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Knowledge


Lawinenlagebericht richtig lesen

Wer sich richtig vorbereitet wird viel Spaß im Gelände haben.

geschrieben am: 25. Februar 2008
geschrieben von: Tobi Kurzeder
 
Knowledge - Lawinenlagebericht richtig lesen

Dabei ist der LLB neben dem Wetterbericht die wichtigste Planungshilfe für Freerider. Ihn richtig zu lesen und zu verstehen ist Grundlage jeder Risikoabschätzung und damit der Entscheidung, ob man einen Hang befahren sollte oder besser nicht.

Schon seit 1993 gilt die fünfstufige europäische Lawinengefahrenskala im gesamten Alpenraum. Je nach Gefahrensituation veröffentlichen die jeweiligen Lawinenwarndienste ihre Einstufung von Stufe 1 für geringe Gefahr bis zur Katastrophenstufe 5 im LLB, der zusätzlich eine Fülle weiterer Informationen bereithält.

Die Anzahl der Gefahrenstellen im Gelände verdoppelt sich jeweils von einer Lawinengefahrenstufe zur nächst höheren – und damit das Risiko, eine Lawine auszulösen!

Die 5 Gefahrenstufen im Überblick:

Stufe
 
Beschreibung

1
 
  • Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil.
  • Auslösung ist allgemein nur bei großer Zusatzbelastung an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich.
  • Spontan sind nur kleine Lawinen (so genannte Rutsche) möglich.
  • Keine Gefährdung.
  • Allgemein sichere Verhältnisse.

2
 
  • Die Schneedecke ist an einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, ansonsten allgemein gutverfestigt.
  • Auslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich.
  • Größere spontane Lawinen sind nicht zu erwarten.
  • Kaum Gefährdung durch spontane Lawinen.
  • Mehrheitlich günstige Verhältnisse.
  • Vorsichtige Routenwahl, vor allem an Steilhängen der angegebenen Exposition und Höhenlage.

3
 
  • Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt.
  • Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich.
  • Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich.
  • Exponierte Teile vereinzelt gefährdet. Dort sind teilweise Sicherheitsmaßnahmen zu empfehlen.
  • Teilweise ungünstige Verhältnisse. Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich.
  • Steilhänge derangegebenen Exposition und Höhenlage möglichst meiden.

4
 
  • Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt.
  • Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich.
  • Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten.
  • Exponierte Teile mehrheitlich gefährdet. Dort sind Sicherheitsmaßnahmen zu empfehlen.
  • Ungünstige Verhältnisse. Viel Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich.
  • Beschränkung auf mäßig steiles Gelände / Lawinenauslaufbereiche beachten.

5
 
  • Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil.
  • Spontan sind zahlreiche große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten.
  • Akute Gefährdung. Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen.
  • Sehr ungünstige Verhältnisse. Verzicht empfohlen.

Das lawinengefährliche Gelände ist im LLB im Allgemeinen näher beschrieben (z.B. Höhenlage, Exposition, Geländeform usw.).

Steilhänge  
                Hänge mit mehr als 30° Neigung
Mäßig steile Hänge
    Hänge mit bis zu 30° Neigung
etreme Steilhänge
     besonders ungünstige Neigung, Geländeform, Kammnähe, Bodenrauigkeit

SchneebrettZusatzbelastung:
Zusatzbelastung ist die Belastung der Schneedecke zusätzlich zu ihrem Eigengewicht. Eine geringe Zusatzbelastung ist beispielsweise ein einzelner, sturzfreier Skifahrer oder eine sturzfreie Skifahrergruppe, mit mindestens 10 Meter Abstand zwischen den Personen – den sog. Entlastungsabständen.

Eine große Zusatzbelastung ist z. B. ein stürzender Skifahrer, die Landung eines Sprungs, eine Gruppe von zwei oder mehr Personen ohne Entlastungsabstände, Pistenfahrzeuge, Sprengungen oder bereits ein einzelner Hiker ohne Ski bzw. Schneeschuhe.

Spontane Lawinen lösen sich ohne Zusatzbelastungen!

Exposition / Hangrichtung:
Die Exposition oder Hangrichtung ist diejenige Himmelsrichtung, in die ein Hang abfällt. Steht ein Rider mittags am Gipfel, hat einen Powder-Hang zu seinen Füßen und die Sonne im Rücken, dann ist der Hang ein... ? Richtig, ein Nordhang!

Triebschnee:
Triebschnee ist vom Wind verfrachteter, abgelagerter Schnee, der die gefürchteten Schneebrettlawinen bildet. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Schnee während des Schneefalls oder erst danach verfrachtet wurde. In Nordhängen findet man oft den besten Powder, leider ist dort die Schneedecke oft sehr instabil. Die meisten Lawinenunfälle passieren in sehr steilen Schattenhängen.

Backcountry JibbingWas kann der Lawinenlagebericht – und was nicht:
Die LLB's werden auf der Basis großer Datenmengen erstellt. Die Werte zahlreicher automatischer Messstationen werden ausgewertet und mit den Rückmeldungen der örtlichen Lawinenkommissionen verglichen. Der LLB nennt aber nicht nur die aktuelle Gefahrenstufe, sondern liefert darüber hinaus viele wertvolle Informationen. Und hier kommt es, wie so oft, auf das Kleingedruckte an! Wer das liest, erfährt, wie sich das Wettergeschehen auf die Stabilität der Schneedecke ausgewirkt hat, wo der meiste Schnee gefallen ist – und welche Hänge besonders lawinengefährdet sind.

Unbedingt beachtet werden müssen die als kritisch eingestuften Expositionen, Höhenlagen und Geländeformen! Auszug aus einem LLB: "Zu beachten sind vor allem Steilhänge der Expositionen Nordwest bis Nordost oberhalb von 2000 m Höhe." Hänge, auf die all diese Beschreibungen zutreffen, sind die besonders kritischen Bereiche.

In diesen besonders gefährlichen Bereichen kommen fast Dreiviertel aller Lawinenopfer ums Leben. Leider heißt das nicht, dass du außerhalb dieser Kernzonen ohne Risiko powdern kannst. Auch in anderen Hängen gibt es Gefahrenstellen, jedoch sind sie dort wesentlich seltener.

Besonders problematisch für Freerider ist die Gefahrenstufe 3 = „erheblich“. Der Lawinenexperte Werner Munter spricht provozierend vom "todgeilen Dreier"! Ein Großteil der Lawinenunfälle resultiert aus der Kombination von 1.) sehr steil, 2.) nördlicher Exposition und 3.) Gefahrenstufe Drei – eine Ballung vieler Risikofaktoren.

Da der LLB die Beurteilung eines größeren Gebiets ist und sich die Stabilität von Einzelhängen leider nicht berechnen lässt, musst du die Entscheidung "fahren oder nicht" letztlich für dich selbst treffen. Aber das Kleingedruckte im LLB hilft bei dieser Entscheidung enorm!