futter aber nicht.)
Ein Kleidungsstück atmet also nur soviel wie der schlechteste Teil, ist dabei aber so wasserdicht wie der beste Teil. Das gilt für das gesamte Outfit, also Kombination von Unterwäsche, Fleece, und Jacke.
Was noch zu bemerken wäre: „Normalerweise verliert man beim Skifahren viel mehr Flüssigkeit als man denkt und viel mehr als selbst die atmungsaktivste Jacke mit einer Membran abtransportieren kann“. Gerade bei längeren und heikleren Touren sollte man also auf die richtige Kleidung achten. Außerdem sollte man genug trinken, aber das ist hier ja nicht das Thema.
Man darf aber selbst von der besten Jacke nicht erwarten, trotz körperlicher Aktivität komplett trocken zu bleiben. Jacken ohne Membran haben bei der Atmungsaktivität einen klaren Vorteil, da das Wasser ja nicht das Hindernis, welches die Membran darstellt, durchqueren muss.
Auch Jacken mit Membran verfügen über eine Imprägnierung, auch DWR (durable water repellant) genannt, damit sich die äußerste Schicht nicht mit Wasser voll saugen kann. Dies würde nämlich die Atmungsaktivität komplett verhindern. Allerdings nutzt sich die Imprägnierung mit der Zeit ab, sie muss also ab und an erneuert werden.
Ein netter Nebeneffekt der DWR ist, dass sie auch schmutzabweisend ist - Jacken und Hosen bleiben dadurch also relativ sauber! Das ganze bringt natürlich wenig, wenn die Membran noch so schön wasserdicht ist, es aber an den Nähten reintropft.
Die Nähte sollten auf jeden Fall wasserdicht verklebt sein! Das kann man bei ungefütterten Jacken normalerweise sehen. Bei gefütterten Jacken sollte man sich vergewissern, dass dem so ist. Es gibt nämlich immer noch relativ teure Bekleidung, bei welcher die Verklebung der Nähte nicht zum Standard gehört. Genauso sollten die Reisverschlüsse abgedeckt oder wasserdicht sein, am besten auch an den Taschen.
Praktisch komplett winddicht sind zumindest die Membranen auch, man schlägt mit ihnen also zwei Fliegen mit einer Klappe. Damit man nun aber nicht trocken und windgeschützt friert, ist die Isolierung neben der Funktion sehr wichtig. "Warm anziehen" ist also angesagt.
Die Devise lautet "Zwiebelprinzip"!
Also möglichst dünne Schichten, davon dann aber so viele, dass man nicht friert! Besser drei Schichten Unterwäsche und eine dünne Funktionsjacke, als eine Schicht Unterwäsche und die klassische, dick gefütterte Skijacke.
Das hat viele Vorteile, und nur einen Nachteil, den Preis! Das Schichtprinzip ist fast immer teuerer. Dafür ist die Atmungsaktivität besser, da die dünnen und hochfunktionellen Materialien den Schweiß besser ableiten. Viele dünne Schichten haben auch einen besseren Isoliereffekt und damit eine höhere Wärmeleistung als wenige Dicke.
Ein weiterer Vorteil ist die hohe Flexibilität, da man immer noch etwas ausziehen oder anziehen kann. Auch die Beweglichkeit ist mit mehreren dünnen Schichten am Körper meist besser. Natürlich müssen alle Schichten aus Funktionskleidung bestehen, sonst kann das ganze System nicht funktionieren.
Auf nackter Haut
Fangen wir ganz innen an: Die Funktionsunterwäsche wärmt nicht nur, sie sollte auch den Schweiß als erstes so schnell wie möglich weg vom Körper transportieren. Es gibt viele Hersteller von Funktionsunterwäsche, aber fast alle verwenden dieselben Materialien. Meist viel Polyester, manchmal noch etwas Spandex/Lycra oder ähnliches (letzteres erhöht einfach die Dehnfähigkeit des Stoffes und damit den Tragekomfort, geht aber eben zu Lasten der Atmungsaktivität) aber auch immer mehr Naturfasern (meist Merino-Wolle) was ebenfalls erstaunlich gut funktioniert. Beide Materialien (Naturfasern und Kunstfasern) haben ihre Vor- und Nachteile.
Funktionsunterwäsche aus Kunstfaser hat eine hohe Atmungsaktivität, ist meist sehr leicht und zudem relativ günstig. Allerdings wärmt sie weniger und fängt relativ schnell an ziemlich unangenehm zu riechen. Wenn man also in einer kleinen Hütte oder einem engen Auto mit mehreren Leuten wohnt, kann das unangenehm werden. Funktionsunterwäsche aus Naturfasern hat meist ein deutlich angenehmeres Tragegefühl auf der Haut und sie wärmt auch besser. Sie atmet aber schlechter als gute Kunstfaserwäsche und ist in der Regel relativ teuer.
Was sollte man also kaufen?
Wenn man viel schwitzt, entweder von Natur aus oder weil man häufig aufsteigt oder Touren geht, empfehle ich Funktionsunterwäsche aus Kunstfaser. Gerade bei Mehrtagestouren kann allerdings Wäsche aus Naturfasern wieder interessant werden, da man sie auch am fünften Tag noch gerne anhat, während man bei Kunstfaserwäsche unter Umständen schon am 3. Tag aus der Hütte verbannt wird. Friert man leicht und schwitzt eher wenig, ist die Funktionsunterwäsche aus Naturfasern wirklich gut geeignet, genügend Kleingeld vorausgesetzt.
