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Hangneigung
Die Steilheit eines Hanges wird in Grad (°) und nicht - wie für viele
gewohnt - in Prozent angegeben (Ein 45° steiler Hang hat ein Gefälle
von 100%, ein 90° steiler Hang ein Gefälle von unendlich vielen %). Zur
Beurteilung der Lawinengefahr muss die steilste Hangpartie gemessen
oder geschätzt werden.
Für Freerider ist es daher wichtig, die Steilheit eines Hangs zuverlässig einschätzen zu können, da schon ein paar Grad steiler oder flacher darüber entscheiden können, ob ein Hang lawinengefährdet ist oder nicht. Das Schätzen der Hangsteilheit lernt man zwar relativ schnell, aber etwas üben muss man schon. Denn je mehr Erfahrung Du hast, desto geringer ist Deine Fehlerquote.
Faustregel: Mit Felsen durchsetzte Steilhänge, von Gletschern aufgeschobene Schuttwälle und Hänge, an denen Lockerschneelawinen von selbst anreißen sind immer über 39° steil!
Hangexposition
Unter der Hangexposition versteht man die Himmelsrichtung, in die der Hang abfällt.
Morgens wird ein Osthang direkt von der Sonne beschienen. Um die
Mittagszeit steht die Sonne am höchsten Punkt – die eingestrahlte
[Wärme-]Energie ist besonders hoch – Südhänge erhalten die intensivste
Sonneneinstrahlung. Vom Nachmittag bis zum Sonnenuntergang werden die
nach Westen geneigten Hänge besonders intensiv bestrahlt.
Die Hangexposition ist ein entscheidender Faktor bei der Beurteilung der Lawinengefahr. Hänge, die äußerlich beinahe gleich aussehen, können von der Gefahrenlange her stark unterschiedlich sein - je nachdem ob sie der Sonne zugeneigt sind oder nicht bzw. zu welcher Tageszeit sie befahren werden.
Zur Bestimmung der Exposition leistet ein Kompass sehr gute Dienste, da es hier oftmals auch auf relativ feine Abstimmungen ankommt. Ebenso helfen detaillierte Karten (min. 1:50.000 - besser 1:25.000) weiter.
Jahreszeit und Sonnenstand
Solange
die Sonne im Früh- und Hochwinter (v.a. Dezember und Januar) sehr
niedrig über dem
Horizont steht, wirken sich selbst kleinste Geländeformen stark auf die
Bestrahlungsintensität der Schneedecke aus – jeder Stein wirft einen
langen Schatten.
Daher erhalten steil geneigte Hänge deutlich mehr Energie in Form von Sonnenstrahlung als flache. Auch bekommen bestimmte Expositionen zu dieser Jahreszeit praktisch überhaupt keine direkte Sonneneinstrahlung ab (Nordhänge).
Geländeformen
Einige wichtige Geländeformationen und ihre Besonderheiten sollte jeder Freerider kennen:
Einschnitte und Sättel: Geländeeinschnitte/ -verengungen und Sättel verursachen eine starke Zunahme der Windgeschwindigkeit und der Schneeverfrachtung. Auf der Windschattenseite (Lee) werden große Mengen Triebschnee abgelagert.
Rücken und Grate: Hinter Rücken und Graten bilden sich Wechten, die auf der
Windschattenseite weit überhängen können. Der Schnee wird dabei von der
Windseite (Luv) in die Windschattenseite (Lee) transportiert.
Je flacher und breiter die Rücken sind, desto mehr Schnee wird in die Windchattenseite (Lee) verfrachtet. Hangparallele Winde verfrachten den Schnee ebenfalls in die Windschattenseite der Rinnen. Triebschneerinnen machen viel Spass beim Fahren, sind jedoch extrem lawinengefährdet - Rinnen sind Lawinenbahnen! Auch wenn sie noch so verlockend erscheinen: Rinnen meiden, Rücken suchen! Auch in Mulden und hinter Geländehindernissen wird Triebschnee abgelagert.
Geländefallen: V-förmige Gräben können zur tödlichen Falle werden, denn hier können Dich schon „kleine” Lawinen extrem tief verschütten.
Besonders gefährlich sind Gräben und Senken am Ende eines Hangs.
Flachstücke am Ende von Steilhängen sind ebenfalls Fallen: Löst du eine Lawine
aus, hast du keine Chance zu entkommen. Daher: „Geländefallen“ möglichst meiden oder schnell verlassen!
Ungegliederte Steilhänge:
Ungegliederte Steilhänge sind glatte, steile Bergflanken, an denen die
Schneedecke nur schwach abgestützt wird. Da an solchen Hängen eine
ausgelöste Lawine schnell zur Riesenlawine werden kann, sind
ungegliederte Steilhänge immer mit extremer Vorsicht zu genießen und
nur bei sehr guten Verhältnissen einigermaßen günstig. Ebenfalls sehr
riskant sind steile Grashänge, da der Schnee hier meist eine sehr
schlechte Verbindung zum Untergrund hat. Besonders im Frühjahr steigt
das Risiko von Nassschneelawinen.
Kupiertes Gelände: Kupiertes Gelände bietet die besten Freeridemöglichkeiten, da das Gelände abwechslungsreich ist und alles bietet, was Freerider suchen: Sprünge, Wechten, Rinnen usw. Kupiertes Gelände erweckt oft den Schein, lawinensicher zu sein. Große Lawinen machen aber auch in gestuftem und kupiertem Gelände nicht Halt. Die Senken und Tälchen können dann zu gefährlichen Fallen werden, in denen man tief verschüttet werde kann - Hier ist vorsicht geboten. Denke daran: Oft erweckt ein solcher Hang eine trügerische Sicherheit.
Gletscher:
Gletscher sind langsam fließende Eismassen. Durch die Bewegung,
Geländeformen unter dem Gletscher und den enormen Druck der Eismassen
entstehen Risse und Verwerfungen - Die Gletscherspalten. Diese können
leicht bis zu 100 Meter tief
sein und mehrere Meter breit! Besonders im Herbst und Frühwinter sind
sie oft nur oberflächlich zugeschneit und extrem gefährlich. Aber auch
im Hoch- und Spätwinter können die
Schneebrücken leicht brechen. Da das Eis fließt, verändert sich
auch die Position der Spalten laufend.