Inhaltsverzeichnis:

Report - Besuch des Fimbul Skibauseminars im Spielberghaus

Report - Besuch des Fimbul Skibauseminars im SpielberghausReview

Alltagsflucht und Heimwerkerstolz

Autor: Hans-Martin Kudlinski Date: 22. Dezember 2011
Das dritte Adventswochenende: Die umsatzstärkste Zeit des Jahres für den Einzelhandel. In den Geschäften und Einkaufszentren trampeln sich die Weihnachtsgeschenkejäger gegenseitig die Füße platt. Hektik und Betriebsamkeit wohin das Auge schaut - von der besinnlichen Zeit des Jahres keine Spur. Der perfekte Zeitpunkt also, dem Ganzen den Rücken zu kehren und sich auf den Weg nach Saalbach zu machen, um im Spielberghaus am Fimbul Skibauseminar teil zu nehmen. Gesagt, getan: Sonntagnachmittag sind die Sachen gepackt, das "Pickerl" an die Windschutzscheibe geklebt und der Anker kann gelichtet werden. Vier Stunden später finde ich mich dann im Gegensatz zum bis dahin ungemütlich milden Wetter daheim im Allgäu, in einem regelrechten Winterwonderland wieder. Die geschlossene Schneedecke auf dem Weg hinauf auf 1311 Meter zum Spielberghaus sorgt dann für den endgültigen Schritt in Richtung Alltagsflucht: Auf der Ladefläche der hauseigenen Schneeraupe schlängelt man sich im Mondschein die Serpentinen nach oben zum Ziel der Reise.

Oben angekommen folgt die herzliche Begrüßung durch die Betreiber, Sabine und Walter Höll, auf dem Fuße. Den Koffer ins gemütliche Doppelzimmer gestellt und nichts wie ab in die Gaststube, wo "Seminarleiter" Clemens Maucksch bereits auf seine "Schüler" wartet.

Wie sich die Idee vom Skibau zum Angebot eines Seminars entwickelte
Beim Abendessen und einem kühlen Bier lernt man sich schließlich in ungezwungener Atmosphäre kennen und erfährt die Beweggründe, ein solches Seminar ins Leben zu rufen. "Lustigerweise hat mich das heiß diskutierte Thema in der Community von freeskiers.net zu einem nicht ganz unerheblichen Teil dazu gebracht, sich näher und eben auch praktisch damit auseinander zu setzen. Ich war von der Idee begeistert und habe mir dann in den letzten dreieinhalb Jahren ein immer umfangreicheres Wissen angeeignet, selbst ein Skibauseminar besucht und viel experimentiert." Die Leidenschaft und das technische Interesse sind Clemens während seiner Ausführung deutlich anzumerken.

Die Frage, wie er dazu kam, ein solches Seminar gerade hier im Saalbacher Spielberghaus zu veranstalten, beantwortet sich für ihn recht einfach: "Ich war schon mehrere Male hier, um Urlaub zu machen. Im Sommer mit dem Bike, letzten Winter dann auch zum Skifahren. Als die Bine meine selbst gebauten Ski gesehen hat, war sie gleich begeistert und hat mich darauf angesprochen, ein solches Seminar doch hier zu veranstalten. Mir gefiel die Vorstellung, das Ganze in einer solch schönen Location abzuhalten. Lange Rede kurzer Sinn, nun sitze ich letztendlich heute hier mit euch zusammen."

Geselliger Auftakt
"Ihr" - damit ist die kleine aber illustre Gruppe an Teilnehmern gemeint. Diese setzt sich aus Michael Holder, einem IT-Consultant und Harald Philipp, einem professionellen Mountainbiker und Guide - er selbst bezeichnet sich als Bikebergsteiger - aus Innsbruck zusammen. Ach ja, natürlich werde auch ich selbst mein immenses handwerkliches Geschick unter Beweis stellen, bzw. den Versuch unternehmen, dies zu tun.


Nach einem angenehmen Abend, in dessen Rahmen uns Clemens (ganz nebenbei) die theoretischen Grundlagen des Skibaus nahe brachte, stehen wir also am nächsten Morgen in der Werkstatt des Spielberghauses und sind zu allen Schandtaten bereit.