Noch eine kurze Bemerkung:
Generell atmet die Funktionsunterwäsche relativ gut, also zum Beispiel deutlich besser als die meisten Jacken. Das ist auch gut, weil sich die Flüssigkeit lieber unter der Jacke als direkt am Körper befinden soll. Wichtig ist noch, dass die Funktionsunterwäsche eng am Körper anliegt, damit sie den Schweiß wegtransportieren kann.
Mittlerweile gibt es sehr luxuriöse Unterwäsche, die dann etwa Silberionen gegen Geruchsbildung eingearbeitet hat oder über unterschiedliche Materialstärken an verschiedenen Stellen verfügt. Mit diesen Maßnahmen soll bei idealem Schweißtransport auch die Muskelleistung erhöht werden.
Die Zwischenschicht
Hierzu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Ein Fleece ist warm und dabei auch atmungsaktiv. Ich selbst hab in dieser Schicht einen Protektor an. Die meisten Protektorenhersteller verwenden atmungsaktive Materialien oder Mesheinsätze. Wenn man wirklich sehr leicht friert oder an sehr kalten Orten unterwegs ist, kann man eine Daunen- oder Kunstdaunenjacke unterziehen. Wobei das zum Skifahren wirklich warm ist, für die Mittagspause oder eine andere Situation wo man sich kaum Bewegt (filmen/photographieren, sichern, Notsituation) aber oft recht nett.
Wenn man eine reine Funktionshose verwendet, will man auch da an kalten Tagen evtl. etwas drunterziehen - hier kann man eine Fleece-Hose oder Softshell-Hose verwenden, wobei man an den Beinen nicht so schnell friert. Generell kann man auch einfach eine Schicht Unterwäsche mehr anziehen.
Ein Hoody oder Pullover aus normaler Baumwolle mag an einem sonnigen Tag im Park nett und stylish sein, im tiefen Winter in der Zwischenschicht getragen kann er aber gut zu einer Erkältung beitragen. Vor allem, wenn er feucht wird. Sei es durch Anstrengung und Schwitzen oder durch ein paar Stürze: Die Atmungsaktivität geht dann praktisch gegen Null, man wird von innen nass und ein kleiner Zug kann genügen...
Den Elementen trotzen
Sowohl bei Jacken als auch bei Hosen gibt es verschiedene Möglichkeiten, auf die ich als erstes noch mal kurz eingehen möchte. Da wären Hardshell, Softshell und klassisch gefüttert. Letzteres sind eben alle typischen Ski-, Snowboardjacken und -hosen. Gerade bei Jacken sollte man aber lieber das Schichtprinzip verwenden. Bei der Hose ist das nicht so relevant, trotzdem ist auch hier das Schichtprinzip besser.
Softshells kann man fast immer verwenden. Sie sind äußerst atmungsaktiv, sehr bequem, relativ winddicht, recht strapazierfähig und halten auch einiges an Wasser ab. Besonders die hohe Atmungsaktivität und die Beweglichkeit heben sie von den anderen Typen ab. Es gibt mittlerweile eine große Vielfalt an Softshells, von der kompletten Jacke mit Schneefang und Kapuze bis hin zum Fleece mit erhöhter Winddichtigkeit. Sie haben fast alle ihre Daseinsberechtigung, erstere können an fast allen Tagen zum Skifahren genutzt werden, letztere leisten gute Dienste beim Aufstieg während einer Tour oder als Ersatz fr ein Fleece in der zweiten Bekleidungsschicht.
Hardshells sind sehr Wasserundurchlässig und trotzdem noch möglichst atmungsaktiv. Sie sind sozusagen der reine Funktionsstoff. Gut gegen alles, was einem das Wetter entgegen werfen kann. Man sollte bei der Hardshell auf eine hohe Wassersäule und eine möglichst hohe Atmungsaktivität achten, vor allem wenn man sie auch für andere Zwecke als zum Skifahren benutzen möchte.
Unabhängig vom Material sind immer noch einige Dinge zu beachten:
* Bei Hosen ist, vor allem wenn man gerne im Tiefschnee unterwegs ist, ein Latz, vorne und hinten, empfehlenswert. Dabei sollten die Träger natürlich schön flexibel sein. Sinn macht auch ein stabiler Kantenschutz an der Beininnenseite. Schneefang in den Beinen, sowie Verbindungsmöglichkeiten zur passenden Jacke sind ja mittlerweile Standart. Beweglichkeit ist bei den Hosen auch wichtig.
* Bei Jacken ist es wichtig, wie viele und was für Taschen man braucht. Ist man viel mit Rucksack unterwegs, sollten die Schulterpartien in irgendeiner Weise verstärkt sein, da sich die Jacke dort recht schnell abnutzen kann. Natürlich ist auch hier ein Schneefang empfehlenswert. Kapuzen sind gut, damit der Hals schön warm bleib. Im Zeitalter von Helmen haben sie jedoch ihren herkömmlichen Zweck oft verloren.
Kurz noch etwas zu den Belüftungsöffnungen. Die sind gerade im Frühjahr oder bei Aufstiegen gut, wobei manche nicht wirklich effektiv sind. Bei einer Hose sind Belüftungsöffnungen an der Beininnenseite wesentlich effektiver als an der Beinaußenseite. Natürlich sollten die Reißverschlüsse gerade an diesen Stellen unbedingt Wasserdicht sein. Natürlich sind möglichst große Belüftungsöffnungen wünschenswert.
Generell sollte man auch auf Details achten, wobei da jeder selbst wissen muss was ihm wichtig ist. Manch einer will den Schneefang unbedingt rausnehmen können, der andere braucht eine Tasche am Ärmel.
Jetzt müsst ihr selbst entscheiden, was für euch wichtig oder unwichtig ist. In Sachen Style sollte auf jeden Fall jeder seine Intuition folgen, damit nicht alle Freeskier gleich aussehen.