Erste Erfolgserlebnisse...
Die erste Aufgabe scheint auch ohne Schreinerlehre machbar und ringt unserer Heimwerkerehre passend zur Tageszeit lediglich ein müdes Lächeln ab: Es gilt, die verleimten Eschenholzbretter mit Hilfe einer Stichsäge auf die passende Länge zu bringen, um sie in die "Negativform" für den Skikern einspannen zu können. Das schaffe dann sogar ich ohne eine meiner Gliedmaßen einbüßen zu müssen.

"Negativform" und Elektrohobel erleichtern dann im Zusammenspiel einen wichtigen Schritt zu Beginn: Das Ausdünnen des Kerns zu den Enden hin. Wer schon einmal einen Ski in der Hand gehalten hat, weiß, dass dieser unter der Bindung zwar relativ dick ist, in Richtung der Skienden jedoch dünner wird. Das soll letztendlich auch bei unseren Exemplaren nicht anders sein, daher lautet die Devise: Hobeln, hobeln und nochmals hobeln...

Sind die Enden des Kerns einmal ausgedünnt, werden hier jeweils "Kerben" ausgespart, um den sogenannten Tip- und Tail-Spacern einen Aufnahmepunkt zu bieten. Dabei handelt es sich um einen flexiblen Kunststoff, welcher Schaufel und Heck des Skis etwas biegefreudiger machen wird. So weit, so gut - das erfolgreiche Absolvieren der ersten Arbeitsschritte lässt Hoffnung für unsere handwerklichen Fähigkeiten aufkeimen.


... und kleine Denkzettel
Beim Biegen der Stahlkanten mit ihren innenliegenden Verzahnungen fließt dann das erste Blut. Mein, sagen wir mal optimistischer Verzicht auf das Tragen von Arbeitshandschuhen in Kombination mit motorischem Unvermögen, führt zu einem Cut im Zeigefinger. Bei genauerem Hinsehen kann jedoch aufgrund der "Ausmaße" der Verletzung auf einen Notarzt und zusätzliche Blutkonserven verzichtet werden - auf das Tragen der empfohlenen Handschuhe jedoch eher nicht mehr.

Nachdem die abgerundeten Kanten für Tip und Tail allesamt mit Hilfe einer Biegemaschine in Form gebracht wurden, geht es daran, diese an die Beläge anzupassen. Letztere wurden zuvor mit einer Oberfräse auf den gewünschten Shape zurecht geschnitten. Kleine Differenzen lassen sich hier von Hand korrigieren. Anschließend machen wir uns daran, das komplett umlaufende Kantenmaterial mit Sekundenkleber vorläufig an den Belag zu heften. Eine exakte Passgenauigkeit ist hier besonders wichtig, um keine Lücken zwischen den beiden Materialien entstehen zu lassen. Wir sind mit unseren künftigen Meisterwerken bislang durchaus zufrieden - so langsam erkennt man, was letzten Endes entstehen soll. Glücklicherweise scheint auch Clemens unsere Meinung zu teilen.

Wer hart arbeitet muss gut essen
Doch neben der ganzen Arbeit soll natürlich auch unser leibliches Wohl nicht auf der Strecke bleiben. Nur ca. 20 Meter Luftlinie entfernt, lockt die hervorragende Küche des Spielberghauses mit zahlreichen Möglichkeiten, sich für die Weiterarbeit zu stärken - da lassen wir uns nicht zweimal bitten.


Mit vollem Magen verfrachten wir uns zurück in die Werkstatt. Der nächste Schritt ist das sogenannte "Wet-Layout" in dem die einzelnen "Schichten" unseres Ski-Sandwichs zusammen finden. Dafür werden zunächst zwei Lagen Glasfasergewebe in der Gesamtlänge des jeweiligen Skis, vier VDS Rubber- und zwei Carbongewebebänder zugeschnitten und reichlich Epoxydharz angemischt. Besonders letzteres sollte uns noch eine ganze Weile beschäftigen.



Weiter geht es auf der nächsten Seite...

Additional Information
www.fimbulski.wordpress.com www.spielberghaus.at
Article Options
Im Forum über diesen Artikel diskutieren zurück zum Anfang

 

Skiers Region Guide

Der umfassende Tourenplaner! mehr ...

Mammut Safety Rubrik

Alles rund um das Thema Sicherheit.  mehr ...

Kostenlose Filme

Alle gratis Movies der Saison! mehr ...